Dienstag

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Heute haben
Truman Capote * 1924 (der also 90 geworden wärde)
Élie Wiesel * 1928
Dorothee Sölle * 1929
Jurek Becker * 1937
und Cecelia Ahern * 1981
Geburtstag.
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Robin Williams als Jakob in der Verfilmung von Jurek Beckers Romans:“Jakob der Lügner“
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Der Tipp des Tages ist eine Graphic Novel über einen Menschen, der über Jahrzehnte hinweg das Bild von New York City prägte, von dem ich aber noch etwas gehört habe.

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Pierre Christin / Olivier Balez: „Robert Moses“
Der Mann, der New York erfand
Carlsen Verlag € 17,90
Graphic Novel ab 14 Jahren

Die Karriere des amerikanischen Stararchitekt Robert Moses wäre fast in eine andere Richtung gegangen. Aber schon als junger Mann setzte er seinen Willen durch. Und als er als jüdischer Student nicht in eine Universitätsvereinigung aufgenommen worden ist, studierte er einfach in London weiter. Aber auch die höchsten Auszeichnungen brachten ihm wenig bei, da er seine Ideen nicht überzeugend weitergeben konnte. Er wurde blockiert von Bürokraten, die nichts von den spinnigen Visionen des jungen Mannes hielten und lieber auf ihren Posten bleiben wollten. Moses hatte jedoch so viel Geld, dass er als Privatier weiter arbeiten konnte. Bis er plötzlich doch einen Fuss in die Türe bekam und er sich an die Veränderung des Molochs New York City machen durfte. Von 1930 bis 1970 hat er dieser Stadt seinen architektonischen Stempel aufgedrückt. Er baute Straßen, um den Verkehr zügiger durch die Schluchten fleßen zu lassen. Private Strände macht er öffentlich, ließ Schwimmbäder für die Öffentlichkeit bauen und auf Leerstellen in der Stadt entstanden Kinderspielplätze. Brücken statt Fähren gaben der Stadt noch mehr Schwung und seine Visionen waren damit noch lange nicht zuende.
Diese Graphic Novel schildert jedoch auch seine Skrupelosigkeit. Es wurden zwar Schwimmbäder gebaut, in denen für Schwarze gab es jedoch keine Wasserheizung. Er organisierte das architektonische Chaos in Lower Manhattan, vertrieb aber die Armen aus ihren Häuser. Er durchschlug mit seiner Art zu arbeiten die alten Strukturen, bauten sich jedoch gleichzeitig ein neues Netz von Untergebenen auf. Er überlebte fünf Präsidenten und genausoviel Bürgermeister, er saß fest auf seinem Stuhl und hielt die Zügel straff in der Hand.
Im hohen Alter bekam er dann aber immer mehr Widerstand zu spüren. Jane Lomex legte sich in den 60er Jahren mit ihm an und organisierte öffentlich den Widerstand gegen die zügellose Modernisierung der Stadt. Sie hatte wirklich Erfolg damit und somit bekam die goldene Medaille seiner Karriere einige dunkle Flecken.
Pierre Christin hat einen tollen, euphorischen Comicroman über diesen Stararchitekten, über die Stadt New York geschrieben, den Olivier Balez mit klaren Bilder umsetzte. Ein Buch, das sowohl Jugendlichen Spaß machen könnte, aber auch auf dem Tisch eines Architekturbüros landen sollte.

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Blog des Illustrators Olivier Balez

Montag

Heute haben
Miguel de Cervantes * 1547
Miguel de Unamuno * 1864
Nikolai Ostrowski * 1904
Ingrid Noll * 1935
Gaston Salvatore * 1941
Geburtstag.
Aber auch Silvio Berlusconi und Lech Walesa.
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Rainer Maria Rilke
Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
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Karen Duve: „Warum die Sache schiefgeht“
Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen
Velag Galiani Berlin € 12,00
als ebook € 9,99
als Hörbuch € 14,99
(von der Autorin gelesen)

Karen Duve nimmt kein Blatt vor den Mund und schreibt in ihrem furiosen Essay, dass es 5 vor 12 ist. Eigentlich schon nach 12 Uhr, wenn wir das Buch gelesen haben. Höchste Zeit etwas daran zu ändern, bevor wir uns selber abschaffen. Der globale Kollaps steht bevor und unsere Kinder sind nicht zu beneiden. Auch wir haben schon die Anhäufung von Katastrophen mitbekommen, leben aber auf Kosten vieler Menschen auf einem unglaublichen Niveau. Die täglichen Tageschauen bringen zwar mehrfach die Woche Meldungen von Naturkatastrophen, diese werden jedoch meist wie in einer Hitparade präsentiert. Der höchste, der größte, das gewaltigste …. seit … Es wird nicht auf die Hintergründe eingegangen.
Karen Duve ärgert sich maßlos, dass immer noch die Egoisten, Hohlköpfe und Psyhopathen das Sagen haben und nicht die Besonneren, die Ruhigeren, die Gemäßigten, die nicht nur auf ihr eigenes Wohl schauen.
Einsatzbereitschaft
Risikobereitschaft
Selbstvertrauen
Durchsetzungsvermögen
Frauen?
Sintflut!

