Freitag

Heute haben
Kurt Schwitters * 1887
Gerhard Meier * 1917
Vikram Seth * 1952
Geburtstag
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Die Passage passte punktgenau zum gestrigen Tag:

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aus: Matthias Zschokke: „Die strengen Frauen von Rosa Salva“, das Anfang Juli im Wallstein Verlag erscheint.
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Und das tut sich in der New Yorker U-Bahn:

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„Notes from the Underground,“ by Fyodor Dostoyevsky
gefunden bei undergroundnewyorkpubliclibrary.com
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9783803151865

Horst Bredekamp: „Der schwimmende Souverän
Karl der Große und die Bildpolitik des Körpers
160 Seiten. Gebunden mit Schildchen und Prägung
mit vielen, zum Teil farbigen Abbildungen
Wagenbach Verlag € 26,00
In der großformatigen Kunstreihe

Der Kunsthistoriker Bredekamp hat schon ein paar Bücher im Wagenbach veröffentlicht. Über Botticelli und seine Venus, über die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte unter dem Titel „Antikensehnsucht und Maschinenglauben“ und „Leibniz und die Revolution der Gartenkunst“. Jetzt kommt er mit dem verwirrenden Titel „Der schwimmende Souverän“ und setzt Karl den Großen in den Untertitel. Was soll das denn? Was hat den dieser deutsche Kaiser mit Schwimmen zu tun? Sehr viel, wie wir gleich zu Beginn der Lektüre merken werden. Und Bredekamp findet damit auch einen neuen Zugang zum Verständnis des großen Herrschers. Schwimmen und die Darstellung, die Herausstellung des (eigenen) Körpers hat die Massen schon immer fasziniert. Karl der Große war ein begeisterer Schwimmer, Mao Tse-Tung auch. Dieser nutzte seine Flußdurchquerungen wie kein anderer als große politische Schau. Aber auch Friedrich Barbarossa schwamm überall wo er regierte. Und bei allen drei Herrschern mussten die politischen Partner auch mit ins Wasser. Somit konnte z.B. seine körperliche Fitness auch gegenüber seinem Sohne zeigen. Mao Tse-Tung als Schwimmer wurde unendlich oft abgebildet. Sei es als Fotografie, als Fotomontage, als großes Ölgemälde im Bademantel und erhobener, winkender Hand. Der eigene Körper wird dabei zum Ausweis von sportlicher Tatkraft, patriarchalischer Fürsorge und Führungsstärke überhöht. Mussolini und jetzt Putin steigen in das gleiche Fahrwasser, um ihre Macht zu demonstrieren.
Bredekamp geht aber noch weiter, um uns das neuartige Machtphänomen Karl der Große offenzulegen.
Seine Kapitelüberschriften heissen:
I.   Von Mao Tse-Tung bis Friedrich Barbarossa
II.  Schwimmen
III. Bändigen
IV. Verlebendigung
V.  Verspiegeln
Schluss
Darin packt er im ersten Kapitel noch die Symbolik des Ertrinkens, da Friedrich Barbarossa ertrunken ist und dieses Schicksal mehrfach dargestellt worden ist.
Im Thema Schwimmen sehen wir auf Abbildungen, dass schon im Mittelalter geschwommen wurde. In knappen weißen Badehosen. Und den ins wasserspringende Römer kennen wir von vielen Postkartenabbildungen.
Karl der Große schnürte jedoch ein Gesamtpaket um seine Macht zu festigen. Das Bändigen der Haare, das Abschneiden der Haare des Feindes, war eines davon. Schön zu sehen auf Münzabbildungen im Buch. Aber auch das Bändigen von wilden Tieren und das Zurschaustellen in Zoos. Gleichzeitig aber auch das Verlebendigen dieser wilden Tiere als Bronzestatuen gehörte dazu. Das ging so weit, dass der erlegte brüllende Bär noch die Wunde der Lanze im Bronzeabdruck hat. Im Kapitel Verspiegeln sehen wir zwei große Flügeltüren mit zwei Löwenköpfe als Türklopfer. Ihre Augen blicken etwas nach unten und dem Eintretenden nicht direkt in die Augen. Die Türe war jedoch aus spiegeldem Metall, so dass der Gast sich selbst sehen konnte. Die Löwen sind hier nicht die wilden Tiere, sondern diejenigen, die sich der Macht gebeugt haben. So soll sich der Eintretende, der sich selbst im Spiegel sieht, auch so demütig wie diese Löwen verhalten. Gleichzeitig ist aus dem wilden Tier ein Zeichen des Friedens geworden.
Bredekamps völlig neue Sicht auf Karl den Großen zeigt, wie aktuell dessen Bildpolitik ist. Karl der Große hat als „Leuchtturm Europas“, wie er von Zeitgenossen genannt wurde, auch dem gegenwärtigen Europa etwas zu sagen: Politik ist elastisch und fluid. Und dabei bringt der Wagenbach Verlag noch das Wort Fluxus ins Spiel.
Wer denkt denn an so etwas, wenn er dieses Buch im Buchladen liegen sieht.
Wieder was gelernt. Schön, dass es Bücher gibt.
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