Freitag

Heute haben
Carlo Emilio Gadda * 1893
Astrid Lindgren * 1907
Eric Malpass * 1910
Carola Stern * 1925
Geburtstag
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Ein TV-Beitrag zu Astrid Lindgrens 100.Geburtstag.
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Bolano

Robert Bolano: „Mörderische Huren“
Erzählungen
Aus dem Spanischen von Christian Hansen
Hanser Verlag € 19,90

Bolanos Werk scheint unerschöpflich. Seit zehn Jahren ist er nun schon tot und immer wieder erscheinen Romane und Erzählungen von ihm in deutscher Sprache. Gar nicht reden von seinen Gedichten. Es bleibt also spannend. Hauptsächlich mit seinem aktuellen (in Deutschland) Erzählband „Mörderische Huren“, der zwei Jahre vor seinem Tod im Spanischen erschienen ist. So etwas Radikales habe ich selten gelesen. Bolanos Texte sind versponnen verrückt, politisch, witzig, durchgedreht und auf jeden Fall große Literatur. Wenn ich mir das anmaßen darf. Er hat sein Grundthema in diese Erzählungen gepackt, wie wir sie auch aus seinen Romanen kennen. Es ist die Diktatur in Chile, die Flucht nach Spanien, das Leben in Barcelona. Es ist die kritische Betrachtung der Linken, die traumatisierten Menschen, die durch die Politik um den ganzen Erdball gejagt werden. Es taucht aber auch immer ein B. auf, der wohl viel mit ihm selbst, Bolano, zu tun hat. Seine Schilderung eines Literaturseminars ist schon sehr gekonnt und zeugt von großem Insiderwissen. Auch wenn er die verrücktesten Geschichten auftischt, hat er noch eine große Portion Humor in der Hinterhand.
Ein Mann stirbt auf der Tanzfläche einer Disco, kommt ins Leichenschauhaus und betrachtet dies wie einen Aussenstehender. Das hätte er nicht gedacht, dass dies passiert, obwohl er immer wieder darüber gelesen hat. Nun dreht Bolano aber ordentlich an der Schraube, lässt den Leichnam entführen. Er wird zum prominentesten Modeschöpfer der Stadt transportiert, der schwer nekrophil veranlagt ist. Danach holen die Fahren den Toten wieder ab. Was nun wirklich schwer pervers klingt, hat in der Sprache von Bolano einen großen Witz. Als dann die Leiche sich noch mit dem Modeschöpfer unterhält, kommt es fast zu so etwas wie Freundschaft zwischen den beiden.
In „Buba“ schildert ein gealterter Fussballstar seine erfolgreiche Zeit in Barcelona. Nach einem zähen Start in die Saison kommt endlich der schwarze Spieler Buba aufs Feld und die Glückssträne des Vereins beginnt. Dass Buba vor jedem Spiel Blut von zwei Spielern in einem Glas sammelt und irgend etwas damit im Badezimmer macht, gibt der Geschichte den gewissen Kick. Eine grossartige Fussballerzählung, in der sich der Autor als Kenner des spanischen Fussballs und der Champions League zeigt. Was es mit dem Voodoo-Zauber vor dem Spiel auf sich hat, oder auch nicht, erfahren Sie am Ende der Erzählung, die Sie jedem Fussballfan ans Herz legen sollten.
Sie merken schon, die dreizehn Geschichten sind abgründig komisch, aber auch melancholisch traurig. Bolanos Figuren tragen ihre Traumata mit sich herum und Bolano ist ein Meister im indirekten Offenlegen. Dabei ist er bunt und frech, wie Frida Kahlo, die genauso fasziniert und verwundert.

„Bücher sind Wege, die nirgendwohin führen, auf die man sich aber dennoch begeben muss, um sich zu verirren und wieder zu finden oder um etwas zu finden, was auch immer, ein Buch, eine Geste, einen verlorenen Gegenstand, irgendetwas, vielleicht eine Methode, mit etwas Glück: das Neue, das, was immer schon da war.“

„Ich denke an die toten Dichter im Folterkeller, an die an Aids Gestorbenen, an einer Überdosis, an alle, die an das lateinamerikanische Paradies geglaubt haben und in der lateinamerikanischen Hölle gestorben sind. Ich denke an jene Werke, die es der Linken vielleicht erlauben, aus der Grube der Scham und des Versagens herauszukommen.“

Leseprobe
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Südwestpresse Ulm, 13.11.2014

 

6 Gedanken zu „Freitag

    • beim zauberer von oz (na bei der filmversion, der schwarzweissen) da sitzt er doch hinter einem vorhang und macht die gruselige stimme.
      also alles lug und trug. und so kommt mir das dann auch vor.
      ich schau mal, wie das im theater ulm machen, da läuft oz gerade als kinderstück zu weihnachten.

      • ach das is ja cool, – da war ich früher im Ballett. Ich werd mir den Film nochmal anschauen – packe ich gleich mal auf mein Weihnachtsprogramm neben den Sherlock Holmes (den ich aber lesen will) :-)
        Ich freue mich immer wenn ich die Autoren auch mal hören kann. :-)

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