Freitag

Heute haben
Georg Büchner * 1813
Alfred Polgar * 1873
Ernst Blaß * 18909
Nathanael West * 1906
Arthur Miller * 1915
Geburtstag.
Aber auch der Regisseur Christoph Marthaler.
Und es ist der Todestag von Ingeborg Bachmann.
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Georg Büchner
Leise hinter düstrem Nachtgewölbe

Leise hinter düstrem Nachtgewölbe
Tritt des Mondes Silberbild hervor,
Aus des Wiesentales feuchtem Grunde
Steigt der Abendnebel leicht empor.

Ruhig schlummernd liegen alle Wesen,
Feiernd schweigt des Waldes Sängerchor,
Nur aus stillem Hain, einsam klagend,
Tönet Philomenes Lied hervor.

Schweigend steht des Waldes düstre Fichte,
Süß entströmt der Nachtviole Luft,
Um die Blumen spielt des Westwinds Flügel,
Leis hinstreichend durch die Abendluft.
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Die wunderbare Arie „Voi che sapete“ mit Christinne Schäfer aus Mozarts: Le Nozze di Figaro“ in einer Inszenierung von Christop Marthaler.
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Im aktuellen Heft von Sinn und Form gibt es die Tagebuchaufzeichnungen von Christine Koschel, die sie während Ingeborg Bachmanns Aufenthaltes im Krankenhaus, geschrieben hat. So bekommen wir zum ersten Mal einen sehr nahen und persönlichen Eindruck der letzten Wochen der Autorin.
Auf der Website des Heftes gibt es einen kleinen Auschnitt eines Interviews mit Christine Koschel.
Der Bachmann glaube ich, was sie schreibt
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Nun haben wir genug über die Geburts- und Todestage gehört und gesehen und kommen zu einem verregneten Aufenthalt auf Helgoland.

Wohl

Torsten Wohlleben: „Kann ich bitte löschen, was ich gerade gesagt habe?“

Carlsen Verlag € 14,90
Jugendbuch ab 14

Das tut richtig gut. Ein deutschsprachiges Jugendbuch, das so locker geschrieben ist und das Innenleben eines 16jährigen Jungen erzählt und nicht in den ganzen Untiefen herumwühlt. Mit sehr großem Vergnügen haben wir das Buch gelesen und finden, dass es natürlich nicht nur eines fürs Jungs, sondern genauso gutfür Mädchen ist, damit die mitbekommen, wie Jungs so ticken.
Torsten Wohlleben lässt Henner erzählen. Er ist klein, also nicht so groß würde ich mit meinen 1,70 sagen. Aber wenn er auf dem Sofa bei Starbucks zwischen seinen zwei Freunden mit über 1,80 sitzt, kommt er sich vor, wie Harry Potter ohne Brille und Zauberstab. Seine beiden Kumpels sind überall beliebt, zeigen sich von ihrer besten Seite und schauen von oben auf Henner (Henni Penni) herunter. Er ist sich dessen bewusst, weiss aber nicht, wie er aus dieser Situation herauskommt. Zuhause gibt es eine fürsorgliche Mutter und einen immer Arbeit befindlichen Vater. In der Schule hätte er eine Klasse überspringen können. Er will aber nicht, dass dies jemand erfährt. (Passiert aber doch). Verliebt ist er auch noch und zwar in die schöne Valerie mit den besonderen Klamotten. Er traut sich jedoch nicht, sie anzusprechen, hat nur Augen und Ohren für sie. Allein ihr Duft …. So vermasselt er auch gleich eine Geschichtsarbeit.
Alles könnte sich ändern, als die Jungs ein Angebot bekommen auf Helgoland Urlaub zu machen. Dort steht eine Wohnung frei und als sie erfahren, dass Mädels aus ihrer Klasse, inkl. Valerie, auch dort sind, gibt es für Henner kein Halten mehr. Auf Facebook wird organisiert und geschrieben und gepostet, was das  Zeug hält. Nur auf Henners Account ist nix zu sehen. Es klappt dann für Henner doch noch mit der Reise und als sie auf der Insel ankommen, regnet es in Strömen (hier auch), sie können die Wohnung beziehen und gehen sofort los um einzukaufen: Alkohol natürlichund kiloweise Krautsalat, weil der in der Menge so günstig ist.
Torsten Wohlleben schreibt in der Sprache dieser Jugendlichen, wird aber nie flapsig oder flach. Er benutzt den Slang, biedert sich jedoch nicht an. Der Roman liest sich flott weg und oft haben wir Passagen zum Schmunzeln oder Lachen. Es tauchen natürlich alle Utensilien auf, die die heutigen 16jährigen lebensnotwendig bauchen. Facebook, Smartphones, McDonald’s und Starbacks. Jede Menge Filmschauspieler und Zitate aus deren Filme und natürlich Musik. Aber auch hier hat Wohlleben ein klugen Händchen bewiesen und hält die Balance und nervt uns als Leser nicht. Jugendliche werden sich zu 100% wiederfinden. Und zwischen den Zeilen lesen wir natürlich eine große Kritik an diesen Konsumgütern, die für uns so selbstverständlich geworden sind. Aber sind sie wirklich so lebensnotwendig, wie zu Beginn Facebook für Henner?
Ob es mit Valerie klappt, oder ob es doch noch was wird mit Henner und Lefke, die übrigens Facebook doof findet, das dürfen Sie selbst herausfinden. Auf jeden Fall merkt Henner, wenn er sich innerlich verändert, anders einstellt, dann wird auch sein Verhältnis zu den beiden Freunden und zu den Mädchen ein anderes. Alles wird entspannter, sie können endlich normal miteinander reden und sich austauschen.
Ein klugen, witziges Buch. Ein tolles Geschenk.
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Heute abend ab 19 Uhr: „Ulmer Fraune schreiben und lesen“ bei uns in der Buchhandlung.
Der Vortrag am Sonntag um 11 Uhr im Weidacher Spatzennest („Partisanenpfade im Piemont“ fällt aus gesundheitlichen Gründen des Autors aus. Schade.
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2 Gedanken zu „Freitag

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