Freitag

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Heute haben
Voltaire * 1694
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Margriet de Moor * 1941
Brigitte Blobel * 1942
Andrew Sean Greer * 1970
Geburtstag
_______________________

Wilhelm Friedrich Waiblinger
Geboren am 21.November 1804 in Heilbronn und
am 17.Januar 1830 in Rom gestorben.

Verlangen nach der Ferne

Ueber Berge möcht‘ ich hin,
über alle Berge fliehen!
Armes Herz! wo willst du hin?
Willst du vor dir selber fliehen?

Aber kann ich denn die Regung
bändigen des wunden Herzens,
und die lärmende Bewegung
meines namenlosen Schmerzens?

Quille nur du Thränenquelle,
rastlos, wie die wilde Welle,
unaufhaltsam fortgeschoben,
Grund und Wiese kehrt nach oben.
Eh die Seufzer mir verklingen,
mußt du treues Herz zerspringen!

Siehst du dort der Landschaft Bildniß,
wie’s im schmalbefaßten Rahmen
luftigdämmernd Blau umwebet:
Soll ich es für mich benamen,
eine menschenleer Wildniß
sind mir alle jene Weiten,
mannigfach und reich belebet;
ach der Kindheit Rosenzeiten!

Wie sich dort ein bunt‘ Gedränge
brausend durch einander schiebet,
ach! in jener lauten Menge,
find‘ ich niemand, der mich liebet.

Mancher geht an mir vorüber,
doch er läßt mich meinem Schmerz,
bänger wird mir nur darüber,
bänger mir das arme Herz.

Ueber Berge laßt mich hin,
über alle Berge ziehen!
Armes Herz! wo willst du hin?
Kannst du vor dir selber fliehen?
_____

Lied der Liebe in die Heimath

Ach warum in dieser Ferne,
süßes Herz, so weit von dir?
Alle Sonnen, alle Sterne,
öffnen ihre Augen mir,
nur die schönsten blauen Strahlen,
nur das reinste tiefste Licht,
drin sich Erd‘ und Himmel malen,
nur dein treues Auge nicht.

Ja, ich seh‘ in wilden Lauben,
über Bergen, über Seen,
Kind voll Unschuld und voll Glauben,
dich in frommer Stille gehn.

Um die bleichen feuchten Wangen
spielt die frische Abendluft,
und es steigt dein zart Verlangen
himmelwärts wie Blumenduft.

Thrän‘ an Thräne seh‘ ich rinnen
tief aus deines Auges Nacht,
und mit glühend heißen Sinnen
hängst du an der Sterne Pracht –
o mein Kind, in jenen Räumen
suchst du den Geliebten schon,
und so früh den schönen Träumen
spräche das Verhängniß Hohn?

Nein, dem liebenden Gemüthe
sind sie schmerzlich sanfter Trost!
Nach dem Winter kommt die Blüthe,
die ein neuer West umkost.
Bei den heimathlichen Auen,
bei der Burgruine Bild,
da, wo Aug‘ und Blumen thauen,
Mädchen, sei dein Weh gestillt.

Was du weinend mir gegeben,
all‘ dein himmlisch Heiligthum,
war ein Kuß fürs Erdenleben,
war es für Elysium.
Mein ist dein verschämtes Zagen,
mein die jungfräuliche Scheu,
konntest du so muthig wagen,
liebes Herz, so bleibe treu!
_____

Mutter

Jean Regnaud (Text) und Émile Bravo (Illustrationen):
„Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen“
Lettering Micheal Hau
Übersetzt aus dem Französischen von Kai Wilksen
Carlsen Verlag € 9,99

Was für ein schönes Buch und jetzt endlich als Taschenbuch, so dass es prima in jedes Adventspäckle passt.  Früher sagte man noch Comic dazu, heissen diese „Bilderbücher“ Graphiv Novel.
Hatte ich gestern noch von Retrostil in der Illustration geschrieben, so befinden wir uns jetzt tatsächlich in den 70er Jahren in Frankreich. Alles ist noch ein wenig behäbig und ruhiger, ohne Händis und Smartphones. Aber nicht bei Jean, der zu Beginn des Buches in die erste Klasse kommt. er schwitzt, dass ihm die Socken qualmen, als die Lehrerin von ihm wissen will, was seine Eltern machen. Er hofft, dass irgendetwas ganz Schlimmes passiert, damit er nicht dran kommt. Als es doch geschieht, rasselt er ganz schnell herunter, dass er Jeanheisstseinvaterchefistundseinemuttersekretärin. Und genau hier hat Jean sein ganz großes Problem. Sein Vater ist zwar Chef und immer übermüdet und melancholisch, aber seine Mutter kennt Jean gar nicht. Er und sein kleiner Bruder werden vom Kindermädchen Yvette betreut und dem Kleinen rutscht immer wieder das Wort „Mama“ heraus.
In der Schule lernt Jean einen Mitschüler näher kennen, der von einer Familie adoptiert worden ist und dessen Adoptivvater im Rollstuhl sitzt und Bleisoldaten anmalt. Alain ist immer guter Dinge, schwärmt für die Marine und nicht für Indianer, wie Jean. Den Rorschachtest des Schulpsychologen beantworten deshalb beide gemeinsam mit wilden Abenteuerphantasien. Und gerade die Phantasie spielt Jean immer wieder Streiche. Ist seine Mutter nun Sekretärin? Und wo? Ist sie auf Reisen? Und warum tätscheln ihm die alten Frauen den Kopf und nuscheln etwas von „armer Junge“?
Als das Nachbarsmädchen ihm Postkarten vorliest und vorgibt, sie seien von seiner Mutter, ist er endlich zufrieden. sie meldet sich mitten im Sommer aus der Schweiz vom Skifahren und aus Amerika, wo sie Buffalo Bill getroffen hat. Irgendwie scheint es ihm komisch, warum der Text auf den Karten mit dem Namen des Mädchens beginnt.
Dies wird alles aus der Sicht des kleinen Jeans erzählt, der sich mächtig Gedanken macht und zwischen großem Bub und kleinem Jungen hinundherschwankt. Der warmherzige Ton, die große Empathie machen diese kleine Geschichte zu einem großen Werk, das sie jedem in die Hand drücken können. Der Illustrator Émile Bravo hat aus dem Text noch viel mehr gemacht, und entstanden ist eine geniale Weiterführung der Geschichte. Die Hintergrundfarben der 14 Kapitel wechseln ständig und sind meist gedeckt als grell gehalten. Doch auch das fügt sich in den eher traurigen Grundtenor des Buches.
Ob Jean seine Mutter wieder findet, ob er entdeckt, wo sie steckt, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt, erfahren wir zum Teil am Ende des Buches. Wir sehen jedoch einen glücklich strahlenden Jean, als nach den Weihnachtsferien die neue, junge, hübsche Lehrerin in seiner Klasse unterrichtet und die Schüler nur ihre Vornamen aufsagen müssen. Jetzt leuchten die Farben in hellem Gelb.
Herrlich!

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