Dienstag

Heute haben
Caroline von Schelling * 1763 und
Joseph Roth *1894
Geburtstag
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Nach Ihrem Buch „Artgerecht ist nur die Freiheit„, gibt es jetzt von der studierten Philosophin Hilal Sezgin eine Sammlung ihrer Texten, die in Zeitungen veröffentlicht worden sind.

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Hilal Sezgin: „Hilal Sezgins Tierleben“
Von Schweinen und anderen Zeitgenossen
Illustriert von Rotraut Susanne Berner
C.H.Beck Verlag € 14,95

Geeordnet hat sie ihre Texte nach den vier Jahreszeiten und wir beginnen natürlich mit dem Frühling. Was liegt näher, als vom Osterlamm zu schreiben. Sie räumt auf mit dem Mythos, der in Bilderbücher zum Thema Bauernhof gezeigt werden. Diese heile Welt existiert nirgends nehr. Alles Märchen. Sie beginnt zuerst mit ihren Schafen, die sie mit Namen ruft. Einige reagieren darauf, anderen ist das egal. Ein ganz wolliges Schaf kommt zu jedem zum Schmusen und will gekrault werden.Dabei drängelt er sich oft so sehr an die Person, dass sie umfällt. Ein anderes Schaf muss seit Jahren am Hinterbein mit Zinksalbe eingecremt werden. Eines Tages ruft dann die Apotheke an, nachdem Hilal Sezgin wieder vier Kilo Salbe bestellt hat, und will wissen, ob es sich bei dem Tier um ein Nutztier handelt. Das Ganze spielt sich am Telefon mit schlechter Verbindung ab und die Apothekerin versteht staht Schaf „Faasch“ und kann natürlich nichts damit anfangen. Erst als Frau Sezgin „Määäh“ macht, wird alles klar und die Apothekerin kann es nicht fassen, dass sie einfach nur Schafe hat. Einfach nur so. Hilal Sezgin wohnt in der Lüneburger Heide und unterhält einen Gnadenhof (diesen Ausdruck mag sie allerdings gar nicht) für Schafe und Hühner und ein paar Gänse. Von hier aus zieht sie durch die Republik, um ihre erfahrungen mit Tieren zu berichten.
Hilal Sezgin schreibt über ein Treffen mit einem ehemaligen Bauern und jetzigen Staatsekretär im Landwirtschaftsministerium, der überhaupt gar nicht kapiert, dass ihre Tiere nicht geschlachtet werden. Er meint vor laufenden Kameras, dass Tiertransporte auf deutschen Straßen nicht länger als acht Stunden unterwegs seien und dass die Tiere vor der Fahrt sehr gut behandelt werden. Dass aber alte, kranke Tiere auf dem Hof von Frau Sezgin bis zu ihrem Tod bleiben dürfen, geht nicht in seinen Kopf. Er meint, dass die Tiere dann ja „sterben“ müssen. Ach! Wer hätte das gedacht. Die Autorin sagt zu ihm, dass ihre Tiere nicht leiden müssen und sie dann schon den Tierarzt holt, der dem Tier eine Spritze gibt, damit es sterben kann. Und sie hält dabei das Tier im Arm. Darauf der ehemalige Bauer: „Das könnte ich nicht“.
Hilal Sezgin schreibt sehr pointiert, frech und witzig über ihre Tiere. Wie sie Hühner aus der Farm holt, die sich vor dem Transport versteckt haben. Wie sie ein Huhn zur Tierärztin fährt und es nach einer OP wieder zu neuem Leben erwacht, nachdem es ein Jahr lang als Eierlegemaschine funktioniert hat. Wir lesen über Tiertransporte und warum immer wieder Laster umkippen. Warum Schweine seekrank werden, dass bei Unfallstatistiken mit Tieren immer nur die Schäden an Menschen und Autos gezählt werden. Dass jährlich 500.000 größere Tiere dabei ihr Leben lassen, steht nirgends geschrieben. Sehr „lustig“ auch, dass in Berlin einem Mann der Jagdschein weggenommen worden ist, der statt eines Wildscheines ein Pony erschossen hat. Sie sähen ja auch so ähnlich aus, meinte der Mann.
Diese einzelnen Texte sind unterhaltsam und ich musste immer wieder daraus vorlesen. Allerdings hält sie mit ihrer Meinung nicht hinterm Busch und klagt die Fleischindustrie schwer an. Und wer je den letzten Krimi von Herrn Schorlau gelesen hat und sogar auf einer seiner Lesungen war, weiss wovon beide schreiben und reden.
Zurück zu ihren Schafen. Eines davon fängt plötzlich an, Unmengen von Wasser trinken. Es schleckt und schleckt und schleckt. Hilal Sezgin ist aufgeregt und fragt beim Tierarzt, was denn dem Tier fehlen kann. Er meint, sie solle doch einfach nur eine Urinprobe und eine Blutprobe vorbeibringen und er werde das untersuchen. Leichter gesagt als getan. Sehr lustig, wie sie versucht an den Urin des Schafes zu kommen. Der Arzt meint, sie solle halt mit einer Suppenkelle unter das Schaf liegen und warten, bis …. Sie entwickelt eine andere Methode und der Arzt findet keinerlei Krankheit. Das Schaf sei halt so und trinke einfach viel und will viel herumschlecken.
Ein Text berichtet über den Eber, der sich gerne unterm Heu versteckt und dem man immer erst ausgraben muss, um zu sehen, ob er noch da ist. Er freundet sich übrigens mit einem geretteten Huhn an und beide werden unzertrennlich.
Sie merken schon, die Autorin lebt wirklich mit ihren Tieren und wir lesen, dass es bei der Erwähnung eines Tieres nicht unweigerlich sein muss, dass wir an die Zubereitung desselben denken.

Leseprobe

TV-Bericht über den Bauernhof und ein Interview mit der sehr forschen Autorin.

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