Freitag

Heute haben
Ludwig Tieck * 1773
Georg Herwegh * 1817
Walt Whitman * 1819
Geburtstag
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Walt Whitman
A Clear Midnight

This is thy hour O Soul, thy free flight into the wordless,
Away from books, away from art, the day erased, the lesson done,
Thee fully forth emerging, silent, gazing, pondering the themes thou lovest best.
Night, sleep, and the stars.

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Mein Tipp für’s Wochenende.
Neu als Taschenbuch und passt in jedes Fluchtgepäck, falls das Wetter noch schlechter wird.

Finkler

Howard Jacobson: „Die Finkler-Frage
Aus dem Englischen von Bernhard Robben
btb € 10,99

Julian Treslove wäre gerne einer, Libor Sevcik und Sam Finkler sind welche. Juden nämlich. Das ist genau auch die Finkler Frage. Julians Lebenslauf drängt ihn dazu,dass er doch auch gerne eine Jude wäre. Bei den Frauen kein Glück, zwei Söhne, die er nicht kennt, bei der BBC um den Job gebracht und zu guter letzt bei einem Raubüberfall sogar noch als Jude beschimpft. Oder war es nur ein Hörfehler (Jew, juwel, Jules). Irgendwo verrennt er sich in dieses Thema und führt heftige Debatten mit seinem alten Schulkollegen Finkler und dem Shoaüberlebenden Sevcik.
Jonathan Safran Foer sagt über Jacobson, dass es schade sei, dass er Engländer und nicht US-Amerikaner ist. Dort wäre er mit seinen jüdischen Wurzeln ein ganz Großer. Philip Roth, der dabei immer zitiert wird, hat schon lange kein so witziges, hintergründig freches, tagesaktuelles Buch über das Judentum, den Staat Israel geschrieben, an dem sich die europische Linke so manchen Zahn ausbeissen könnte. Jacobson möchte aber nicht als englischer Philip Roth bezeichnet werden, nennt sich deshalb selbst die jüdische Jane Austen. Auch nicht schlecht.
Aber zurück zum Roman. Ein Handlung gibt es eigentlich nicht. Wenn Sie Action brauchen, sind Sie am falschen Buch. Wenn Sie allerdings die Filme von Woody Allen lieben, kommen wir der Sache schon näher. Es herrscht hier auf 400 Seiten ein richtiges Durcheinander der Gefühle und Gespräche mit einem großen Wortwitz. Sowohl im Liebesleben befinden wir uns auf einer Achterbahn, wie auch im Politischen. Mit den Mitteln der Satire beschreibt Jacobson die Fehler, die aus einer übertriebenen Liebe zum Judentum, wie auch dem Antisemitismus entstehen. Melancholie und Witz wechseln sich. Deftig und zart geht Jacobson mit seinen Figuren um und bringt unsere Gedanken auf Hochtouren.
Was bleibt? Was ist Jacobsons Fazit? Ganz einfach: Wir müssen mit unserer Unvollkommenheit zufrieden sein. Und das mit einer ordentlichen Portion Humor.
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Donnerstag

Feiertag! Frei! Keine Arbeit!
Und bis jetzt noch kein Regentropfen.
Die Nachbarskatzen begrüßen uns mit einem abweisenden Blick Richtung Sonne.

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Es sind zwar noch Pfingstferien (zumindest hier in BaWü), aber die Kleinen können doch immer Stoff zum Lesen gebrauchen.
Hier gibt es eine schöne Mischung aus Selberlesen, Vorlesen, Rätseln und Basteln.

Kugelblitz

Ursel Scheffler / Max Walther:
Kugelblitz und die Buchstaben-Detektive
Carlsen Verlag € 12,90

