Donnerstag

Heute haben
Léopold Sédar Senghor * 1906
Gert Loschütz * 1946
und Durs Grünbein * 1962
Geburtstag.
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Die aktuelle Frankfurter Anthologie Nr.37 beginnt gleich mit einem Paukenschlag.

Andreas Gryphius
Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Da bin ich aber sehr gespannt auf mein tägliches Gedicht. 50 sind abgedruckt mitsamt den interessanten Interpretationen.

„Frankfurter Anthologie“ Nr.37
S.Fischer Verlag € 24,99
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Über Winston Churchill haben wir in den letzten Wochen und Monaten schon einiges gelesen. Erstaunlich, was dieser Staatsmann alles gemacht hat. Dass er geschrieben hat, war mir klar, dass er aber den Literatur Nobelpreis bekommen hat, habe ich vergessen. Dass er als Schreiber für Zeitungen deutlich mehr verdient hat, als im Posten eines Politikers, hat auch was. Dass er getrunken hat, wie ein Loch, sickerte immer schon durch. Dass er, mit seinem Freund Charlie Chaplin gemeinsam, stark an Depressionen litt, haben wir in Michael Köhlmeiers Buch: „Zwei Herren am Strand“ lesen können. Die ersten Biografien liegen schon auf den Tischen und nächstes Frühjahr begehen wir den 50.Todestag dieses kleinen, großen Mannes.
Gestern erschien im Verlag Hoffmann&Campe ein schmales Bändchen mit dem Titel: „Zum Zeitvertreib – Vom Lesen und Malen“, das im Original 1932 erschienen ist.

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Winston Churchill: „Zum Zeitvertreib“
Hoffmann&Campe Verlag € 14,00

Wir können ihn hier als eigensinnigen und sehr persönlichen Essayisent entdecken, der über zwei seiner Lieblingshobbys schreibt. Ein Leben ohne Bücher war für Churchill undenkbar, aber das Lesen war für ihn kein Mittel zum Zweck, er vertrat die Auffassung, man solle sich dabei allein von seiner Lust und Laune lenken lassen. In der Malerei fand Churchill, der erst mit vierzig Jahren zu Pinsel und Palette griff, Trost und Stärkung. Er hatte seine eigene Welt gefunden, fernab vom Druck, dem er als Person des öffentlichen Lebens ausgesetzt war, eine Welt, von der er sagte: „Glücklich sind die Maler, denn sie sind niemals einsam„.

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Er schreibt gleich zu Beginn, dass es an guten Ratschlägen nicht mangelt, wie man sich den täglichen Stress vom Hals schaffen kann. Ruhe, oder Geselligkeit – beides sind für ihn gute Tipps. Er meint jedoch, man solle sich nicht auf eines festlegen, sondern stets die Abwechslung vorziehen. „Abwechslung ist der Schlüssel schlechthin„. Man solle sich ein paar Hobbys zulegen, und zwar rechtzeitig, damit man sie zur Entspannung einsetzen kann. Sport sei schon ganz gut, aber was machen wir im Alter, wenn nix mehr geht? Da sei doch das Lesen und Malen bis ins hohe Alter immer noch möglich. Das Lesen sei natürlich die beliebteste Art der Zerstreuung, schreibt Churchill 1932. Na wenn er wüsste, wie das heute im Internetzeitalter aussieht. Aber so eine kleine Grundbibliothek (von ca. 5.000 Büchern !!!), wie sie ein Bekannter von ihm besitzt, das hat schon was. Wir müssen doch auch nicht alle Bücher gelesen haben; ein Tag in so einer Bibliothek können ein Gefühl von großer Zufriedenheit vermitteln. All dies Wissen, das darin steckt, alle Abenteuer und Biografien sind ein wahrer, unsetzbarer Schatz. „Und wenn Sie schon nicht alle lesen können, dann nehmen Sie die Bücher wenigstens in die Hand, als wollten Sie sie streicheln. Schauen Sie hinein. Schlagen Sie sie aufs Geratewohl auf. Lesen Sie den ersten Satz, der Ihnen ins Auge springt, und von dort ein Stück weiter.“ Sie merken, Churchill ist ein Bücherverführer. Er ist jedoch ein großer Warner. Man solle als junger Mensch nicht zu viel lesen. „Jemand sagte mir einmal, er habe alle Bücher gelesen, auf die es ankomme.“ Er fragte die Person etwas aus und stellte fest, sie sehr viel gelesen habe, aber die meisten Bücher hätten keinen großen Eindruck hinterlassen. Das sei schade, denn erst im Alter sei man oft reif für die große Literaturen der Welt. „Junge Menschen sollten mitdem,was sie lesen, so vorsichtig sein wie alte Menschen mitdem, was sie essen. Sie sollten nicht zu viel zu sich nehmen. Und sie sollten es gut durchkauen.“
Was Churchill über seine Malerei schreibt, lesen Sie dann selbst im Buch nach. Nur ein Satz vielleicht zum Scharfmachen. Beim Ölmalen, sei es wichtig, wie ein Feldherr zu agieren. Man solle immer noch Truppen in der Reserve haben, um die Schlacht zu gewinnen. Heisst: Erst mal kräftig mit den Farben daruf auf die Leinwand und wenn irgend etwas nicht stimmig ist, ruhig weg mit den alten Farben und neue drauf.

Viel Vergnügen mit dem schön gemachten, schmalen Bändchen.

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