Donnerstag

Heute hat John Keats (* 1795) Geburtstag.
Der arme Kerl starb schon 1821 und liegt auf dem Nichtkatolischen Friedhof in Rom.
Ein Besuch des Friedhofes lohnt sich immer. Nicht nur wegen der vielen Katzen, die sich dort sichtlich wohlfühlen. Wir treffen dort auch andere Bekannte, wie die Herren Waiblinger und Gramsci, Goethes Sohn und halt das Grab von John Keats, auf dessen Grabstein: „Here lies One Whose Name was writ in Water“ steht.
_______________________

John Keats
A Dream, After Reading Dante’s Episode Of Paolo And Francesca

As Hermes once took to his feathers light,
When lulled Argus, baffled, swooned and slept,
So on a Delphic reed, my idle spright
So played, so charmed, so conquered, so bereft
The dragon-world of all its hundred eyes;
And seeing it asleep, so fled away,
Not to pure Ida with its snow-cold skies,
Nor unto Tempe, where Jove grieved a day;
But to that second circle of sad Hell,
Where in the gust, the whirlwind, and the flaw
Of rain and hail-stones, lovers need not tell
Their sorrows. Pale were the sweet lips I saw,
Pale were the lips I kissed, and fair the form
I floated with, about that melancholy storm.
_________________________

mne_DE_While He Was Sleeping_Cov_z_Layout 1

Ayano Imaí: „Während der Bär schlief
Deutsch von Renate Raecke
Minedition € 13,95
Bilderbuch ab 4 Jahren

Bruno Bär ist ein Eigenbrötler und zunächst gar nicht begeistert, als Vögel seinen Hut als Nistplatz entdecken. Doch er gewöhnt sich an die nette Gesellschaft, die ihn mit ihrem Gesang und fröhlichen Leben die Einsamkeit vertreibt. Dazu muss ich noch erwähnen, dass Bruno Bärs weißer Hut immer höher wird. Also, umso mehr Vögel einziehen, je mehr Nistplätze in seinem Hut entstehen, umso mehr wächst das weiße Ding in die Höhe. Doch das scheint Bruno gar nicht mehr zu stören. Es entwickelt sich sogar eine neue Mode und viele in der Stadt wollen auch so einen hohe Hut (wie der sich nur tragen lässt???), aber die Vögel wollen nur bei Bruno nisten. Eines Tages sind alle Vögel verschwunden. Es ist Herbst und die Tage werden kälter. Traurig wartet Herr Bär nun jeden Tag auf ihre Wiederkehr und wird dabei von einem tiefen Schlaf übermannt. Alles ist weiß um sein Haus herum. Die Wiesen, die Bäume, sein Haus und der Hut, der im Garten steht und hoch wie ein Telefonmasten ist. Als er erwacht, wartet eine wunderbare Überraschung auf ihn.
Ayano Imaí hat eine verträumt schöne, eine schöne Traumgeschichte geschrieben und gemalt. Ob da nun alles stimmig ist, oder der Fantasie der Künstlerin entsprungen, spielt wirklich keine Rolle, weil das Bilderbuch wirklich aus dem Rahmen des Normalen kippelt.

Auf pinterest finden Sie viele andere Illustrationen von Ayano Imaí, damit Sie sich einen kleinen Eindruck über ihre sehr eigene Art der Malerei machen können.

Advertisements

Mittwoch

Heute haben
Lena Christ * 1881
Ezra Pound * 1885
Georg Heym *
Agotá Kristóf * 1935
Geburtstag
___________________________

Georg Heym
Bruder, im Wein…

Bruder, im Wein sind Geister vergraben
Tief in des Bechers tiefestem Schlund,
Die locken und rufen den törichten Knaben,
Folg nicht der lüsternen Stimme zum Grund.

Weck sie nicht auf, sind traurig zu schaun,
Und drehn sich und drehn sich im ewigen Kreis,
Im Ohre summt dir ihr dumpfes Geraun,
Dann wird dir so schwül und dann wird dir so heiß.

Und du wähnst den Stein der Weisen zu sehn,
Den nichts mehr den trunkenen Augen verhüllt,
Wenn vor dir taumelt in Nachtwindes Wehn
Der Herzallerliebsten verzaubertes Bild.

Dann vergißt du, daß Zeit und Stunden vergehn,
Die Worte sind längst dir entschwunden,
Dann ahnst du in Weiten Gestirne entstehn,
Die nicht an Gesetze gebunden.

Dann verlachst du den Tod, dann verlachst du die Welt
Und du reißt an der Brust das Hemde dir auf,
Wie die Brandung im Sturm an dem Meerschiff zerschellt,
So hältst du den Kurs zu den Sternen hinauf.
________________________

Kinder

Julia Hoersch, Nelly Mager, Claudia Seifert, Gesa Sander:Kinder kocht!
AT Verlag € 24,90

