Samstag

Heute haben
Alfred Lichtenstein * 1889
Ephraim Kishon * 1924
Ilija Trojanow * 1965
Geburtstag
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Alfred Lichtenstein
Der Morgen

… Und alle Straßen liegen glatt und glänzend da.
Nur selten hastet über sie ein fester Mann.
Ein fesches Mädchen haut sich heftig mit Papa.
Ein Bäcker sieht sich mal den schönen Himmel an.

Die tote Sonne hängt an Häusern, breit und dick.
Vier fette Weiber quietschen spitz vor einer Bar.
Ein Droschkenkutscher fällt und bricht sich das Genick.
Und alles ist langweilig hell, gesund und klar.

Ein Herr mit weisen Augen schwebt verrückt, voll Nacht,
Ein siecher Gott … in diesem Bild, das er vergaß,
Vielleicht nicht merkte – Murmelt manches. Stirbt. Und lacht.
Träumt von Gehirnschlag, Paralyse, Knochenfraß.

An Frida

Zwischen uns sind Wände Trennung.
Spinn-Netze Sonderbares.
Doch oft fliege ich schmal in meiner sinkenden,
Händeringenden Stube, ein blutender Piepmatz.
Wärst du da.
Ich bin so ermordet.
Frida.
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Denn manche Fährkapitäne ziehen zu spät auf das Becken, so daß das schwere Schiff gegen die hölzerne Pfahlwand der Einfahrt kracht, beim ersten Mal hart, dann mit einem mehr gedämpften Ton. Dann ist das Ächzen der Stämme im aufquirlenden Wasser zu hören.

So endete gestern unsere „Jahrestage“-Marathonlesung um 1Uhr in der Nacht und mit dem Eintrag vom 30.September 1967. Nach sechs Stunden und zwei Getränkepausen haben wir es bis auf die Seite 119 des Romanes von Uwe Johnson gebracht.
Dass dann allerdings am nächsten Morgen vom Wagenbach Verlag ein Buch über New York bei den Neuerscheinungen dabei ist, macht den Abschied von Gesine und Marie und ihrem Manhattan auch nicht leichter und steigert vielleicht noch die Sehnsucht.

New York

„New York“
Eine literarische Einladung
Wagenbach Verlag € 15,90
Erschienen in der roten Salto-Reihe

Von der Bronx bis Staten Island, von Greenwich Village bis Rockaway Beach – mit Texten von Woody Allen, Maeve Brennan, Michael Cunningham, Don DeLillo, Allen Ginsberg, Helene Hanff, Jonathan Lethem, Colum McCann, Grace Paley, Richard Price, David Sedaris, Eliot Weinberger, Colson Whitehead, Tom Wolfe und vielen mehr.
Zwei Karten am Anfang und am Ende des Büchleins sind mit Nummern versehen und wir können uns nach Lust und Laune daran durch New York lesen. Viele Autoren kennen wir und ein Wiedersehen mit ihnen, macht Spaß, in deren Büchern zu stöbern. Der Textausschnitt von Colum McCanns Buch über den Seiltänzer zwischen den Turm des World Trade Centers, erinnert mich an die Dokumentations-DVD, die wir vor Jahren auch im Laden und oft verkauft hatten.
Aber auch der Text von Bill Loefelm ist einfach schön

Staten Island
Die Bronx hat das Yankee Stadium; Manhattan hat Harlem, die Wall Street, den Central Park und Madison Square Garden und noch tausend andere Dinge. Queens hat das Shea Stadium und zwei internationale Fkughäfen. Die Weltausstellung hat da stattgefunden. Brooklyn? Ist Brooklyn, das allein ist schon mehr als genug. Staten Island? Wir haben die Mall und die Müllhalde.

Und wenn hier schon Brooklyn erwähnt wird, sind wir doch gleich bei Paul Auster und seinem Zigarrenhändler Auggie Wreng, der im Buch und Film „Smoke“ unvergesslich gemacht worden ist.

Auggie und ich kennen uns jetzt seit fast elf Jahren. Er arbeitet als Verkäufer in einem Zigarrengeschäft an der Court Street in Brooklyn, und da dies der einzige Laden ist, der die kleinen holländischen Zigarren führt, die ich so gerne rauche, komme ich ziemlich oft dort vorbei.

Oder auch Helene Hanffs Text über den Sommer im Central Park:

In meinem Buch über New York habe ich geschrieben, dass sich die New Yorker im Sommer in zwei Gruppen einteilen lassen: die, die am Wochenende immer wegfahren, und die, die am Wochenende nie wegfahren.

Und so verbringt sie ihre heissen Tage in der grünen Oase inmitten dieses heißen Molochs, über die auch Truman Capote schrieb, dass die Menschen dort in dieser Hitze  „wie erschossen“ auf den Wiesen lägen.

Der Wagenbach Verlag schafft es mal wieder mit seinen literarischen Reisen uns Städte näherzubringen. Dass dann allerdings in der gleichen Salto-Reihe ein Buch von Pasolini über Rom erscheint, ist schon fast zu viel.

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