Donnerstag

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Heute haben
Fritz von Herzmanovsky-Orlando * 1877
Jaroslav Hasek * 1883
Luise Rinser * 1911
Ulla Hahn * 1946
Geburtstag
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mai

„Mai“
Gedichte passend zum Monat herausgegeben von
Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Oh, schon wieder ein Monat vorbei. An den Gedichtbändchen des Reclam-Verlages merke ich immer, wie die Zeit rast. Gut, heute haben wir noch April, die Hexen putzen für heute abend ihre Besen und sich selbst heraus. Aber ab morgen heisst der Monat Mai und der ist schon etwas besonderes.
Wonne und Sonne, Liebe und explodierende Natur. Farben, Blumen und gemeinsames Beisammensitzen im Freien. Das steckt hinter diesem Namen Mai. Der 1.Mai ist der Tag der Arbeit, der weltweit gefeiert wird und uns auch raus und auf die Straßen treibt.

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„Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder“
schrieb Rose Ausländer.

Aber nicht zu früh gefreut. Im Mai gibt es auch die Eisheiligen, die mit viel Regen und Frost verbunden sind. Aber insgesamt gesehen, gehen wir stramm in Richtung Frühsommer und lassen den Winter und das Frühjahr in Vergessenheit geraten.

Willkommen
Maienlob
Maienschelte
Maienglück
Feiern im Mai
Endlich im Freien

heißen die einzelnen Kapitel des Gedichtbandes und zeigen schon die Richtung an, auch wenn in der dritten Abteilung noch gescholten wird über den Wonnemonat. Diese Bezeichnung leitet sich womöglich von Weidemonat ab, so die Herausgeberinnen.
Da ich monatelang behauptet habe, dass diese Anthologie ohne Goethe auskommt, taucht er hier gleich zweimal auf.

Johann Wolfgang Goethe
Mit einem gemalten Band

Kleine Blumen, kleine Blätter
Streuen mir mit leichter Hand
Gute junge Frühlingsgötter
Tändelnd auf ein luftig Band.

Zephyr, nimm’s auf deine Flügel,
Schling’s um meiner Liebsten Kleid!
Und so tritt sie vor den Spiegel
All in ihrer Munterkeit,

Sieht mit Rosen sich umgeben,
Selbst wie eine Rose jung.
Einen Blick, geliebtes Leben!
Und ich bin belohnt genung.

Fühle, was dies Herz empfindet,
Reiche frei mir deine Hand,
Und das Band, das uns verbindet,
Sei kein schwaches Rosenband!

Mailied

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch

Und Freud‘ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb‘, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb‘ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud‘ und Mut

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

Und dieses Gedicht darf natürlich nicht fehlen:

Eduard Mörike
Er ist’s

Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton
Frühling, ja du bist`s!
Dich hab ich vernommen!

Ludwig Uhland
Mailied

Wenig hab ich noch empfunden
Von der werten Frühlingszeit;
All die Lust und Lieblichkeit
Hat zu mir nicht Bahn gefunden.
Ach! was soll ein Herz dabei,
Das sich so zerrissen fühlet?
Jetzt empfand ich erst den Mai,
Seit der Sturm in Blüten wühlet.

Heinrich Heine

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

Wilhelm Busch
Frühlingslied

In der Laube von Syringen,
Oh, wie ist der Abend fein!
Brüder, laßt die Gläser klingen,
Angefüllt mit Maienwein.

Heija, der frische Mai,
Er bringt uns mancherlei.
Das Schönste aber hier auf Erden
Ist lieben und geliebt zu werden,
Heija, im frischen Mai.

Über uns die lieben Sterne
Blinken hell und frohgemut,
Denn sie sehen schon von ferne,
Auch hier unten geht es gut.

Wer sich jetzt bei trüben Kerzen
Der Gelehrsamkeit befleißt,
Diesem wünschen wir von Herzen,
Daß er bald Professor heißt.