Das Kinderkochbuch reiht sich sehr gut in die Bücher des AT-Verlages ein und zeigt wieder einmal das gute Händchen von Claudia Seifert, die wir u.a. von ihrem Buch „Campingküche“ kennen, das wir hier schon vorgestellt haben. Dieses originelle, liebevoll gestaltete, witzig fotografierte Kochbuch, das den Kindern die Lust und Freude am Kochen und Backen vermittelt, ihre Neugier weckt, Rezepte auszuprobieren, zu schmecken und zu staunen, ist wirklich gelungen. Herrn Schlau oder Omi Kluge, zwei gezeichnete Figuren geben Anregungen und informieren, woher bestimmte Worte kommen und was sie bedeuten. Kinder können mit diesem Gang durch die vier Jahreszeiten vieles entdecken und lernen vielleicht auch eventuell noch Handwerkliches dazu. Wie schnipple ich einen Kürbis, wie dick, wie dünn sollen denn Apfelschnitze für ein Kuchen sein. Welches „Werkzeug“, welches Küchengerät brauche ich für welche Tätigkeit. Bei den über 100 Rezepten dürfte für jeden etwas dabei sein. Salate, Stockbrot, Wraps für das Schwimmbad und Ideen für Silvester. Wie backe ich Kuchen für die jeweilige Jahreszeit und wie geht eigentlich Eis für den Sommer? Ganz aktuell natürlich Pilzrezepte, oder auch Kürbisschnitze auf dem Backblech.
Grundlegende Tipps und Einführungen finden sich am Anfang des Buch. So auch: „Zuerst Händewaschen, dann Gemüsewaschen“.
Gestern abend schaute ich mir Buch im Buchladen an und Sie können sich vorstellen, wie mir das Wasser im Munde zusammengelaufen ist. Zuhause gab es dann Restesalat. Auch nicht schlecht.

Hier können Sie die ersten 50 Seiten anschauen, wenn Sie auf das Buch klicken.
_____________________

roxy-sommer

Nächste Woche, am Dienstag, den 5.November
liest Peter Stamm um 20 Uhr im
Ulmer ROXY.
Wir sind dort mit einem Büchertisch.
Die erste Seite“ fällt somit aus.

_____________________

Dienstag

CIMG0305

Gestern war noch schönes Wetter
________________________

Heute haben
Otto Flake * 1880
Jean Giraudoux * 1882
Claire Goll * 1890
Geburtstag
_______________________

Otto Flake
Wer Grundsätze hat, darf auch einmal einen fallen lassen.
_______________________

Schmidt

Arno Schmidt: „Und nun auf, zum Postauto!!
Briefe von Arno Schmidt
Herausgegeben von Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach
Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung
im Suhrkamp Verlag € 29,00

Aus der Korrespondenz eines genialischen Einzelgängers

„Wie mögen Sie sich nur so zu Herzen nehmen, was 1 LeckToren=Vieh, das der HErr in seiner unerforschlichen Gnade bei Rowohlt’s an die Spitze gelangen ließ, über Ihr Buch daherschwätzt?“
An Hans Wollschläger, 9.2.1963

„So! : ich hätte’s wieder mal überlebt. … Das Ergebnis? Je nun; ich bin da realistisch … Besseres, als ich bereits vorgelegt habe, werde ich wohl nicht mehr vermögen.“ Dies wiederum aus einem Brief von Arno Schmidt an seinen Schriftstellerkollegen Hans Wollschläger nach Abschluss der Arbeit am Roman Kaff auch Mare Crisium. Überraschend offen äußert sich der einzelgängerische Autor seinen wenigen Freunden gegenüber, spitz und oftmals geradezu maliziös sind seine Formulierungen, wenn er sich etwa an seinen Verleger Ernst Krawehl wendet. Doch welchen Ton er auch anschlägt, immer schon wusste er um sein „großes Talent, Briefe zu schreiben“.

Mehr als 150 Briefe Arno Schmidts versammelt dieser Band, die meisten davon bislang unpubliziert. Unter den Empfängern finden sich Mutter und Schwester, Kriegs- und Schulkameraden, Verleger und Autoren. Die Korrespondenz gibt pointiert formulierte Einblicke in den entbehrungsreichen und ungeheuer disziplinierten Alltag und dient dabei immer auch der Selbstvergewisserung als Schriftsteller: Arno Schmidt erzählt in seinen Briefen anschaulich und witzig vom Leben und vom Schreiben.
Aber er gibt auch Tipps. In einem Brief an Martin Walser lobt er ihn für sein neues Buch und die Titelerzählung sei auch sehr gelungen, aber wo Rosen sind, gibt es auch Dornen. Und sein Stil neige doch sehr zur Gefälligkeit. Ohje, da hat der gute Walser damals schon getobt. In einem Brief an Siegfried Unseld im August 1963 schreibt er:
„Sehr geehrter Herr Unseld!
Schönen Dank, für den Brief, den Sie mir gleich nach Ihrer rückkehr aus dem Ulm schrieben – (übrigens: <Urlaub<? Was ist das?) …“ Es geht um eine Herausgabe eines Buches von Stainslaus Joyce. Weiter heisst es:
„3.) (dass) der Herausgeber ein Trottel ist! Beziehungswiese, vornehmer ausgedrückt, einer der zahlreichen graduierten Literaturschwätzer, …“
Das ist der gute alte Arno Schmidt, wie wir ihn aus seinem Werk kennen.
Ein großer Spaß nicht für Jünger des Meisters, auch für diejenigen, die sich für deutsche Literatur interessieren.

Briefe u.a. an Alfred Andersch, Max Bense, Walter Boehlich, Heinrich Böll, Jörg Drews, Lucy Kiesler, Ernst Krawehl, Ernst Kreuder, Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, Wilhelm Michels, Else Murawski, Bernd Rauschenbach, Jan Philipp Reemtsma, Eberhard und Dorothea Schlotter, Clara Schmidt, Siegfried Unseld, A. Paul Weber und Hans Wollschläger.
__________________________

Simons Katze, das Lesen und die Spinne