Montag

Heute haben
Horaz * 65 v.Ch.
Bjornstjerne Bjornson * 1832
John Banville * 1945
Richard David Precht * 1964
Geburtstag.
Aber auch Jim Morrison * 1943.
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Walter Bauer: „Die Stimme“
Geschichte einer Liebe
Lilienfeldiana Band 20
Lilienfeld Verlag € 18,90

Walter Bauer ist mir ein völlig unbekannter Autor, obwohl er in vielen literarischen Bereichen tätig war. Seit 1994 vergeben die Städte Merseburg, in der er 1904 geboren wurde, und Leuna, dort wo er arbeitete, alle zwei Jahre einen Walter-Bauer-Preis und seit 2006 ein Walter-Buer-Stipendium. Walter Bauer vagabundierte in seiner Jugend durch viele Länder Europas und arbeitete als Redakteuer und Lehrer. Seine Arbeit wurde durch die Nazis verboten, er zog in den Krieg und als es im Nachkriegs-deutschland keine Aussicht auf eine politische Veränderung gab, wanderte er 1952 nach Kanada aus und lebte dort bis zu seinem Tode 1976 in Toronto.
Zwei Ehen zerbrachen und so ist der Beginn des schmalen Buches mit seiner Situation vergleichbar.
In einem Gespräch mit einem nicht genannten Gegenüber, erzählt ein alter Mann über seine Zeit in Toronto. Angekommen als Deutscher mit nichts in den Taschen, kaum Englischkenntnissen und der Schuld Deutscher zu sein. Er arbeitet in einer Fabrik und hat nur Kontakt zu ein paar wenigen Mitarbeitern. Das aber auch nur sporadisch, da auch deren Englisch meist sehr schlecht. Sie sind auch Eingewanderte, teils vor dem Krieg schon, während, oder wie er in den Nachkriegsjahren. Ihn plagt es, Deutscher zu sein. Er meint, dass man ihm das Ansehen müsse, wie ein Kainsmal. Diese Schuld lässt ihn nicht los, obwohl er selbst ein vehementer Kriegsgegner war und ist und nur angewidert über seine Zeit in Russland denkt.

Keiner hier fragte mich nach meinem Leben; keiner war daran interessiert. Ich war Richard, ich glaube nicht, daß auch nur einer meinen Nachnamen wußte.Alles, was ich erfahren und getan hatte und was mitmir getan worden war, wurde auf eine erstaunlicheWeise nichtig.

Da taucht plötzlich in einer Bibliothek eine Frau auf. Sie greifen zum selben Buch, kommen dadurch in Kontakt und sein Leben verändert sich. Sein Leben hat plötzlich einen Sinn, nachdem es bisher nur sein Zimmer und die Arbeit gab. Diese Frau wird der Schlüssel zu einem Neubeginn in einer fremden Kultur. Erst jetzt erkennt er viele Dinge, die ihm vorher verschlossen waren. Sei es, dass er sie einfach nicht bemerkt hatte, oder sei es, dass ihm dafür die Türen verschlossen waren. Gleichzeitig kann er auch seine Schuldvorwürfe abstreifen und sich von dieser Last befreien. „Die Stimme“ heisst das Buch, das 1961 erschien, und die Stimme dieser Frau ist es auch, die ihm die Sprache, die geliebte Lyrik in einer neuen Sprache eröffnet. Diese Frau versucht sich als Sprecherin von Literatur, von Lyrik, bekommt tatsächlich einen Vertrag und somit beginnt auch für sie ein Start in eine neue Zukunft.
Walter Bauer hat hier einerseits ein Einwandererschicksal beschrieben und gleichzeitig viel aus seinem eigenen Leben erzählt, wie es in einem sehr ausführlichen Nachwort von Jürgen Jankofsky nachzulesen ist. Dies tut er in seiner sehr einfachen, aber eindringlichen Sprache und „Die Stimme“ ist eine Entdeckung in den Bergen der Neuerscheinungen. Bauer lebte mit dieser Frau bis zu seinem Tode zusammen und beide Grabsteine stehen nebeneinander auf einem Friedhof in Toronto.

