Montag

Heute haben
Ulrich Bräker * 1735
Hugo Loetscher *1929
Renate Welsh * 1952
Margit Schreiner * 1953
Felicitas Hoppe * 1960
Geburtstag.
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Tipps aus der New Yorker U-Bahn-Bibliothek

1
„Let the Great World Spin,“ by Colum McCann

2
„The Great Gatsby,“ by F. Scott Fitzgerald

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Das Beste vom Besten von 2014

Fluss

Alessandro Sanna:Der Fluss
Peter Hammer Verlag € 29,90

Alessandro Sanna hat mit diesem großforamtigen Bilderbuch, Bildband, Kunstbuch oder auch Graphic Novel etwas geschaffen, was ich in dieser Form noch nicht in Händen gehalten habe.
Geboren 1975 in Italien, hat er dort schon 40 Bücher für Kinder und Erwachsene veröffentlicht, im New Yorker und der New York Times Bilder veröffentlicht. Er unterrichtet an der Universität in Bologna und wohnt in Mantua.
Jahrelang hat er sich in seiner norditalienischen Heimat am Fluss, am Po umgeschaut. Hat gezeichnet, aquarelliert, ausgetestet und so langsam eine Idee entwicklet. Dieser große Fluss prägt die Landschaft und die Menschen. Es gibt viele Bücher über ihn, über Flüsse überhaupt. Der Fluss trennt und verbindet. Ach, wem erzähle ich das – wir haben ja die Donau vor der Haustüre und Anfang Juli beginnt hier das Internationale Donaufest.
Sanna nähert sich hier mit vier Geschichten über das ganze Jahr und nennt seine Kapitel dann auch Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Er erzählt darin jeweils eine abgeschlossene Geschichte. Aber nicht so, wie wir uns das vorstellen. Er erzählt ohne Worte, sondern nur mit seinem (digitalen) Pinsel von Stürmen und Nebel, von der Hitze des Sommers und lauen Nächten, von Liebe, Geburt und Gemeinschaft. Die jeweils vier Aquarellstreifen pro Seiten zeigen fantastische Szenen, Mythologisches, Düsteres, und oft besonders Schönes. Wir wissen manchmal nicht, sind die Menschenreihen echt, oder gleichen sie den Baumreihen entlang des Flusses. Was zum Teil bedrückend wirkt, löst sich plötzlich in einer Hochzeitsgesellschaft auf. Ein Zirkus kommt und geht, ein Boot fährt durch den Nebel und wir sehen nur das helle Licht der Laterne in den Händen des Fischers. Im Herbst sehen wir den Atem, der grau, weiss aus Menschen und Tieren kommt. Die Sonne geht unter, Schnee fällt und ein wildes Tier bricht aus dem Zirkus aus. Aber ist er wirklich gefährlich, oder braucht der Maler ihn als Vorlage für ein Porträt? Was ist Wirklichkeit, was ist Fantasie? Damit spielt Sanne. Und das gekonnt. Der Verlag nennt es ein Silent Book. Wer hätte das gedacht. Noch eine neue Formulierung. Egal. Genießen Sie die einzelnen Bildergschichten, die einzelnen Bildstreifen, die Farben, die Ideen, die dahinterstecken und ich garantiere Ihnen, Sie werden gleich wieder von vorne beginnen und schauen, welches Ihr Lieblingsbild ist. Das wird jedoch schwierig.

Ins Buch schauen

Homepage des Autors

Sanna malt den Fluss auf einem Video

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9783803151865

Horst Bredekamp:Der schwimmende Souverän
Karl der Große und die Bildpolitik des Körpers
160 Seiten. Gebunden mit Schildchen und Prägung
mit vielen, zum Teil farbigen Abbildungen
Wagenbach Verlag € 26,00
In der großformatigen Kunstreihe

