Montag

Heute haben wir einen bunten Reigen von Geburtstagskinder:
Arthur Rimbaud * 1854
Paul Valéry * 1871
Peter Bamm * 1897
Mario Luzi * 1914
Otfried preußler * 1923
Art Buchwald * 1925
Oskar Pastior * 1927
Elfriede Jelinek * 1946
Akif Pirincci * 1959
John von Düffel * 1966
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Andreas Steinhöfel: „Anders“
Königskinder Verlag / Carlsen € 16,90
Hörbuch vom Autor gelesen € 19,99
Als E-Book € 11,99

Nach dem Unfall sind Zeit und Welt aus den Fugen. 263 Tage liegt der Winterjunge im Koma, exakt die Anzahl jener Tage, die seine Mutter vor elf Jahren mit ihm schwanger war.
Zahlen und Zahlenspiele kommen immer wieder im neuen Roman von Andreas Steinhöfel vor. Nicht nur ein neuer Roman, sondern gleich ein neuer Verlag, in dem dieses Buch als Aufmacher herauskommt. „Königskinder“ heisst er und gehört zum Carlsen Verlag. Sehr aufwendig, schön gestaltete Bücher, zu denen dann auch hoffentlich der Inhalt passt. Hier gelingt es auf jeden Fall und Steinhöfel ist wieder ein kleines Meisterwerk gelungen. Jugenbuch (der Verlag schreibt ab 12 Jahren) oder Erwachsenenbuch? Egal. Beginnen Sie zu lesen und Sie werden es nicht mehr weglegen.
Aber nun zurück zum Inhalt, zu Felix, der sich nach seinem Aufwachen aus dem Koma Anders nennt. Er wächst in einer behüteten Kleinfamilie auf, hat keine Geschwister, fürsorgliche Eltern und macht sich in der Schule ganz gut. Fast könnte man meinen, er ist überumsorgt. Nun passiert es an seinem 11. Geburtstag, dass ihm in der Schule schlecht wird, er früher nach Hause geht. Sein Vater hängt gerade eine (Geburtstags)-Elf am Haus auf, als Felix um die Ecke kommt. Eine Eins kommt ins Rutschen, trifft Felix am Kopf. Blutend mit einer Platzwunde taumelt er und wird von Mutters Auto, die just in dem Moment in die Garage fahren will, auf die Motorhaube genommen. Klingt wie Slapstick, ist aber sehr stimmig, wenn wir die beiden Eltern als so kümmernde Personen kennengelernt haben. Dann muss es ja so kommen.
Es beginnt die Zeit des Komas, die Zeit in der die Eltern täglich stundenlang, dann doch deutlich weniger bei ihm am Bett sitzen. Die Zeit, als ein Pfleger ihn versorgt, mit ihm spricht und der auch als erster meint, eine Veränderung bei ihm bemerkt zu haben. Felix wacht auf. Es scheinen keine körperliche Schäden geblieben zu sein. Er hat mächtigen Hunger, erholt sich schnell, kann sich aber an nichts vor seinem Unfall erkennen. Dies wird für seine Umwelt sehr schwierig, da er sein neues Leben akzeptiert, aber keine emotionale Bindung, z.B. zu seinen Eltern aufnehmen kann. In der Schule ist er zu erst das Thema Nr.1, dann lässt das Interesse nach, da er sehr in sich zurückgezogen ist.
Mit seiner eigenen Namensumbenennung beginnt ein neues Kapitel in seinem Leben. Denn nicht nur das ändert sich bei ihm; er ist sehr direkt zu seinem Mitmenschen, zu seinen Mitschülern. Er sieht viele Farben, die er Menschen Gefühlen und Stimmungslagen zuordnet. So legt er einer Mitschülerin die Hand auf die Brust und sagt ihr, dass sie ganz schwarz innendrin sei. Auch gegenüber anderen Menschen nimmt er kein Blatt vor den Mund. Dies führt natürlich zu Schwierigkeiten. Nicht nur in der Schule. Er hat damit auch die Gabe, in die Menschen zu schauen, oder vielmehr, er hat viel bessere Sensoren. So bemerkt er als einziger, dass sein ehemaliger Pfleger und die Krankenhausärztin sich lieben. Die beiden gestehen einander ihre Liebe jedoch nicht. Erst ein (von Anders) fingierterLiebesbrief, lässt die beiden zusammenkommen.
In seinem Leben gibt es noch viele Rätsel. Zum Beispiel  eine geheime Datei auf seinem PC, an dessen Geheimwort er sich nicht mehr erinnern kann. Sein Vater vermutet dahinter vielleicht einen Schlüssel zum Gedächtnisverlust seines Sohnes. Was hat es mit dem alten Stark auf sich, dem der Brand seiner Hühnefarm angekreidet wird? Was ist mit seinen Freunden, die sich langsam an ihn annähern. Gibt es noch das große gewisse Etwas, das über all dem Durcheinander hängt?
Anders macht die verrücktesten Dinge. Er klettert auf einen hohen Baum und fliegt von oben durch die Äste auf den Boden. Er will in einem See ertrinken, schafft es auch fast, wird jedoch beides Mal von seinem Freund gerettet. Was hat es damit auf sich?
Sie merken schon, Steinhöfel hat viel reingepackt in diesen neuen Roman, dem Zugpferd für den neuen Verlag. Lassen Sie sich verführen von dem Buch. Irgendwie nimmt es einen an die Hand. Und wenn Sie meinen, es wird zu esoterisch, dann biegt Steinhöfel auch sofort in eine andere Richtung ab. Wir können viel in einzelne Passagen hineinintrepetieren, können aber auch einfach nur die Geschichte genießen auf auf das Ende gespannt sein. Und eines kann ich ihnen noch verraten: Es gibt ein großes Finale.

Leseprobe

Andreas Steinhöfel liest während der Kinder- und Jugendliteraturtage Ulm
am Mittwoch, den 12.11. um 14:30 im Alten Theater (beim Scholl Gymnasium)

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