Leseprobe
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JedeWoche neu: Die beiden Gedichte von Werner Färber.
Mehr von ihm gibt es hier.
UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (Agenturmeldungen und andere Nachrichten):
 
DEUTSCH – AUCH ZUHAUSE
 
Wenn wir euch schon ertragen hier“,
sagt CSU zu den Migranten,
sollt ihr in euren Wänden vier
euch mit Freunden und Verwandten
nur auf Deutsch noch unterhalten.“
 
Integration sieht anders aus!
Lasst uns den Vorschlag umgestalten:
Auch Bayern reden Deutsch zuhaus!
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UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (aus der Tierwelt …):
DAS LÄUSEKLO CCLCXXIII
 
Damit drauf passt ein Läusepo,
ist winzig klein das Läuseklo.
Bis es bei Bedarf gefunden,
dauert die Suche zumeist Stunden.
Wenn’s dringend ist, pinkelt ’ne Laus
auch schon mal heimlich hinterm Haus.
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Das Beste vom Besten von 2014:
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Katherine Hannigan:Die Wahrheit, wie Delly sie sieht
übersetzt aus dem Englischen von Susanne Hornfeck
Das amerikanische Original gibt es für € 7,99
ab 11 Jahren
Hanser Verlag € 14,90

Mir kam Delly wie eine Schwester von Pippi Langstrumpf vor. Sie ist frech, umtriebig, neugierig, unerschrocken, “leiht” sich schon mal Dinge aus, die einfach so rumliegen, macht eine Kanufahrt den Fluss hinunter, haut den frechsten Jungen kurz mal um, wenn er wieder blöd kommt und … ja, das ist dann die Folge: sie bekommt jede Menge Ärger mit den Erwachsenen, weil sie die Art und Weise, wie Delly die Dinge sieht, nicht nachvollziehen können. Ärger, nicht nur daheim, sondern auch in der Schule. Es geht sogar so weit, dass sie auf eine Schule für Schwererziehbare gehen soll.
Aber halt!!! Volbremsung. Wir haben es hier nicht mit einem tieftraurigen Buch um ein schwieriges Kind zu tun. Nein! Katherine Hannigan hat für mich das liebenswerteste Buch des Frühjahres, der letzten Monate geschrieben. Ein Buch, das so voll mit Sympathie für seine Figuren ist. Ein Buch über Freundschaft; wie man sie entdeckt, wie man sie erarbeitet und auch erhält.
Delly baut also viel Mist und handelt sich viel Ärger ein. Bis ihr kleiner Bruder, der ihr immer am Hemdzipfel hängt, eine tolle Idee hat, wie sie es vielleicht hinbekommt, dass sie nicht ins Heim muss. Sie soll zählen. Immer wenn Ärger in ihr hochsteigt, solle sie nicht sofort explodieren, mit Teller werfen oder zuschlagen, sondern zählen. So zählt sie den ganzen Tag, ist längst in den Tausenden und kann somit den Ärger nicht hochkommenlassen. Aber nur den ganzen Tag zählen, bedeutet auch, dass sie sicht nicht mehr auf andere Dinge (in der Schule) konzentrieren kann. Aber auch da hat der kleine Bruder einen guten Tipp. Sie solle doch einfach mal fragen, wenn sie etwas haben will und nicht einfach nur machen. Fragen? Ja, aber warum das denn, meint Dell. Doch sie merkt sehr schnell, dass dies eine gute Methode ist, das zu bekommen, was sie will, ohne dass es wieder Ärger gibt. So entspannt sich die Lage zwischen ihr und ihrer Schwester und auch ihre Mutter ist erstaunt über die Verwandlung der kleinen Tochter.
Als eines Tages Ferris Boyd in der Schule auftaucht, will Dell wissen, warum dieses Mädchen (das sie zuerst für einen Jungen hielt) nicht spricht und warum man sie nicht anfassen darf. Dafür benötigt sie aber genau die Tricks, die sich angeigent hat, um näher an das Mädchen heranzukommen. Dell lernt dem stummen Mädchen zuzuhören und lernt Schritt für Schritt eine neue Freundin kennen. Diese beiden Mädchen öffnen sich auf verschiedene Weise und können sich am Ende des Buches gegenseitig helfen.
Ich könnte nicht viel viel mehr schreiben. Über die sehr witzigen Namen der Kinder, über die Worterfindungen von Delware Pattison (wie sie wirklich heisst). Über Brud Kinney, einen Jungen der so gerne mit Ferris Basketball spielen will, da sie darin ein wirkliches Ass ist. Über die Jungenclique, die Delly immer ärgern, über das Baumhaus als Rückzugsort für Dell, ihren kleinen Bruder RB und Ferris, über die Vögel, die Ferris auf der Schulter sitzen und vieles vieles mehr.
Wie gesagt, es ist das freundlichste, herzerwärmenste Buch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Und wenn der Verlag “ab 11″ schreibt, dann stimme ich dem zu und meine auch wirklich ab 11. Denn das heisst, dass Sie als Erwachsene bitte schön auch das Buch lesen sollten, können, dürfen. Es lohnt sich. Und: Sie haben dann ein prima Geschenk.

Leseprobe

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Ein Gedanke zu „Montag

  1. Das Delly Buch wollte ich auch so gern lesen, ist aber in der Bibo noch nicht aufgetaucht. Ich glaub da gabs damals eine Rezension bei der Zeit dazu. Ach ja und die Doors, bitte gerne immer wieder, einfach toll :-)

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