Montag

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Heute haben
Samuel Pepys * 1633
Elisabeth Langgässer * 1899
Erich Kästner * 1899
Geburtstag

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Linus Reichlin: „In einem anderen Leben“
Galiani Verlag € 19,99

Letzte Woche haben wir im Laden noch darüber geredet, dass wir von us-amerikanischen Romanen überschüttet werden, ohne dabei kaum noch auf deutschsprachige Bücher aufmerksam zu werden.
An diesem Wochenende steckten wir unsere Nasen jedoch nur in deutsche Bücher und waren hellauf begeistert. Rasmus Schöll entdeckte Kai Weyands Buch: „Applaus für Bronikowski“, das wir auch sehr sehr gut fanden. Ich bin gerade noch in den letzten Zügen von „Das alte Land“ von Dörte Hansen und muss dauernd vorlesen, so treffend lustig sind viele Teile des Buches.
Lange lag Linus Reichlins Buch im Laden. Es kam vor Wochen schon als Leseexemplar, wurde von mir aber nicht beachtet. Jetzt, nachdem es auf dem Neuerscheinungstisch liegt, habe ich es mitgenommen und am Samstagabend in einem Rutsch durchgelesen.
Grossartig!
Am Ende dieser Buchvorstellung können Sie einen Trailer zum Buch anschauen, in dem der Autor Bilder seiner Eltern zeigt. Diese Aufnahmen sind von zentraler Wichtigkeit für den Beginn des Romanes und fast mag man denken, dass dies alles gar nicht wahr sein kann und alles nur Fiktion ist.
Leider ist die Musik dazu viel dramatischer, als die Schreibweise des Buches, die nämlich sehr locker daherkommt. In einem unbedarften, kindlichen, jugendlichen Ton schreibt Reichlin die Zeit mit seinen Eltern auf, bis er auszieht in die weite Welt und von der Schweiz bis nach Berlin kommt.
Linus wächst also in der Schweiz auf. Seine Mutter kommt aus dem Tessin und verliebt sich junge Frau beim Baden in einen Schönling. Es wird bald geheiratet und kurz darauf ist auch schon Luis auf der Welt. Alles könnte so gut laufen, wenn Luis‘ Vater nicht trinken (saufen) würde. Schon im ersten Kapitel schreibt der Autor, dass dies das Unglück der Ehefrau sein würde.
Reichlin stellt seine Schreibweise hier schon vor. Er verflechtet Ereignisse, Musiktitel, Modebegriffe und Gebrauchsartikel in den Text, die zur damaligen Zeit (es beginnt in den 50er Jahren) in Gebrauch waren. So sind es die Atombombenabwürfe auf dem Bikini-Atoll, der noch unbekannte Elvis, mit denen wir auf den ersten Seiten in Kontakt kommen. Es folgen natürlich die Beatles, später Marc Bolans T-Rex und Led Zeppelin, bestimmte Getränke und Ausdrücke, Automarken und politische Ereignisse. Und damit gekommen wir diese Zeit sehr plastisch vor Augen geführt.
Luis merkt, dass hinter der Fassade seiner Eltern, die einmal mit Elizabeth Taylor und Richard Burton verglichen worden sind, einiges nicht stimmt. Sein Vater ist Zahnarzt, versäuft aber nicht nur seinen guten Ruf, sondern nach und nach auch sein ganzes Vermögen. Es herrscht Ehekrieg im Elternhaus. Es fliegen Türen und Gläser, bis seine Mutter mit dem Auto verunglückt und seitdem als Pflegefall im Rollstuhl sitzt.
Mittend drin Linus, der sich seine Träume selbst erfüllen muss und sei es nur mit geklautem Geld von seinem Vater, sich eine E-Gitarre zukaufen und mit einem Kumpel ein Marc Bolan Coverband zu gründen. Dass er bei der Musik nie den Takt halten kann, und immer ein wenig zu schnell ist, zieht sich durch das ganze Buch und ist sicherlich symptomatisch für das Leben von Luis, der noch nicht seinen eigenen Rhythmus gefunden hat. Als seinem Vater das Geld immer mehr durch die Finger rinnt, möchte er ein wertvolles Bild verkaufen. Seine Ehefrau bekommt dadurch eine starke, lebensbedrohliche körperliche Krise, so dass der junge Luis auf die Idee kommt, dieses Bild nachzumalen, damit sich seine Mutter wieder erholt.
Diese beiden Bilder spielen im zweiten Teil des Buch noch eine wichtige Rolle und verändern das Leben von Linus noch einmal grundlegend.
Linus erlebt die erste Liebe, zieht von daheim aus und lebt in einer kleiner Studentenbude in einer größeren Stadt in der Schweiz. Als diese Beziehung in die Brüche geht, kommt der große Schritt nach Berlin.
Es gäbe noch so viel über Luis und seine Eltern zu erzählen. Auch darüber, ob es wirklich Linus Reichlins Eltern und sein Leben ist, das er hier beschreibt. Auch, ob Luis sich von seinem Whisky trinkenden Vater lösen kann, der von großer Löwenjagd träumte, oder ob er ins gleiche Fahrwasser gerät. Ob solche Veranlagungen erblich sind und ein Fluch auf ihm und seiner Familie liegt, oder ob er ein neues, eigenes Leben gestalten kann.
Linus Reichlin schriebt dies, wie schon erwähnt, sehr locker und frech auf, so dass wir das Leben dieses Taugenichtes nicht mehr aus der Hand legen wollen und können und mit ihm leiden und hoffen und ihm die Daumen drücken, dass es noch irgendwie hinhaut.
Für mich lohnende. mitreissende Entdeckung, eine Lektüre über die engen Bande der Familie und die vielen versteckten Fallen, die wir erst im Rückblick entdecken.


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Werner Färber Ungereimtheiten sind Oscar aktuell:

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (aus der Tierwelt …):
SCHICKSAL EINES FROSCHES (2. Versuch)
 
Es hockt auf einem großen Blatt
der Seerose ein Frosch und hat
noch nicht bemerkt, dass ihn die Schlange
im Visier hat schon recht lange.
 
Nach angewandter Blick-Hypnose
schnellt die Schlange Richtung Rose,
macht ihr Maul auf und zu –
und der Frosch hat seine Ruh.
UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (… fies bis böse – anlässlich der Oscar Verleihung)
 
EISVERKÄUFER VS. CINEAST

Erleichtert ist das Publikum,
nachdem die Werbung endlich um.
Doch jeder Kinogänger weiß:
dreht sich der letzte Spot um Eis,
wird’s Licht noch einmal angemacht
und Eiscreme in den Saal gebracht.
Das kalte Naschwerk soll sodann
verkauft werden an Frau und Mann.

Heut‘ ruft jedoch ein Cineast,
der derlei Unterbrechung hasst:
„Wer ein Eis kauft, wird erschossen!“
Wie ein Pudel steht begossen,
der Eisverkäufer blass und still,
merkt äußerst schnell, dass niemand will
– da alle haben Angst vorm Sterben -,
käuflich von ihm was erwerben.

Er hat das rettende Gespür,
flink zu verschwinden durch die Tür.
Der Rufer (welcher waffenlos)
ist höchst erfreut – der Film geht los.

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Übermorgen ist es so weit.
Am Mittwoch ab 19 Uhr stellt Herr Lauinger den Manesse Verlag vor.
Schauen Sie vorbei. Es würde mich und den Verlagsleiter sehr freuen.
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