nennt sie ihre Kapitel und haut uns jede Menge Fakten um die Ohren, dass es einem beim Lesen ganz schwindelig wird. Sie schreibt über diese Bewerbungsmarathone, die mittlerweile normal sind, wenn sich junge Menschen für einen Job in der Führungsetage bewerben. Dies hat zur Folge, dass sich nur der durchsetzt, der bereit ist 16 Stunden am Tag zu arbeiten und mit seiner Familie um die Welt zuziehen. Es setzen sich dann die durch, die dies aufsichnehmen und volles Risiko fahren. Was hätten wir aus der Bankenkrise (eher Kollaps) alles lernen können? Was hätte nicht alles geändert werden können. Während jedoch die einzelnen Staaten ihre Banken mit Milliarden wieder retten, zahlen sich die Bankenchefs weiterhin fette Boni aus und lachen sich wahrscheinlich eins. Geändert hat sich wohl aber nichts. Ah doch! Frau Merkel hat die Bonuszahlungen auf ein zweifaches eines Jahresgehalts beschränkt. Kein Problem, erhöhen wir halt das Jahresgehalt. Diese skrupellosen Menschen sind meist Männer und Karen Duve kommt zu Beginn des Buches auf Psychopathen zu sprechen. Wieviel Prozent unserer Bevölkerung zu dieser Kategorie gehören und dass es meist Männer sind. Sie schreibt über die Vorzüge von Autisten in der IT-Branche und dass männliche Gehirne denen der Autisten doch sehr ähnlich seinen. Sie merken schon, von der Spezies Mann, die in Führungsriegen sitzen, hält Frau Duve nichts.
Egal, ob es um Atombombentest geht und die eventuelle Möglichkeit, dass sich die Menschheit damit gleich ganz auslöscht, oder um den massenhaften Einsatz von Medikamenten in der Massentierhaltung, es sind immer Männer, die skrupelos in ihre eigene Tasche wirtschaften und Fakten so hindrehen, dass sie als einzig plausible Möglichkeit dastehen. Risiken werden minimiert, aber rechne ich  von der anderen Seite her, ergeben sich oft ganz andere Phänomene. Die Möglichkeit, dass es zu einem Supergau kommen kann, wurde auf Millionen von Jahren gerechnet. Dass wir jedoch schon einige dieser Kernschmelzen miterlebt haben, müsste uns doch zu denken geben.
Was tun? Frau Duve hat dafür auch die perfekte Lösung, prangert aber unser Führungssytem massiv an und fordert zum Widerstand auf.
Wenn es nämlich mit der Erdaufwärmung so weitergeht, wir die Erde auf Null gefahren. Das grauenhafte Leiden für ein paar Millionen Jahre pausiert und die Erde saust als Todesplanet mit kochenenden Ozeanen durch das Weltall, bis sich eines Tages mit dern ersten Eizellern wiedervöllig Neues entwickelt, die Evolution einen ganz anderen Weg einschlägt. Diesmal eine Schöpfung ohne Intelligenz. Oder Intelligenz gepaart mit Sanftmut. Großäugige, intelligente Weidetiere. Es kann doch eigentlich nur besser werden.

Samstag

Heute hat
Grazia Deledda * 1871
Geburtstag und nicht gestern, wie ich es geschrieben habe.
Morgen haben
Vigoleis Thelen * 1903 (Lesen Sie „Die Insel des zweiten Gesichts“)
Siegfried Unseld * 1924
und Donna Leon * 1942
Geburtstag.
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Gestern kamen kistenweise neue Bücher. Auster, Chatwin, Herrndorf, Zischler und Stamm und was weiss ich nicht alles. Also schauen Sie vorbei und kaufen Sie ein, es ist genügend da.
Aber auch auf dem Bilderbuch gibt es etwas ganz Feines.

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Marianne Dubuc: „Der Löwe und der Vögel“
Aus dem Französischen von Anna Taube
Bilderbuch ab 4 Jahren
Carlsen Verlag € 14,90

Zuerst habe ich mich schon gefragt, warum schon wieder vermenschlichte Tiere? Dazu noch ein Löwe und ein Vögel. Aber: Es passt. Der Löwe lebt allein, zufrieden und arbeitet in seinem Garten vor sich hin. Als er eines Tages einen verletzten Vogel findet, verändert sich vieles in seinem Leben. Marianne Dubuc schafft es mit ihrer Art der Illustration, dass wir sofort einen schönen Zugang zur Gefühlswelt der Tiere bekommen. Denn der Löwe nimmt den Vogel mit in sein Haus, das ganz allein steht. Er verbindet ihn, pflegt ihn. Und irgendwie, ohne dass die beiden miteinander reden, kommen sie sich näher. Der alleinlebende Löwe hat nun so etwas wie einen Freund, der nachts in seinen Hausschuhen schläft, der ihn bei seiner Arbeit begleitet. Gemeinsam sehen sie die Landschaft sich wandeln. Es wird kalt, der Ofen wird angemacht, Schnee fällt und plötzlich sind zwei Seiten weiss. Das ist der Zeitpunkt, an dem die beiden zum Schlittenfahren gehen. Aber auch der Winter geht vorbei und die ersten Blumen spitzeln durch das kalte Weiss. Am Himmel fliegen Vögel in Formation wieder zu ihren Sommerplätzen und auch der kleine Vogel reiht sich ein. Nun ist das Haus der Löwen wieder leerer. Die Hausschuhe sind kein Vogelbett mehr. Die Zeit vergeht und der Löwe vergisst auch seine Einsamkeit und arbeitet wieder weiter in seinem Garten. Bis, ja bis im Herbst wieder Vögel am Himmel zu sehen sind. Sein kleiner Freund ist jedoch nicht dabei. Da überfällt den Löwen doch wieder seine Traurigkeit vom vergangenen Frühling. Doch eine Seite später sehen wir eine einzige Musiknote auf das Blatt gezeichnet. …
Ein sehr liebevoll gezeichnetes, anrührendes Bilderbuch, das von einer großen Freundschaft erzählt, die auch über lange Strecken des Alleinseins Bestand hat.

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Website von Marianne Dubuc