Der Kunsthistoriker Bredekamp hat schon ein paar Bücher im Wagenbach veröffentlicht. Über Botticelli und seine Venus, über die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte unter dem Titel “Antikensehnsucht und Maschinenglauben” und “Leibniz und die Revolution der Gartenkunst”. Jetzt kommt er mit dem verwirrenden Titel “Der schwimmende Souverän” und setzt Karl den Großen in den Untertitel. Was soll das denn? Was hat den dieser deutsche Kaiser mit Schwimmen zu tun? Sehr viel, wie wir gleich zu Beginn der Lektüre merken werden. Und Bredekamp findet damit auch einen neuen Zugang zum Verständnis des großen Herrschers. Schwimmen und die Darstellung, die Herausstellung des (eigenen) Körpers hat die Massen schon immer fasziniert. Karl der Große war ein begeisterer Schwimmer, Mao Tse-Tung auch. Dieser nutzte seine Flußdurchquerungen wie kein anderer als große politische Schau. Aber auch Friedrich Barbarossa schwamm überall wo er regierte. Und bei allen drei Herrschern mussten die politischen Partner auch mit ins Wasser. Somit konnte z.B. seine körperliche Fitness auch gegenüber seinem Sohne zeigen. Mao Tse-Tung als Schwimmer wurde unendlich oft abgebildet. Sei es als Fotografie, als Fotomontage, als großes Ölgemälde im Bademantel und erhobener, winkender Hand. Der eigene Körper wird dabei zum Ausweis von sportlicher Tatkraft, patriarchalischer Fürsorge und Führungsstärke überhöht. Mussolini und jetzt Putin steigen in das gleiche Fahrwasser, um ihre Macht zu demonstrieren.
Bredekamp geht aber noch weiter, um uns das neuartige Machtphänomen Karl der Große offenzulegen.
Seine Kapitelüberschriften heissen:
I.   Von Mao Tse-Tung bis Friedrich Barbarossa
II.  Schwimmen
III. Bändigen
IV. Verlebendigung
V.  Verspiegeln
Schluss
Darin packt er im ersten Kapitel noch die Symbolik des Ertrinkens, da Friedrich Barbarossa ertrunken ist und dieses Schicksal mehrfach dargestellt worden ist.
Im Thema Schwimmen sehen wir auf Abbildungen, dass schon im Mittelalter geschwommen wurde. In knappen weißen Badehosen. Und den ins wasserspringende Römer kennen wir von vielen Postkartenabbildungen.
Karl der Große schnürte jedoch ein Gesamtpaket um seine Macht zu festigen. Das Bändigen der Haare, das Abschneiden der Haare des Feindes, war eines davon. Schön zu sehen auf Münzabbildungen im Buch. Aber auch das Bändigen von wilden Tieren und das Zurschaustellen in Zoos. Gleichzeitig aber auch das Verlebendigen dieser wilden Tiere als Bronzestatuen gehörte dazu. Das ging so weit, dass der erlegte brüllende Bär noch die Wunde der Lanze im Bronzeabdruck hat. Im Kapitel Verspiegeln sehen wir zwei große Flügeltüren mit zwei Löwenköpfe als Türklopfer. Ihre Augen blicken etwas nach unten und dem Eintretenden nicht direkt in die Augen. Die Türe war jedoch aus spiegeldem Metall, so dass der Gast sich selbst sehen konnte. Die Löwen sind hier nicht die wilden Tiere, sondern diejenigen, die sich der Macht gebeugt haben. So soll sich der Eintretende, der sich selbst im Spiegel sieht, auch so demütig wie diese Löwen verhalten. Gleichzeitig ist aus dem wilden Tier ein Zeichen des Friedens geworden.
Bredekamps völlig neue Sicht auf Karl den Großen zeigt, wie aktuell dessen Bildpolitik ist. Karl der Große hat als “Leuchtturm Europas”, wie er von Zeitgenossen genannt wurde, auch dem gegenwärtigen Europa etwas zu sagen: Politik ist elastisch und fluid. Und dabei bringt der Wagenbach Verlag noch das Wort Fluxus ins Spiel.
Wer denkt denn an so etwas, wenn er dieses Buch im Buchladen liegen sieht.
Wieder was gelernt. Schön, dass es Bücher gibt.

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