Montag

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Gesten hatten
Tome Wolfe * 1931
John Irving * 192
Tilman Spengler * 1947
Geburtstag
und heute
Charles Seafield * 1793
Gudrun Pausewang * 1928
Josef Winkler * 1953

Gesine Crespahl wird heute 80 Jahre alt und Uwe Johnson erwähnt es seinen „Jahrestagen“ überhaupt nicht. Der Eintrag vom 3.März 1968 ist ein Brief von D.E., der ihr damit indirekt einen Heiratsantrag macht.

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Ob sie als alte Dame noch am Riverside Drive wohnt, ob sie überhaupt noch lebt?

Dabei fällt mir ein, dass wir um den 21.Agust herum (da beginnen die „Jahrestage“) eine Marathonlesung im Buchladen veranstalten wollen und noch Vorleser suchen, damit wir 3:30 Stunden aus dem Buch lesen können.
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Für einen  guten Start in die Woche:

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Ariadne von Schirach:Du sollst nicht funktionieren
Für eine neue Lebenskunst
Tropen Verlag € 17,95

Attraktiv, jung, dynamisch, erfolgreich sollen wir sein. Die 50jährigen sind die früheren 30jährigen, die Industrie hat den Begriff dafür „Bestager“erfunden. Die Suche nach Glück, Gesundheit und Erfolg schreiben wir uns ganz oben auf die Fahne. Dabei verlieren wir die Lust in vielen Bereichen. Also die wirkliche Lust und nicht den Konsum. Die Lust auf essen, trinken, rauchen, Sex und einiges mehr. Diese Dinge werden verpöhnt, rauchen verboten und wer heute noch Fleisch isst, dem soll man nicht mehr trauen. Dabei vergessen wir, dass unser aller Leben endlich ist, auch wenn sich Mörtel Luger auf dem Wiener Opernball noch 8 Botox-Spritzen gegeben hat. Der Abend war für ein trotzdem ein Desaster. Genau wie das Leben vieler Menschen, die von Termin zu Termin hetzen und die wirklichen wichtigen Dinge des Lebens vergessen haben. Ariadne von Schirach, Publizistin und Philosophin an der Berliner Universität der Künste, hat ihr zweites Buch veröffentlicht und greift dabei weit zurück in die Philsophenkiste. Sie erfindet uns ein Personal aus Stereotypen, die wir auf den Straßen, auf Stehempfängen und hinter den Schreibtischen finden können. Sie gibt ihnen eine Kurzbiografie und versucht uns damit ihr Anliegen näher zu bringen: Wir sollen das Leben wagen, anstatt es zu verwalten. Das Leben an sich ist schon schwer genug und wenn wir nun auch noch den Tod (den sie öfter auf dem Sofa sitzend vorkommenlässt) verdrängen, wir es ganz schwierig. Dazu zitiert sie nicht nur die aktuellen Philosphen und Publizisten wie Byung-Chul Han (der übrigens auch der gleichen Universität unterrichtet) und Rober Pfaller mit seinem Buch „Wofür es sich zu leben lohnt“. Michael Sandel („Was man für Geld nicht kaufen kann“) und Slavoj Zizek sind genauso mit dabei wie Seneca, Epikur, Epitekt, Kant und Adorno. Gut, das ist nun nix besonderes, um die Namen kommt man wohl drumherum, wenn man sich auf dieses Gebiet begibt. Und vieles in dem Buch haben wir auch schon hundert mal gehört, genauso wie die Plattituden, die auf den Parties fallen. Aber erstens ist es gut, sich ein weiteres Mal mit dem Leben auseinanderzusetzen und wenn auch nur ein paar Ansätze neu sind, lohnt sich so eine Lektüre.
Ariadne von Schirach schreibt über „Ein Unbehagen, oder von der Allgegenwart der Märkte und der Frage, was passiert, wenn (das) Leben selbst zur Ware sird“. Wenn wir unser Leben in facebook posten, nichts mehr an unserem Körper schön finden, wenn wir Modemagazine durchblättern, oder wenn uns Stilikonen zeigen, wie es sein soll. Sie geht weiter zu den Hungermädchen, die sich um keinen Preis der Schwere des Leben stellen. Und sie endet im 5.Kapitel mit dem Verschwinden. Es verschwindet die Traurigkeit, die Melancholie und das Bangen und die Angst. Der Tod verschwindet und aus Angst vor ihm, sterben immer mehr Menchen schon zu Lebzeiten und wandeln einbalsamiert durch die Tage. Das Denken verschwindet, weil des die Dinge ordnet, bevor es sie erfasst, Denken ist aktiv, nicht reaktiv. Es verschwindet auch die Spontanität und der Zufall. Das Innehalten und die Stille verschwindet. Die Treue und Loyalität verschwindet. Es bleibt jedoch der Konsum, die Pornografie, das zur Schaustellen, der Markt, der Wettbewerb bleibt. Die gute Laune bleibt, genauso wie Wellness und Gesundheit. Sehnsucht, Hoffnung und Sorge bleibt, die Ausbetung bleibt und die Erschöpfung bleibt.
„In einer lebenswerten Welt leben zu wollen heißt, selbst dafür geradezustehen. Es heißt, wach zu sein, Mitfühlend zu sein und anwesend an hellen und dunklen Tagen. Die Zukunft geht uns was an. Wir sind doch keibe bloßen Zuschauer. Wir sind nicht blöd und wir sind nicht selbstsüchtig. Und vor allem sind wir nicht machtlos.“

Interview im WDR
Leseprobe

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3 Gedanken zu „Montag

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