Mittwoch

Heute haben
Christian Weise * 1642
Fritz von Herzmanovsky-Orlando * 1877
Jaroslav Hasek * 1883
Luise Rinser * 1911
Sven Nordqvist * 1946 (da freuen sich aber Findus und Pettersson)
Ulla Hahn * 1946
Alexander Osang * 1962
Geburtstag.
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Nach unserer Buchhandelstagung fuhren wir direkt ins Literarhaus Stuttgart, um Katja Petrowskaja live erleben zu können. Es wurde ein sehr interessanter Abend mit einer sympatischen, aber auch kantigen Autorin, die viel über sich und ihr Buch erzählte.

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Ich habe zwei signierte Ausgaben ihres Buches: „Vielleichter Esther“ mitgebracht, die sich dann ab heute vormittag auf unserem Büchertisch befinden.

Esther

Da es dann aber ein so langer Tag geworden ist und ich sehr spät ins Bett kam, passiert heute nicht mehr auf dem Blog. Wenn ich wieder ausgeschlafen bin, geht es munter wieder weiter.

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Dienstag

Heute haben
Egon Erwin Kisch * 1885
Walter Janka * 1914
Walter Kempowski * 1929
Bjarne Reuter * 1950
Lilian Faschinger * 1950
Geburtstag
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Heute kommt mein Eintrag etwas später, da ich nicht daheim bin, sondern auf einem halbjährliche Treffen mit befreundeten BuchhändlerInnen aus dem Ländle. So sitze ich im Frühstrücksraum, habe endlich Internetzugang und sehe den Montagearbeitern zu, wie sie so langsam eintrudeln.

Heute hat Egon Erwin Kisch Geburtstag und der Autor des heutigen Buchtipps erhielt 2006 der renomierten Kisch-Preis für eine Reportage über den Freitod seines Bruders.

Grill

Bartholomäus Grill: „Um uns die Toten“
Meine Begegnungen mit dem Sterben
Siedler Verlag € 19,99

