Mittwoch

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Heute haben
William Beckford * 1759
Jean Améry * 1912
Inge Merkel * 1922
Günter Wallraff * 1942
Lawrence Norfolk * 1963
Geburtstag
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Robert Walser
Er schwenkte leise seinen Hut
und ging, heißt es vom Wandersmann.
Er riß die Blätter von dem Baum
und ging, heißt es vom rauhen Herbst.
Sie teilte lächelnd Gnaden aus
und ging, heißt’s von der Majestät.
Es klopfte nächtlich an die Tür
und ging, heißt es vom Herzeleid.
Er zeigte weinend auf sein Herz
und ging, heißt es vom armen Mann.
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strauss

Botho Strauß: „Herkunft“
Hanser Verlag € 14,90
E-Book € 11,99
Ungekürzte Lesung mit Burghart Klaußner auf CD € 14,99

Zu seinem 70.Geburtstager scheint ein kleiner Erinnerungsband an seinen Vater. Damit verbunden natürlich über seine eigene Kindheit und seine eigene Jugend. Dies ist in sofern interessant, da diese Zeitspanne von den 40er bis zu den 50erJahren in Naumburg und Band Ems nie Thema seines großen Werkes war. Botho Strauss, der ehemalige Wilde des deutschen Theaters und meistgespielte Autor auf deutschen Bühnen, hat seine Meisterschaft genauso in literarischen kurzen Formen gefunden. Nicht zuletzt der Band mit sehr ruhigen Texten aus der Uckermark, dort wo der „alte Wolf“ sich zurückgezogen hat, wenn ihm Berlin zu laut wird.
Hier nun, auf den knapp 100 Seiten, findet er einen neuen Ton, den wir von ihm nicht gewohnt sind. Es sind Erinnungerungen an seinen Vater, die ihn geprägt haben. Sein Vater war es wohl, der das Bild der Familie dominiert hat, der durch seinen festen Tagesrhythmus, seine pedantische Art, sich auch daheim nur fein gekleidet zu bewegen, alles bestimmte. Er, der als junger Mann freudenstrahlend in den ersten Weltkrieg zog, dort ein Auge verlor und als Pazifist zurrückkehrte. Er, der trotzdem an Hitler und das große Deutschland glaubte, half mit einem Brief, dass sein Sohn Botho nicht zur Bundeswehr musste. Er, der eigentlich Arzt werden wollte, aber aus Geldgründen nur Apotheker wurde. Der Erfindungen in der Tasche hatte, damit aber nie reich wurde. Er, der eine eigene Literaturzeitung gründete, die er mit humorigen Texten und sehr konservativen Witzen füllte und an seine Kundschaft weitergab.
Andere Autoren würden daraus ein lustiges Erinnerungsbuch machen. Anektoden gibt es wirklich genug, die geeignet dafür wären. Anders jedoch Botho Strauss. Es ist seine sehr ruhige Art, sein liebevoll gezeichnete Bild seines Vaters, mit dessen Ideen er oft überhaupt einverstanden war, was diesen Text ausmacht. Er verklärt seinen Vater nicht, er rächt sich auch nicht an ihm. Nach langer Zeit bemerkt der 70jährige Autor sicherlich auch, was er mit seinem Vater gemeinsam hat. Gemeinsamkeiten, an die er als aufmüpfiger Jugendlicher wohl nie gedacht hätte.
Mit der Auflösung des elterlichen Hauses endet der Text.
Morgen wird die Wohnung entrümpelt. Morgen wird mein Zuhause aufgelöst.
Der Hanser Verlag hat diesen Text in schönes,sattes, grünes Leinen gebunden und Autor und Titel in silber geprägt.

Ich bin Deutscher: aufgewachsen mit Grimms Märchen und Elvis Presley, Karl May und General Eisenhower, Wagner und James Dean. Woher soll ich meinen Realismus nehmen?

Wann war’s? 1956, 57? Ems zur Weihnacht, das langersehnte Geschenk: Zehnplattenwechsler, leider nicht Dual, sondern Perpetuum Ebner, und gleich ein paar Platten dazuz, Elvis, Johnny Ray, Harry Belafone, kleine mit 45er Umdrehung, außerdem das Adagio aus Bruchs Violinkonzert, Lieblingsstück meines Vaters, ...

Leseprobe

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