Samstag

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Heute hat
Mary Wolstonecraft Shelley * 1797
Geburtstag, die „Erfinderung“ von Frankenstein.
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Der Harenberg Literturkalender bringt mir heute dieses Gedicht von Rainer Maria Rilke und lässt mich an den doch vergangenen Sommer denken.

Lied vom Meer
Capri, Piccola Marina

Uraltes Wehn vom Meer,
Meerwind bei Nacht:
du kommst zu keinem her;
wenn einer wacht,
so muß er sehn, wie er
dich übersteht:
uraltes Wehn vom Meer
welches weht
nur wie für Urgestein,
lauter Raum
reißend von weit herein.

O wie fühlt dich ein
treibender Feigenbaum
oben im Mondschein.

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Und schon wieder empfiehlt uns Rasmus Schöll ein brandneues Buch, das wir vorgestern in den Laden bekommen haben. Nach der „Philosophie des Radfahrens“ nun dieses:

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Stephen E. Schmid / P. Reichenbach (Hg.):
„Die Philosophie des Kletterns“
Aus dem Englischen von Peter Reichenbach, Roberta Schneider,
Blanka Stolz und Daniel Beskos
Mit Lesebändchen und Titelprägung
mairisch verlag € 19,90

Aufgepasst liebe Kletterfreunde, Bergkraxler und alle die draussen ihr Glück
jenseits der Horizontale suchen, hier kommt ein Kletterbuch der besonderen Art:
Die Philsophie des Kletterns!
Schon klar, Kletterbücher gibt es mehr als genug, aber das hier ist mal
wirklich was Neues!
Wie der berühmte Kletterpionier Wolfgang Güllich scbon bemerkte: „Das Gehirn
ist der wichtigste Muskel beim Klettern“, was natürlich leicht gesagt ist wenn
er einarmig mit dem kleinen Finger mehr Klimmzüge wegzieht als so mancher mit
zwei Armen und Pause, doch hat er natürlich recht, der gute alte Güllich und in
diesem Buch kann man sich davon überzeugen. Nicht nur Hans Florine (Rekordhalter
im Speedklettern), sondern auch so honore Persönlichkeiten wie Kevin Krein (Philosoph, University of Alaska) lassen ihre Gedanken im weitesten Sinn um das
Klettern kreisen.
Wie verändert das Klettern uns?
Ist Solo-Klettern Wahnsinn oder moralisch vertretbar?
Was macht die Faszinationdes Kletterns aus?
Und überhaupt: neben all dem spielt natürlich auch das Streben nach Erkentnnis
eine große Rolle, sowie das Soziale, das richtiges Klettern erst zum
wunderbaren Erlebnis macht.
Wer hat nicht schon in der Boulderhalle so manche Freundschaft geschlossen.
Nun, wie auch immer, dass ist es, wovon dieses Buch erzählt: Vom Glück zu
klettern!

Mit Beiträgen von

Hans Florine (Rekordhalter im Speedklettern)
Ben Levey (The Castle Climbing Centre, London)
Maximilian Probst (Clemens-Brentano-Preisträger, Autor für ZEIT u.a.)
William Ramsey (Kletterer und Philosoph)
Debora Halbert (University of Hawaii)
Max v. Malotki (WDR-Journalist und Autor)
Kevin Krein (Philosoph, University of Alaska)
Melanie Müller (Freie Autorin und Kletterin)
Dane Scott (University of Montana)
Eva Hammächer (Freie Autorin und Kletterin)
Pam R. Sailors (Philosophin)
Paul Charlton (Bergführer)
Brian Treanor (Loyola Marymount University)
Magnus Agnafors (Eiskletterer, Universität Linköping)
Dale Murray (Kletterer, University of Wisconsin)
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Kommenden Dienstag gibt es wieder eine „Erste Seite“. Clemens Grote liest aus vier neuen Büchern. Mehr dazu auf der Veranstaltungsseite dieses Blogs.
Ich wünsche Ihnen / Euch ein gutes Wochenende.

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Freitag

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Heute haben
Maurice Maeterlinck * 1862
Hermann Löns * 1866
Ernst Keuder * 1903
Robert Merle * 1908
Emil Habibi * 1921
Herbert Meier * 1928
Lukas Hartmann * 1944
Geburtstag.
Aber auch Ingrid Bergmann, Richard Attenborough, der gerade gestorben ist und Michael Jackson.
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Mitarbeiter Rasmus Schöll stellt heute vor:

kettu

Katja Kettu: „Wildauge“
Aus dem Finnischen von Angela Plöger
Verlag Galiani Berlin € 19,99

Als ich dieses Buch zu Ende gelesen hatte, dachte ich: genial!
Aber wer, wer nur wird das kaufen?
Der Inhalt?
Eine Liebesgeschichte, wie es sie schon immer gab: Eine Frau und ein Mann.
Die Frau: beinah schon ein Fabelwesen, der Mann: SS-Offizier. Das ganze
hineinversetzt in eine Zeit, in der der Mensch in einer bestialischen Art seine
tierhaften Instinkte auslebt und das radikal Böse sich überall, wie ein
verwesendes Aas, bis in die letzen Poren ausbreitet.
Welch eine Geschichte, welch krasse Sprache!
Da haut es einem alle normal justierten Sicherungen raus.
Katja Kettu benutzt eine Sprache die poetisiert in schönster Lautmalerei und
zugleich an obszöner Härte nichts zu wünschen übrig lässt.
Diese Geschichte, ist eine finnische Geschichte, zur Zeit der deutschen
Besatzung, beeindruckende Charaktere wie sie wohl nur im mystischen Norden zu
finden sind, mit denkwürdigen, archetypischen Ritualen aus einer Urzeit, wie die
Welt der Sagen und doch authentisch bis in die kleinste Haarspitze hinein.
Hervorragend erzählt, intensiv, fesselnd und schockierend zu lesen.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser!

