Mittwoch

Heute haben
Iwan Bunin * 1854
Doris Lessing * 1870
Jacques Berndorf * 1936
A.L. Kennedy * 1965
Geburtstag.
Aber auch Franz Liszt und Catherine Deneuve.
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lemaitre

Pierre Lemaitre: „Wir sehen uns dort oben“
Klett-Cotta € 22,95
Als E-Book € 17,99
Als Hörbuch auf zwei mp3-CDs € 24,99
Auf Französisch: „Au revoir là-haut“ € 36,99

Sie werden sich denken, dass der Wiltschek doch allen Büchern, jeglicher literarischen Neuerscheinung hinterherjubelt. Nein, das ist ganz gewiss nicht der Fall. Es erscheinen jedoch so viele neue, gute Romane, dass es mich oft wundert, wie das denn sein kann, wo doch schon alles geschrieben ist. Und passiert so etwas, wie mit diesem Roman von Pierre Lemaitre. Erst bekommt er 2013 den bedeutendsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt, für diesen Roman, der im Französischen „Au revoir là-haut“ heisst, dann verschickt der Verlag Klett-Cotta Monate später ein Leseexemplar an uns und wiederum Wochen später nehme ich es auch in die Hand. Damit es es auch schon um mich geschehen. Denn obwohl es inhaltlich keine leichte Kost ist, liest sich das Buch, wie in einem Fluss. Pierre Lemaitre hat vor diesem Roman Krimis geschrieben und das merkt man seiner Schreibe an. Mit dieser lockeren Art an so ein gruseliges Thema (traumatisierte Soldaten nach dem Ersten Weltkrieg) heranzugehen, verlangt schon großes Können. Zusätzlich streut er immer wieder eine Prise (schwarzen) Humor ein, der in seiner dosierten Form nie respektlos wirkt.
Aber nun zum Inhalt, damit Sie ein wenig erahnen können, worum es dabei geht.
Albert und Edourad werden kurz vor Endes des Ersten Weltkrieges in eine sinnlose Schlacht gegen die Deutschen geschickt. Alle sitzen in ihren Gräben und warten auf das Ende dieses Grauen. Diese letzte Schlacht dient nur dazu, damit der befehlende Offizier noch ein paar Orden mehr bekommt. Beide überleben diesen letzten Kampf. Albert schwer gedemütigt, da er in einem Kraterloch sitzend das Gemetzel abwartet und dabei verschüttet wird. Dieses Warten im Loch wird ihm vor dem Kriegsgericht schwer angelastet und er entgeht knapp einer Erschießung. Edouard kommt, im Gesicht, schwer missgestaltet, in die Freiheit. Wenn wir nun meinen, dass diese Männern von ihren Familien, von ihren Frauen und Freunden, der Gesellschaft mit offenen Armen empfangen werden, dann werden wir schwer entäuscht. Alberts Freundin hat ihn schon verlassen und Edouard hält sich von seiner reichen Familie fern, da er ihnen mit seinem Aussehen (es fehlt ihm wirklich der komplette Unterkiefer) nicht begegnen will. Sie sind somit Ausseiten, Verstoßene. Helden sind die toten Soldaten und die Offiziere. Dass sich Edouard Schwestern sich auch noch mit dem ehemaligen Offizier, der die beiden in die Schlacht geschickt hat, einlässt, pervertiert diese Situation noch mehr.
Lemaitre genügt dies jedoch nicht für seinen Roman. Zu seiner Sprache passen nämlich auch die Gaunereien, mit denen sich diese drei Männer über Wasserhalten. Der entstellte Edouard nimmt die Identität eines anderen Soldaten an, lässt sich für tot erklären. Der Offizier bekommt dies mit und als Edouards Schwester den Leichnam ihres Bruders ausgräben lässt, damit er im Familiengrab beerdigt werden kann, spielt er mit und entwickelt daraus ein riesiges Geschäft mit Umbettungen dieser Toten in ganz Frankreich. Albert und Edouard wollen sich vorrangig an ihrem ehemaligen Befehlshaber rächen, denken sich jedoch auch eine freche Gaunerei aus, der die ganze französische Nation erschüttert. Dabei entwickeln beide wieder Lebensfreude in dieser sehr grauen und tristen Zeit, in der sie von der Hand in den Mund leben, während die Herren Offiziere sich in der Gesellschaft sonnen.
Am Ende dreht Lemaitre nochmals richtig auf, wie er es als Krimiautor gelernt hat.
Sie merken schon, ich bin wirklich begeistert von diesem Roman und es freut mich umso mehr, dass ich dieses Mal nicht mit Lesen hinterherhecheln musste, sondern, dass ich den Roman schon vor Wochen durchgefressen hatte.

Leseprobe

Das Österreichische Fernsehen empfiehlt:
ORF

Lemaitre am Stand des Verlages Klett-Cotta auf der Frankfurter Buchmesse:
Nachgefragt: Pierre Lemaître, Wir sehen uns dort oben
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Werner Färber

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE:

DIE GLÜHBIRNE

Heller als funkelndes Gestirn
glüht in der Lampe eine Birn‘.
Meistens leuchtet sie, wenn’s nachtet.
Wenn jedoch einer missachtet,
dass Energie er sparen kann,
lässt er sie auch des Tages an.

Ein andrer wiederum hat’s satt,
dass jene Birne hat viel Watt.
Die Stromrechnung ist ihm zu groß.

Er macht die Birne fassungslos.

 

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (UNGEREIMTHEITEN AUS DER TIERWELT):

 BÄR – MIT UND OHNE KRAGEN CCCLCXIV
 
Ein hübscher kleiner Kragenbär,
der liebte seinen Kragen sehr.
Und weil er diesen Kragen hatte,
trug er meistens auch Krawatte.
 
Ein and’rer Bär, der kragenlos,
fragte sich: „Was mach ich bloß?
Wie soll ich ohne einen Kragen
jemals ’ne Krawatte tragen?“

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Gegenüber

Das Haus hat nichts mit der Ewigkeit zu tun, es erzählt von der Vergänglichkeit. Wenn ich zurückkehre im März, zeigt es mir seine Wunden. Zeigt, was der Winter ihm angetan hat. Ich steh auf der anderen Straßenseite dem Haus gegenüber wie einer Person. Es schaut mich an, es seufzt, es ist nicht nur Wind und Wetter ausgesetzt.
Dann beginnt es zu erzählen. Von der Großmutter. Von Alma.

Aus: Silivia Trummer: „Vierhändig“ – Ein Mosaik
Silivia Trummer liest bei uns am Dienstag, den 28.10. um 19 Uhr

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