Bartolomäus Grill, Jahrgang 1954, in Oberaudorf am Inn geboren, studierte Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte. Ab 1993 berichtete er als Korrespondent der ZEIT aus Afrika, seit Anfang 2013 ist er Afrika-Korrespondent des SPIEGEL, wo er zuletzt über den Tod Nelson Mandelas schrieb.
In dieser Neuerscheinung schreibt er über den Tod, der uns alle begleitet und dem er schon so oft begegnet ist. Seine eindringlich geschilderten Begegnungen mit dem Sterben, vom frühen Tod der Schwester über das Lebensende der Eltern bis hin zum Massensterben in Afrika und dem Freitod des unheilbar kranken Bruders, machen dieses Buch zu einer ganz persönlichen und zugleich allgemeingültigen Auseinandersetzung mit dem Tod. Grill schafft es von seinen ganz persönlichen Aufzeichnungen über den Tod seines Grossvaters, seine streng katholische Kindheit, sein Ausbrechen aus dieser Enge, einen ganz großen Bogen zu schlagen, zu seiner journalistischen Arbeit in Afrika. Dort, wo es Massenmord und Massentod gab, wo Krieg herrschte und Hungersnöte und Epidemien ausgebrochen sind. Er findet aber den Weg wieder zurück in sein Heimatdorf und eröffentlicht zehn Jahre nach seinem Bericht über den Tod seines Bruders, diesen Text hier und unterfüttert ihn zum Beispiel mit einem aufwühlenden Streitgespräch mit Robert Spaemann.
In Grills Familie starb seine schwerstbehinderte Schwester ein Jahr nach ihrer Geburt. Grills Vater lehnte es ab, dass die Kleine im Familiengrab beigesetzt wurde, vielmehr, dass ihr Name auf den Grabstein kommt. Der Vater stirbt einsam und nicht geliebt und dann erkrankt 2004 Grills jüngerer Bruder an Zungenkrebs. Er entschließt sich, nachdem alle ärztlich Hilfen fehlgeschlagen sind, er nur noch unter heftigsten Schmerzen lebt und keine Chance auf eine Besserung sieht, den Weg in die Schweiz, um dort, in Zusammenarbeit mit der Organisation Dignitas, seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Grill beschreibt dieses Monate der Qualen für den Bruder und seine endgültige Entscheidung. Er schildert uns den Zwiespalt zwischen den Meinungen der Freunde des Bruders und denen des Dorfpfarrers, der beteiligten Ärzte und natürlich der Mutter. Auf der einen Seite eine wohlwollende Zustimmung zur Entscheidung des Bruders, auf der anderen Seite die komplette Ablehnung. Für die Mutter ist es eine unvorstellbare Vortsellung, einerseits ihr zweites Kind zu verlieren und dann noch auf diese Art und Weise. Bartholomäus Grill unterbricht diese Aufzeichnung mit der letzten Fahrt des Bruders, der hinten in einem Bulli mit Vorhängen liegt und an der Schweizer Grenze von den Beamten gar nicht bemerkt wird. Dieser letzte Tag ist bewegend aufnotiert, hat aber auch eine ganz besondere Art von Witz (entschuldigen Sie diesen Ausdruck, aber es wirkt immer wieder traurig skuril).
Das Streitgespräch mit Robert Spaemann, der auch als Berater von Papst Benedikt XVI. fungierte, folgt auf den Bericht und hier treffen nun zwei konträre Meinungen aufeinander. Grill gilt mittlerweile als „Experte“ für den gewählten Freitod, wie ihn sein Bruder gewählt hat. Er könnte in allen Talkshows der Republik auftreten, lehnt dies aber kategorisch ab und trifft hier nun auf einen vehementen Gegner dieser Meinung. Dass Spaemann die Rechte für diese Veröffentlichung gab, zollt ihm hohe Achtung.
Grill schließt sein Buch mit dem Tod seiner alten Mutter ab. Ganz persönlich, ganz nah und sehr bewegend, schildert er diese letzten Tage und Stunden. Und wer dies schon erlebt hat, merkt wie genau Grill beobachtet.
Was das Besondere an diesem Buch ist, dass Grill seine Texte immer wieder mit Texten von Philosophen unterfüttert, dass er sich Unterstützung aus der Weltliteratur jeglicher Art holt. Damit schafft er einen weiteren Bogen, weg vom persönlichen Berichten, hin zu einer Aufzeichung, was der Tod in unserer Gesellschaft bedeutet, wie er sich gewandelt hat und welche Meinungen immer noch vorherrschen. Leben mit dem Tod, das Verneinen der Endlichkeit des Lebens, die vielen Ikonographien in den katholischen kirchen Europas sind einige der Themen, die er so nebenbei einfügt. Ein Zitat fällt mir noch ein, allerdings habe ich den Verfasser vergessen: „Langfristig gesehen sind wir alle tot“.

Leseprobe

Montag

Heute haben
Karl Kraus * 1874
Bruno Apitz * 1900
Harper Lee * 1926
Roberto Bolano * 1953
Ian Rankin * 1960
Geburtstag.
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Einige Zitate des großen Sprachkünstlers und heutigem Geburtstagskindes Karl Kraus

Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.

In der Liebe ist jener der Hausherr, der dem anderen den Vortritt läßt.

Das ist das wahre Wunder der Technik, daß sie das, wofür sie entschädigt, auch ehrlich kaputt macht.

Man glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen.
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Mit flotter Musik die Woche zu beginnen, scheint mir bei dem grauen Wetter genau das Richtige zu sein. Gestern abend habe ich den Film „Chico und Rita“ angeschaut und habe immer noch die Musik im Ohr. Deshalb beginne ich den heutigen Tipp gleich mal mit dem Trailer.

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„Chico und Rita“
Regie:  Fernando Truebaund /Javier Mariscal
DVD € 12,99
Bei uns im Laden erhältlich.
Die Musik gibt es auch als Soundtrack auf CD.

