Montag

Heute haben
Beatrix Potter * 1866
Malcolm Lowry * 1909
John Ahsbery* * 1927
Remco Campert * 1929
Geburtstag
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Antonie Jüngst
Sommernebel

Duftumgraut der Himmelsbogen,
Schattenbilder rings die Höhen;
Träge rinnt des Stromes Welle,
Regungslos die Linden stehen.
Kaum ein Raunen in den Tannen,
Kaum ein Flüstern in den Halmen,
Ein Verklingen ferner Glocken,
Gleich dem Widerhall der Psalmen.

Die geheimnisvolle Stille
Bricht kein Laut, nur leise, leise
Singt aus sommergrünen Zweigen
Eine Amsel ihre Weise.
Rote Rosen, weiße Lilien
An geneigtem Stengel schwanken,
Und um beide schmiegt das Geißblatt
Seine blütenschweren Ranken.

Ausgelöscht und wie versunken
Hinter einem Dunstgeschiebe
Bläulich weißer Nebelmassen
Dieser Erde wirr Getriebe,
All ihr Hasten, all ihr Jagen,
Ihr verzweiflungsvolles Sehnen
Nach den glanzumflossnen Bildern
Eitlen Glücks und eitler Tränen.

O, ich lieb‘ euch, sanft umflorte,
Dämmerstille Sommertage,
Wenn mir ungezählt verrinnet
Stund‘ um Stund‘ im grünen Hage,
Wenn verstohlen durch die Wipfel
Hundertjähr’ger, alter Bäume
Auf des Westwinds leichten Flügeln
Gleiten süße Märchenträume.
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Lappert

Simone Lappert: „Wurfschatten“
Metrolit Verlag € 20,00
als eBoook € 16,00

In ihrem Erstlingsroman schreibt die Schweizer Autorin Simone Lappert über Ada, die eigentlich Adamine heisst (aber wer schon so heissen), die erst 25 Jahre alt ist, aber voller Ängste. Lange zu leben hat sie wohl eh nicht, so meint sie. Mit einem Stetoskop hört sie sich ab, wenn ih Herz mal wieder anfängt zu rasen, oder auszusetzen.

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Die Nächte sind das Schlimmste. Meist stirbt sie in ihren Träumen aufs Neue und kann sich am Tag kaum auf den Beinen halten. Um diese Ängste, die sie schön alphabetisch auflistet von A wie Atomtod bis Z wie Zyste, zu verarbeiten, hat sie in einem leeren Zimmer ihrer Wohung ein Zimmer eingerichtet, in dem sie auch eine Therapietapete unterhält, auf der sie Text- und Bildmaterial sammelt und dran befestigt.
Jetzt muss ich aber eines sofort klarstellen:
Simone Lappert schreibt zwar über Ada und ihre schrecklichen Ängste, das aber in so einem flotten frechen Ton, dass wir uns unweigerlich an Hendrikje aus dem Roman „Hendrikje vorübergehend erschossen“ von Ulrike Purschke erinnern. Diesen saukomischen Roman über eine Pechvogelin erster Güte. Simone Lappert ist eine Wortschöpferin, eine Ideenfinderin und baut immer wieder hintergründig witzige Situationen ein, dass einem das Schmunzeln im Gesicht stehen bleibt.
Genau dies passiert nämlich, als ihr Vermieter die längt überfälligen Mieten einfordern, Ada aber nicht vor die Türe setzen will. Sie strebt nämlich eine Karriere als Schauspielerin an, verdient ihr Brot aber als Leiche in einem Krimispiel. Das mit dem Vorsprechen an einem Münchener Theater hat sie wegen einer Panikattacke im Zug verpasst, weil sie erst in Rosenheim entdeckt hat, dass sie längst an ihrem Treffpunkt vorbeigefahren ist.
Nun also zurück zum Vermieter. Er setzt ihr seinen Enkel in die Wohnung, wo sie doch ein leeres Zimmer dort habe, und verzichtet auf das längst fällige Geld. Juri hat die Goldschmiedewerkstatt seines Vaters übernommen und ist frisch in die Stadt gezogen. Also alles prima, denkt der Vermieter und Juri richtet sich auch sehr unkompliziert ein und legt Adas Therapedinge ihr fein säuberlich auf ihr Bett. Ada ist entsetzt über diesen Störfaktor auf ihrem „Leidensweg“ und beginnt zuerst mit Störmanöver gegen den Eindringling. Sehr frech und böse beschreibt Simone Lappert dies und auch wie Juri sich widerum an ihr rächt.
Zum Glück hat Ada einen Freundeskreis im Haus und vom Beruf her, so dass sie von dieser Seite Unterstützung und neue Tipps bekommt. Aber eigentlich ist Juri ein ganz normaler junger Mann, der Ada aus dem Schlamassel herausziehen könnte und Ada entwickelt immer mehr Zuneigung zu ihm, wenn da nicht mehrfach in der Woche morgens fremde Frauen aus seinem Zimmer kämen.

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Simone Lappert hat einen gekonnten Roman veröffentlicht, der von der Grundstruktur nicht von einem herkömmlichen Beziehungsroman (sagen wir ruhig Liebesroman) abweicht, der aber voller Esprit, literarischen Bildern und Ideen ist, der immer wieder ein sprachliches Feuerwerk zündet, dass er sich von der obengenannten Buchkategorie weit absetzt.
Ein großes Vergnügen.

Simone Lappert liest auf „zehnseiten“:

http://zehnseiten.de/de/buecher/detail/simone-lappert-wurfschatten-457.html

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