Kommissar Kugelblitz hat zwei neugierige Kinder zu Besuch, die von ihm alles über die Welt der Buchstaben wissen wollen. Und Kugelblitz zeigt ihnen, wo Buchstaben im Alltag überall vorkommen: das P in Polizei, das B in Bus oder das W in WC. Außerdem erzählt er zu jedem der 26 Buchstaben einen spannenden Kurzkrimi, witzige Gedichte und Geschichten.
Wir kennen das von James Krüss und seinen Alphabet-Gedichten. Hier finden wir die Buchstaben überall versteckt und doch für alle sichtbar. Es sind nur 26 Buchstaben, aber unendlich viele Geschichten dazu. O, die armen Chinesen, die bräuchten dafür nicht 150 Seiten wie hier, sondern ein mehrbändiges Werk.
Kugelblitz gehen die Ideen nicht aus und trägt zum Buchstaben „W“ ein Wassergedicht vor. Zum „L“ gibt es einen längeren L-Krimi: Langfinger im Lotto-Laden mit vier Fragen zum Selberlösen. Fotoapparate werden gebraucht, Autoschilder analysiert, Zungenbrecher vorgestellt (Hinter Hannas Hühnerhaus …..) und beim „E“ gibt es einen Einbruch bei Emil Erbse,
Sie merken schon. Ein volles Programm für die beiden Kinder und sie halten den Kommisar ganz schön auf Trab.
Ein Buch für die ganze Familie, zum Weiterrätseln, Weiterdichten. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Sicherlich auch gut für die Kleinen auf den Rücksitzen, die die Rätsel vortragen können und die anderen Mitfahrer raten dann mit. Oder Zungebrecher üben und selber welche zusammenbasteln.
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Nicht vergessen:

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Der Jastram-Pixi-Mal-Wettbewerb
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Auch nicht vergessen:

Am kommenden Dienstag, 4.Juni um 19 Uhr
ist es wieder so weit.
„Die erste Seite“
Wir stellen Ihnen vier Bücher vor.
Clemens Grote ist wie immer der Vorleser.
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1000

1.000 Einträge auf unserem Jastram-Bilderblog jastram.tumblr.com.
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Mittwoch (was sonst)

Heute gabe es im Gedichte-Kalender Folgendes zu lesen:

Joseph von Eichendorff
Der alte Garten

Kaiserkron und Päonien rot,
Die müssen verzaubert sein,
Denn Vater und Mutter sind lange tot,
Was blühn sie hier so allein?

Der Springbrunnen plaudert noch immerfort
Von der alten schönen Zeit,
Eine Frau sitzt eingeschlafen dort,
Ihre Locken bedecken ihr Kleid.

Sie hat eine Laute in der Hand,
Als ob sie im Schlafe spricht,
Mir ist, als hätt ich sie sonst gekannt –
Still, geh vorbei und weck sie nicht!

Und wenn es dunkelt das Tal entlang,
Streift sie die Saiten sacht,
Da gibt’s einen wunderbaren Klang
Durch den Garten die ganze Nacht.

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Neu im Bücherregal:

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Peter Laudenbach: „Die elfte Plage
Wie Berlin-Touristen die Stadt zum Erlebnispark machen
Critica Diabolis 208
Edition Tiamat € 13,00
Es geht um „Rent a Hippie“, „Der Hipster-Tourist in vier Kapiteln“, „Die Stadt als Partymeile“, bis hin zu einem Ausblick in ca. zehn Jahren: „Heitere Aussichten. Berlin 2022“ und Peter Laudenbach lässt kein Fettnäpfchen aus. Es ist so gruselig echt und in Wirklichkeit wahrscheinlich noch viel schlimmer. Ich möchte es gar nicht genauer wissen, kann es aber erahnen, wie es sich anfühlt, wenn rund um die Uhr gebrüllt, gesoffen und geko…. wird.
Laudenbach schreibt über ein sehr trendiges Hotel, in das man nur als Mitglied hineinkommt und die Stadt auf der Dachterasse von oben betrachten kann. Er schreibt über die riesige Zahl von Wohnungen, die zu (illegalen) Ferienwohnungen umfunktioniert werden. Er lässt Männer zu Wort kommen, die den Tourismus fördern und die anderen, die das Bisherige schützen wollen. Zwischen alle dem sitzen die Berliner, die natürlich auch wiederum aus vielen Schwaben bestehen. So entlädt sich der Unmut an den Häuserwänden nicht nur an den Touristen, sondern auch an den Schwaben und anderen Zugereisten. Schwieriges Pflaster. Und gleichzeitig finde ich mich in den Touristenbeschreibungen auch wieder. Und dabei ist es egal, ob es sich um Berlin, London, Barcelona oder New York handelt.
Insgeamt ein witziger Rundumschlag, der sich gewaschen hat.
Für mich als Südstaatler, der auf dem Land lebt sehr erheiternd und erleuchtend.

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