Dieser 2010 entstandene Animationsfilm wurde u.a. für einen Oscar in der Sparte „Bester animierter Spielfilm“ nominiert, bekam einen Preis beim Trickfilmfestival in Stuttgart und erhielt den Europäischen Filmpreis 2011. Und das alles für einen Film, den wir vor Jahren noch als Trickfilm bezeichnet hätten.
Die Regisseure erzählen in diesen 93 Minuten das Leben des Jazzpianisten Chico, der zusammen mit seinem Freund Ramon, in Havana auf Cuba lebt, und Erfolg haben will mit seiner Musik. Die Stadt ist voller Clubs, überall spielen Bands und es wird getanzt. Es ist das Jahr 1948, als er kurz vor einem Wettbewerb die sehr begabte Sängerin Rita trifft, in die er sich unsterblich verliebt. Sie will zunächst jedoch nichts von ihm wissen und lässt ihn abblitzen. Chico ist hartnäckig, holt sich Rita in seine Band und gemeinsam gewinnen sie den ersten Preis bei dieser nationalen Ausscheidung.
Der Film erzählt aus der Rückblende heraus. Der alte Rico kommt nach Hause, hat seine Holzkiste mit Schuhputzutensilien in der Hand und steigt alt und müde in sein Zimmer im ersten Stock hoch. Mit einem Glas Rum setzt er sich hin und schaltet sein Radio an. Als dort sein vor Jahrzehnten komponiertes Lied „Lily“, das ursprünglich „Rita“ hieß, gespielt wird, kommen ihm seine Erinnerungen hoch und er blättert Fotos und Zeitungsausschnitte durch, die er in einer abgegriffenen Schachtel aufbewahrt hat.
Zurück in die Vergangenheit. Die beiden haben Erfolg in Cuba und ein Managar tritt auf Rita zu, der ihr zu Ruhm in New York verhelfen will. Sie will jedoch den Vertrag nur unterschreiben, wenn Chico auch dabei ist. Da dieser jedoch eifersüchtig an der Bar sitzt, sich volllaufen lässt, kommt es zum Streit zwischen den beiden und Rita unterschreibt später in der Nacht. So trennen sich ihre Wege. Rita hat Erfolg in New York, wird zum Star, Chico und Ramon versuchen weiterhin ihr Glück in Havana. Chico hält es jedoch ohne seine Rita nicht aus, verkauft sein Klavier und gemeinsam mit seinem Freund und Manager Ramon reisen sie auch in die Stadt ihrer Träume. Gemeinsam mit ihnen tauchen wir in die Clubs der Stadt ein. Treffen auf Jazzgrößen wie Chucho Valdes, Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Chano Pozo, Tito Puente, Ben Webster und Thelonious Monk, mit denen er zum Teil mitspielen kann. Chico und Rita treffen sich immer wieder. Es ergibt sich aber nicht der richtige Zeitpunkt, dass sie gemeinsam spielen, oder gemeinsam leben können. Rita hat Erfolg in Hollywood und Chico reist mit Dizzy Gillespie nach Europa. Die Geschichte hat ihren Höhepunkt, als Rita in Las Vegas auf einer Neujahrsparty den weissen Gästen von der Bühne herab erzählt, dass sie als schwarze Sängerin nicht hier im Hotel schlafen dürfe, sondern in einem Motel übernachten muss. Somit ist ihre Karriere zu Ende. Und da Ramon seinen Freund Chico betrügt, da er mitbekommen hat, dass Rita und Chico in Las Vegas heiraten wollen und somit seine Karriere als Manager auch gefährdet ist, wird Chico von der Polizei verhaftet und nach Cuba abgeschoben. Dort ist mittlerweile Revolution und Jazzmusik als dekadent verschrieen. Jetzt wissen wir auch, warum der alte Chico mit seiner Schuhputzkiste unterwegs ist. Jetzt in der Gegenwart wird er von amerikanischen Musikern entdeckt und erfährt mit einer jungen Sängerin einen späten, großartigen Erfolg und bekommt die höchsten Preise. Was ihm noch fehlt, ist seine Rita, die er seit 47 Jahren nicht mehr gesehen hat. …
Der Film ist voller Musik, tollen Farben und macht so richtig Spaß zum Zuschauen. Es ist sicherlich dem späten Erfolg des Buena Vista Social Clubs und des Dokumentarfilmes von Wim Wenders zu verdanken, dass dieser Film entstanden ist.