Leseprobe

Katja Kettu stellt ihr Buch selbst vor:

Donnerstag

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2015 sollen rund eine Million Euro an unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen verteilt werden. Das finde ich mal ne gute Sache und hoffe, dass das nicht nur so ins Blaue hinein gesprochen wurde.

Mehr dazu gibt es hier.
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Heute haben
Johann Wolfgang von Goethe * 1749
Liam O’Flaherty * 1896
Janet Frame * 1924
Juri W. Trifonow * 1925
Arkadi Strugazki * 1925
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Der Goethe

Was wär ich
Ohne dich,
Freund Publikum!
All mein Empfinden Selbstgespräch,
All meine Freude stumm.
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Und wieder hat mich eine Kundin auf ein Buch aufmerksam gemacht. Sie bestellte vor ein paar Tagen „The Perks 0f Being a Wallflower“, worauf ich sie noch fragte, was denn „perks“ heisst. Worauf sie antwortete, das könne man nicht übersetzen. Sie wüsste es auch nicht. Das hat mich neugierig gemacht, zumal mir dieser Titel schon untergekommen ist.
Leo.org sagt übersetzt „perk“ so: perk
Da kommen wir der Sache schon etwas näher.
Die Deutschen machen es dann ganz anders:

perk

perks

Stephen Chbosky: „Das also ist mein Leben“
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
Heyne Verlag € 12,99
Jugendbuch ab 14 Jahren

Ein „Coming of Age“-Roman nennt man solche Bücher, in denen Jugendliche zu jungen Erwachsenen werden.
Charlie ist sechzehn und das erste Jahr an der Highschool steht bevor. Er ist introvertiert und steht wirklich nicht im Mittelpunkt in der Schule. Er liest gerne, bekommt von seinem Lehrer immer wieder Bücher zugesteckt und bekommt so einen Querschnitt durch die amerikanische Literatur.
In Briefen an einen „Freund“ schreibt er seine Sicht der Dinge. Er beobachtet seine Mitmenschen, seine Umwelt und möchte gerne wissen, was hinter ihren Fassaden vorsichgeht. Er will wissen, ob die Erwachsenen ihr Leben leben, das sie auch gerne mächten. So gibt es zum Beispiel eine tote Tante, die Schwester seiner Mutter, über die nicht gesprochen wird. Im Laufe des Buches kommt dann ihr „Geheimnis“ heraus. Unbeantwortet bleibt jedoch, wer der „Freund“ ist, dem er diese Briefe schreibt. Sind es gar wir LeserInnen, die er damit meint? Durch dieses Schreiben kann er sich vieles von der Seele reden/denken/schreiben und vielleicht auch seinen Weg als Schritsteller finden.
In diesem ersten Jahr bekommt er nun eine geballte Portion Leben mit. Ein Leben, das er bisher nicht kannte. Mädchen, Alkohol, Drogen, viele neue Gesichter und Ansichten, die bei ihm zuhause tabu sind, über die nicht geredet wird. Charlie hat einen älteren Bruder, der an seiner Schule zum Footballspieler wird und sogar im TV zusehen ist. Seine ältere Schwester verliebt sich, Charlie verbockt zuerst etwas bei ihr, macht dies aber später wieder mehr als wett.
In diesem neuen Umfeld der Highschool trifft er auf das ältere Geschwisterpaar Patrick und Sam. In Sam verliebt er sich unsterblich, obwohl er weiss, dass sie doch älter ist als er. Er ruhig, staunend und in sich gekehrt. Sie das genaue Gegenteil und voll im Leben stehend.So, oder so ungefähr sieht also Charlies neues Leben aus und er stürzt sich voll rein. In Briefen an einen „Freund“, die so berührend wie erhellend, so komisch wie traurig sind, erzählt er von einem Jahr, das sein Leben für immer prägen wird. Und von einem Geheimnis, das ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er ist.
Stephen Chbosky hat ein wirklich berührendes Buch über Freundschaft, Liebe geschrieben.
Ein Buch über das Hineinwachsen in die Welt der Erwachsenen. Charlie entdeckt Unbekanntes und weiss auch, warum er die Dinge etwas anders sieht, als viele andere Mitmenschen. Und wenn ich nach Meinungen zu diesem Buch im Netz suche, überschlagen sich die Meinungen der jungen Leser.
Der Autor hat zu diesem Roman ein Drehbuch geschrieben und den Film, mit Emma Watson, auch gleich selbst gedreht.
Im Netz wollte ich nach einem Trailer zum Film suchen und fand den kompletten Film und eine komplette Lesung über sechs Stunden. Jeweils in englischer Sprache.

Leseprobe

Trailer zum Film auf deutsch:

Die komplette Lesung auf englisch:

Der komplette Film auf englisch: