Dienstag, 23.Mai

Heute haben
Harry Graf Kessler * 1868
Max Herrmann-Neiße * 1886
Pär Lagerkvist * 1891
Annemarie Schwarzenbach * 1908
Geburtstag
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Heute im Gedichtekalender:

Friedrich Hölderlin
Geh unter, schöne Sonne

Geh unter, schöne Sonne, sich achteten
Nur wenig dein, sie kannten dich, Heilige, nicht,
Denn mühelos und stille bist du
Über den Mühsamen aufgegangen.

Mir gehst du freundlich unter und auf, o Licht!
Und wohl erkennt mein Auge dich, Herrliches!
Denn göttlich stille ehren lernt ich,
Da Diotima den Sinn mir heilte.

O du des Himmels Botin! wie lauscht ich dir!
Dir Diotima! Liebe! wie sah von dir
Zum goldnen Tage dieses Auge
Glänzend und dankend empor. Da rauschten

Lebendiger die Quellen, es atmeten
Der dunkel Erde Blüten mich liebend an,
Und lächelnd über Silberwolken
Neigte sich segnend herab der Aether.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Coco Burckhardt:Erste Hilfe mit frischen Wildpflanzen
Die Naturapotheke für unterwegs
Ulmer Verlag € 9.90

Nachdem wir jetzt nun schon wissen, dass wir die halbe Wiese zu Suppen, Aufläufen, Pestos und Smoothies verarbeiten können, gibt es nun ein kleines Büchlein, das uns Pflanzen zeigt, die uns erste oder sogar vollständige Hilfe bei kleinen Verletzungen leisten können. Perfekt, wenn wir in der Natur unterwegs sind, gestochen werden, oder uns den Knöchel verstauchen, sogar wenn uns die Puste ausgeht ….. auch hier ist ein Kraut gewachsen.

Bei Insektenstichen hilft uns der Spitzwegerich, das Gänseblümchen, wilde Malve und der Ampfer. Einfach die Blätter zerquetschen und auflegen.
Bei Prellungen und Stauchungen suchen wir Beinwell, Gänseblümchen und die Minze.
Schafgarbe, Schlehe, Esche und die Rose helfen bei kleinen Wunden. Und sogar unser vielgeliebter Giersch ist ein wahres Wundermittel Reich an Mineralstoffen und Vitaminen hilft auch er bei Wunden und Insektenstichen.
Ob wir aber eine Brennessel gegen Erschöpfung kauen wollen ist wohl etwas fraglich…..

Das Büchlein ist reich und naturgetreu bebildert, damit wir auch das richtige Kraut finden. Es hat jede Menge andere Rezepturen und im Anhang eine schöne Übersicht über alle im Buch genannten Pflanzen.
Alles sind „Allerweltskräuter“ und bestimmt auch auf dem nächsten Spaziergang zu entdecken und wenn
die Mücken stechen, dann gibts ein Gänseblümchen gegen den Juckreiz.

Blick ins Buch

Die Wildpflanzenexpertin Coco Burckhardt, Bad Grönenbach, lebt auf einem Selbstversorgerhof mit Wildpflanzenanbau im Allgäu. Seit über 20 Jahren sammelt und erprobt sie alte und neue Wildpflanzen-Verwendungsweisen. Als Dozentin für Weiterbildung und als Walderzieherin gibt sie ihr fundiertes Wissen und ihre erprobten Rezepturen weiter.

ORTE 10

Christel Müller, bildende Künstlerin, und Silvia Trummer, Schriftstellerin, arbeiten seit vielen Jahren themenbezogen zusammen. Sie haben in der Schweiz und Deutschland mehrere Ausstellungen gestaltet, indem sie Bilder, Texte und Objekte nebeneinander stellten. Unter dem Titel “ORTE“ zeigen die beiden Frauen Fotos und Notizen von unterwegs, an denen sie in den letzten Jahren gearbeitet haben. Was dabei entstanden ist, illustriert den Prozess von Gehen, Schauen und Gestalten. „Man könnte alles neu sehen“.

Freitag, 19.Mai

Rainer Maria Rilke

Das ist der Tag, in dem ich traurig throne,
das ist die Nacht, die mich ins Knieen warf;
da bet ich: dass ich einmal meine Krone
von meinem Haupte heben darf.

Lang muss ich ihrem dumpfen Drucke dienen,
darf ich zum Dank nicht einmal ihren blaun
Türkisen, ihren Rauten und Rubinen
erschauernd in die Augen schaun?

Vielleicht erstarb schon lang der Strahl der Steine,
es stahl sie mir vielleicht mein Gast, der Gram,
vielleicht auch waren in der Krone keine,
die ich bekam?…

„Rilke und Russland“
Trinationales Forschungs- und Ausstellungsprojekt
Marbach – Bern, Zürich – Moskau
Deutsche Schillergesellschaft € 30,00

„Dass Russland meine Heimat ist, gehört zu jenen großen und geheimnisvollen Sicherheiten, aus denen ich lebe.“
Rilke

Insgesamt zweimal, 1899 und 1900, besuchte Rainer Maria Rilke gemeinsam mit Lou Andreas-Salomé Russland und die heutige Ukraine. Diese Reisen sollten als eine der wirkmächtigsten Auslandserfahrungen in die Geschichte der deutschsprachigen Literatur eingehen. Für Rilke selbst waren sie ein Erweckungserlebnis – persönlich, künstlerisch und spirituell. Viele Spuren seiner intensiven Beschäftigung mit den »russischen Dingen« finden sich in seinem Werk. Nur wenige Dichter der Moderne sind in Russland vor der Oktoberrevolution so stark rezipiert worden. Russland blieb für Rilke zeitlebens Heimat und Sehnsuchtsort.

Quadratisch, matt schwarz mit geprägter Schrift liegt der Katalog vor mir. Die Marbacher machen einfach tolle Kataloge. Vollgepackt mit Dokumenten und Fotos, meine ich fast hineingreifen zu können.
Ilma Rakusa schreibt über das „Projekt“ Rilke in Russland. Dass sie selbst auf diesen Spuren in Russland unterwegs ist, wundert sie. Obwohl sie schreibt, dass sie schon immer Rilke im gepäck hatte, ist diese Reise im Jahr 2016 doch etwas ganz Besonderes. Allein schon dieser Reisebericht ist wirklich stark und erhellend.

Im Rahmen der trinationalen Ausstellung werden erstmals die Zeugnisse dieser legendären Faszination zusammengeführt: Tagebücher, Dokumente und Bilder aus dem Deutschen Literaturarchiv, dem Schweizerischen Literaturarchiv, dem Rilke-Archiv in Gernsbach, dem privaten Lou-Andreas-Salomé-Archiv in Göttingen sowie vor allem Briefe aus russischen Archiven und Sammlungen. Zwei zeitgenössische Künstlerinnen und ein Künstler öffnen zudem gegenwärtige Perspektiven auf Rilkes Reisewege in Russland: Fotografien von Mirko Krizanovic und Barbara Klemm sowie ein Film von Anastasia Alexandrowa werden korrespondierend zu den historischen Materialien gezeigt.

Die Ausstellung läuft vom 3. Mai bis zum 6. August 2017.
Die Öffnungszeiten sind von
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr