Dienstag

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Heute haben
Klabund * 1890
Gert Ledig * 1921
und Hansjörg Schertenleib * 1957
Geburtstag.
Aber auch Robert Mapplethorpe und der schöne (Fussballer) Luis Figo.
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Klabund
Laufen laufen läufig…

Laufen laufen läufig Hekatomben von Helden grau grau
Der zinnoberblaue Schutzmann zerschmettert den Maßkrug aller Maßlosigkeiten
An der Siegessäule die sauberen Ladenmädchen
Gelächter Zackenbauch
Wandeln die Litfaßsäulen
Im Sternenzelt.
Und die geliebten goldnen Glocken der asphaltinen Unterwelt
Schon tönen sie tönen schön tönen sie tönen.
Die Ohnegrundbahnen lächeln verschämt im Abendrot
Am Potsdamer Platz da Platz da
Platz da
Für die Kolonnen der rosigen Straßenfeger
Und den silbernen
Goldpirol.
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Als eine Art Vorschau stelle ich Ihnen einen alten Roman von Patrick Modiano vor, der dieses Jahr den Literatur Nobelpreis bekommen hat und dessen Roman: „Im Café der verlorenen Jugend“ wir Ihnen u.a. in unserer „Ersten Seite“ heute abend präsentieren.
Modiano hat seinen Literturpreis wahrscheinlich für sein Gesamtwerk bekommen. Es gibt keinen herausragenden Romanen, der aus seinen vielen herausragt. Es ist wahrscheinlich sein Thema. Das verschwundene Paris, die verschwundenen Menschen, oder die Biografien, die hinter seinen vielen Personen stecken. Dies interessiert ihn, dies zieht sich durch sein großes Werk und dessen ist er treu geblieben. Wie auch seiner ruhigen, unaufgeregten, Sprache, die wir schon in seinen frühen Romanen erkennen.

Modiano

Patrick Modiano: „Eine Jugend“
Aus dem Französischen von Peter Handke
Suhrkamp Taschenbuch € 9,00

In diesem, Anfang der 80er Jahren erschienenen Roman, feiert Odile, Mutter zweier Kinder, ihren 35.Geburtstag. Zusammen mit ihrem Mann Louis führt sie ein Kinderheim in einem Chalet in den Bergen. Freunde sind eingeladen, die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Nachdem Louis einen seiner Gäste frühzeitig auf den Zug bringt, erinnert er sich an die Zeit für 15 Jahren, als Odile und er sich zum ersten Mal getroffen hatten. Es war ein Dezembertag in Paris der 60er. Louis hat gerade seinen Militärdienst beendet und Odile versucht sich als Sängerin. Beide haben kein Geld, kaum ein Dach über dem Kopf. Louis‘ grösster Wunsch sind richtige Schuhe, da seine Pappsohlen schon durchgeweicht sind und seine Socken zum Auswringen nass.
Sie gerät an einen Musiktalent-Scout, der mit ihr eine Probe-LP aufnimmt und ihr ein ersten Engagement organisiert. Er gerät an einen zweilichten Typ, der ihn mit etwas Taschengeld über Wasser hält.
Gemeinsam leben sie in Odiles sehr kleinem Zimmerchen und verbringen die meiste Zeit im Bett, damit sie möglichst wenig Kalorien verbrauchen. Der große Vorteil: Die Zimmerheizung ist immer auf höchste Stufe eingestellt, lässt sich nicht regulieren und sie schlafen bei offenen Fenstern, mitten im Winter.
Odiles Karriere geht nur über die Männer, die sie sexuell ausnützen. Sie macht dies ein paar Mal mit, bis sie keine weiteren Auftritte mehr bekommt und gleichzeitig Louis die ersten Aufträge mit Devisenschmuggel annimmt. Diese abenteuerlichen Reisen über den Ärmelkanal kann er gemeinsam mit Odile unternehmen.
Trotz aller Widrigkeiten, schaffen die beiden jungen Leute es, ihre Zuneigung zueinander zu bewahren und an eine gemeinsame Zukunft zu hoffen.
Modiano erzählt dies in einer ruhigen Sprache, nicht aufgehetzt wie in einem Thriller und er lässt die Katze erst auf den letzten zwei Seiten aus dem Sack.
Dass Peter Handke diesen Roman übersetzt hat, verwundert mich gar nicht. Passen doch beide mit ihrer Art zu schreiben sehr gut zusammen.

Der Suhrkamp Verlag hat noch weitere, ältere Romane von Patrick Modiano, in neuer Aufmachung als Taschenbuch herausgebracht. Zusammen mit den Taschenbücher im Verlag dtv und den gebundenen Büchern bei Hanser, ergibt dies ein schönes Werk. Doch nicht genug damit. Der Aufbau Verlag kommt auch noch mit einem Titel, der Hanser Verlag hat Modianos neuesten Roman von Frühjahr 2015 auf November vorgezogen. Sie haben haben somit eine schöne Auswahl.
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Heute Abend stellen wir Ihnen neben
Patrick Modiano: Im Café der verlorenen Jugend
noch
Klaus Merz: Jakob schläft
Christie Hodgen: Fünf Menschen, die mir fehlen
Pierre Lemaitre: Wir sehen uns dort oben
vor.
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Ein Gedanke zu „Dienstag

  1. Lieber Samy

    Klabund – auf dem untersten Regal des Büchergestells meiner Eltern – damals vor 60 Jahren! Meine Herzklopfen erregende verbotene Lektüre. Schön, dass du sie in Erinnerung rufst!

    Herzlich Silvia

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