Donnerstag

Heute haben
Alexandre Dumas * 1802
Frank Wedekind * 1864
Hermann Kasack * 1896
Banana Yoshimoto * 1964
Geburtstag
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Werner Färber
UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (aus: DER MOPS IM CONTAINER):

DAS WALROSS CCXLIX

Trotz des Specks gleitet das Walross
anmutig durch alle Wellen,
um gleich als mächtiger Koloss
elegant an Land zu schnellen.

Wenn es sich dann am Strand bewegt,
sieht man seine Schwarte schwabbeln.
Erst lang nachdem sich’s hingelegt,
hört die Speckschicht auf zu wabbeln.
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Ein kleine Werbung für die Kinoverfilung von „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ und eigentlich eine große Werbung für das Buch. Jawoll!


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Was ist das denn? Was hat sich denn Marion Brasch denn dabei gedacht? Nach ihrem Erstlingswerk vor zwei Jahren („Ab jetzt ist Ruhe“), in dem sie über ihre Familie Brasch schreibt und uns einen einzigartigen Einblick in diese Familie aus Ostdeutschland gewährt, mit ihren großen Brüdern, ihren Eltern, der Politik, der Kunst und der Zerissenheit. Und jetzt so etwas!
Aber: Es funktioniert. …. Und wie!

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Marion Brasch: „Wunderlich fährt nach Norden“
S.Fischer Verlag € 19,99

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Wie gesagt, er ist der unglücklichste Mensch. So denkt er. Gebacken bekommen hat er noch nicht richtig viel in seinem Leben. Bildhauer wollte er werden. Aber eine dauernde Sehnenscheidenentzündung hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als ihn nun aber seine Frau Marie für einen anderen verlässt, für einen, der weiss wo es lang geht, kommt er nicht mehr weiter. Doch er weiss es, oder auch nicht. Er zögert und überlegt und macht es dann doch. Er packt seinen Rucksack und möchte nach Norden. Geld ist abgehoben, eine Fahrkarte für einen Monat ist gekauft. Es kann losgehen.

Für gewöhnlich zeigte das Telefon einen Namen oder wenigstens eine Nummer an, wenn es Nachrichten übermittelte. Doch da stand nur Anonym. Und Anonym hatte ihm eine Nachricht geschickt. „Guck nach vorn.“ Mechanisch folgte Wunderlich dieser Aufforderung und schaute nach vorn. Im Haus gegenüber waren inzwischen alle Lichter erloschen, und die Stadt führte ihre üblichen schlaflosen Selbstgespräche.
„Warum tust du das, Marie?“, wandte er sich traurig an sein Telefon und wollte es gerade wieder in seine Hosentasche stecken, als es erneut brummte. „Ich bin nicht Marie.“

Das Telefon (das den Namen „Anonym“ bekommt, da es sich also solches auf dem Display meldet) ist die Stimme aus dem off, die ihn leitet, ihm Ratschläge gibt („Guck nach vorn“) und ihm allwissend vorhersagt was mit den Personen geschehen wird, mit denen er gerade in Kontakt ist. Wunderlich kommt aber nicht weit, sein Ausweis ist abgelaufen und die Schaffnerin akzeptiert zwar seinen gültigen Fahrschein, wirft ihn aber wegen des Ausweises aus dem Zug. Wunderlich trifft in dieser, ihm unbekannten Stadt, oder Dorf auf besondere Menschen. Einer, der ihn einer ehemaligen Kneipe haust und Fahrräder repariert, auf einen wirklichen Wirt, den Schönen Ringo, auf Lennon Lederjacke, und auf Toni, einem Mädchen, das in einem Bauwagen wohnt und mit dem Moped durch die Gegend zieht. Mit ihrer berlinerischen schnoddrigen Sprache zieht sie ihn aus seiner Lustlosigkeit, sie macht ihm Mut, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Aber so einfach ist das nicht. Sein Handy ist immer noch seine größte Stütze. Es gibt ihm immer noch sibyllinische Tipps, die sich immer als wahr herausstellen. Wunderlich stellt dank Toni fest, dass der Bahnhof, an dem er ausgestiegen ist, gar nicht existiert, dass es im Wald ein Wunderharz gibt, das alle Wunden heilt, bei Dauereinnahme das Gedächtnis aber auch ausschaltet. Er erfährt von ihrer Trauer, ihrem Verlust und kann endlich loslassen und aus sich herausgehen. Er wird verprügelt, kommt unter die Räder und steht wieder auf. Er landet im Krankenhaus, mitten in der Nacht im Wald und beim Baden im See. Er merkt, dass es auch ein anderes Leben gibt, als sein bisheriges.
Es ist eine Magical Mystery Tour, ein Road Movie der besonderen Art, ein Sommernachtstraum, der einige Tage anhält.
„Ich habe keine Erklärung für die Dinge, die da passieren. Ich habe sie nur aufgeschrieben.“, sagt Marion Brasch dazu und überlässt es uns, diese Geschichte zu interpretieren. Überall tun sich neue Geschichten auf – Geschichten von Liebe, Schmerz und Verlust, aber auch von Hilfsbereitschaft, menschlicher Wärme und der Skurrilität des Alltags. Es ist ein Roman geworden voller besonderer Redewendungen und unglaublichen Windungen in der Handlung, ein Roman, in dem wir versinken können, wenn wir uns auf das Spielchen der Autorin einlassen, wohl wissend, dass „Anonym“ Welten von einem Ratschlaggeber wie Coelho entfernt ist. Und das ist auch gut so.

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Leseprobe

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