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Geburtstag.
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Neil Gaiman: „Der Ozean am Ende der Straße“
Aus dem Englischen übersetzt von Hannes Riffel
Eichborn Verlag € 18,00

Eigentlich hätte es, laut Neil Gaiman, eine Erzählung werden sollen. Eine kurze Geschichte, die er während der Abwesenheit seiner Frau zu schreiben gedachte. Aber aus der Erzählung wurde immer mehr, bis es bei einem Roman endete. Gaiman war selbst erstaunt und konnte es nicht fassen, was ihm da alles aus der Feder floss. Es sollte ein Buch für seine Frau sein, die seine Fantasy-Bücher nicht mag. Sie mag ihn. Also fing er mit sich im Mittelpunkt an. Mit einer Person, die an der Ort seiner Kindheit zurückkehrt, um an einer Beerdigung teilzunehmen. Dort begegnet er einer alten Frau und er taucht ein in seine Kindheit. In den Sommer, als er sechs Jahre alt war. Die Zeit, als seine Eltern noch in einem Haus wohnten, das längst abgerissen ist und nicht mehr existiert. Es ist eine Zeit, die er vergessen, verdrängt hat. Eine Zeit, die in den Köpfen der Erwachsenen keinen Platz mehr hat, in denen es rational und effektiv zugeht. Eine Zeit, in der es noch Peter Pan gab, der die Kinder mitnahm und verführte. Eine Zeit, in der kindliche Ängste Wirklichkeit war, in der Kinderaugen etwas sehen und es komplett falsch interpretieren. Eine Zeit, in der viel aus dem Ruder ging, in der die Ehe seiner Eltern fast zerbrach, in der eine Kinderliebe sich auflöste, in der Wesen aus Büchern lebendig und bedrohlich werden.

Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, man könne durch ihn in eine andere Welt gelangen. Und was dann geschah, hätte sich eigentlich niemals ereignen dürfen.

Neil Gaiman hat dann doch wieder eine Roman mit vielen Fantasyelementen geschrieben und dennoch ein warmherziges, inniges Buch über Freundschaft, Macht und Vertrauen. Ein Buch, in dem das Geld der Erwachsenen den kindlichen Gemütern gegenübersteht. Ein Buch, in dem nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Ich mochte Mythen. das waren keine Geschichten für Erwachsene, aber es waren auch keine Kindergeschichten. Sie waren besser. Denn die Geschichten für Erwachsene waren immer so wirr, und es dauerte ewig, bis sie in die Gänge kamen. Sie gaben mir das Gefühl, dass Erwachsene irgendwelche Geheimnisse hüteten, mysthische Geheimnisse, wie die Freimaurer. Warum lasen Erwachsene nicht gern von Narnia, von einsamen Inseln und Schmugglern und gefährlichen Feen?

So tauchen wir mit dem Jungen, der sich am liebsten in seine Bücher verkriecht ab in eine Welt der Ungeheuer und Monster, wie sie Kindern in den Träumen erscheinen. Er muss um sein Leben kämpfen und um das Verstehen seiner Umwelt. Wenn sein Vater versucht, ihn in der Badewanne zu ertränken, so schildert Gaiman das in einer Art, dass wir nicht wissen, ob es wirklich so war und auch so, dass wir Verständnis für ihn haben. War es wirklich so?

Erwachsene sehen im Inneren auch nicht wie Erwachsene aus. Äußerlich sind sie groß und gedankenlos, und sie wissen immer, was sie tun. Im Inneren sehen sie allerdings aus wie früher.

Neil Gaiman, der jede Menge Comics, Grahic Novels und Fantasybücher geschrieben hat, landete mit diesem Buch auf Platz 1 der Bestsellerlisten und hat mich bei der Lektüre verwirrt und süchtig gemacht. Auch für mich ist Fantasy nichts. Aber dieser Roman ist mehr. Es gibt einen Blick ins Innere eines Jungen, der nun ein Erwachsener ist und in desen Hintertürchen immer noch ungeklärte Dinge stecken. Damals wurden die Ängste real und müssten bekämpft werden. Heute werden sie weg- und untergedrückt.
Ein Buch, das mit etwas Grusel arbeitet und doch voller Empathie und Wärme ist. In dem ein Ententeich zu einem Ozean wird und aus einer Kleinigkeit eine Katastrophe. In dem die Phantasie dem Jungen mehrere Streiche spielt, bis alles wieder in geordnete Bahnen kommt.

Hier liest und diskutiert Neil Gaiman aus und über den „Ozean am Ende der Straße

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