Wer als Wein- und Weiberhasser
Jedermann im Wege steht,
Der genieße Brot und Wasser,
Bis er endlich in sich geht.

Wem vielleicht sein altes Hannchen
Irgendwie abhanden kam,
Nur getrost, es gab schon manchen,
Der ein neues Hannchen nahm.

Also, eh der Mai zu Ende,
Aufgeschaut und umgeblickt,
Keiner, der nicht eine fände,
Die ihn an ihr Herze drückt.

Jahre steigen auf und nieder;
Aber, wenn der Lenz erblüht,
Dann, ihr Brüder, immer wieder
Töne unser Jubellied.

Heija, der frische Mai,
Er bringt uns mancherlei.
Das Schönste aber hier auf Erden
Ist lieben und geliebt zu werden,
Heija, im frischen Mai.

Neben all den alten Autoren, finden Sie natürlich auch LyrikerInnen des 20.Jahrhunderts, deren Texte ich jedoch hier nicht veröffentlichen darf.
Robert Gernhardt, Friederike Mayröcker, Rose Ausländer, Gottfried Benn, Bertold, Brecht, Ernst Jandl, Karl Krolow und viele mehr.
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Auf dem literarischen Speiseplan unserer Buchhandlung stehen im Mai folgende Veranstaltungen an:

Dienstag, 5.Mai um 19 Uhr
Die erste Seite

Wir stellen diese Bücher vor:

Russell Banks: Verstoßen
Barbara Honigmann: Chronik meiner Straße
Matthew Thomas: Wir sind nicht wir
Sifiso Mzobe: Young Blood

Es liest Clemens Grote
Bei uns in der Buchhandlung
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Mittwoch, 13.Mai um 19 Uhr
Barbara Treu: Dem Herzen ewig nah

Der Alte Friedhof in Ulm
Bei uns in der Buchhandlung
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Dienstag, 19.Mai um 19 Uhr
Stefana Sabin: Dante

Zum 750.Geburtstag des großen Dichters
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 10,00
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Donnerstag, 21.Mai um 19 Uhr
Niklas Maak: Wohnkomplex

Architekturvortrag und Film
Lichtburg Kino Ulm
In Zusammenarbeit mit der vh Ulm
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Montag, 25.Mai um 19.30 Uhr
Literatur im Botanischen Garten

Mit Florian Arnold und Rasmus Schöll
Teil 2: Im Osten
(Polen, Russland, Bulgarien, Tschechien)
Im Gewächshaus Foyer

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Mittwoch

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Heute haben
Konstantinos Kavafis * 1863,
(der am gleichen Tag 1933 auch gestorben ist)
Egon Erwin Kisch * 1885
Walter Mehring * 1896
Walter Kempowski * 1929
Lilian Faschinger * 1950
Geburtstag
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Annemarie van Haeringen: „Monsieur Matisse und seine fliegende Schere“
Verlag Freies Geistesleben € 14,90
Bilderbuch ab 4 Jahren

Bilder von Matisse strahlen eine solche Wärme und Lebensfreude aus, dass allein schon eine Postkarte die Zimmertemperatur um 2 Grad erhöht. Wer schon Originale von ihm gesehen hat, merkt, welche Arbeit hinter dieser Leichtigkeit steckt. Seien es seine Gemälde, seine Teppiche, oder diese Scherenschnitte, es geht einem richtig das Herz auf. Und ohne zu übertreiben: Für mich ist die Kapelle, die er in Vence gestaltet hat, einer der schönsten Orte, die ich je gesehen und betreten habe.
In den Bildern von Annemarie van Haeringen können wir dem großen Künstler über die Schulter schauen.

Monsieur Matisse ist Maler.
Ein Maler mit der Sonne im Bauch.
Seien Farben machen alle Leute froh.

Und auf dem nächsten Bild leuchtet die komplette Doppelseite in einem typischen Rot von Matisse. Ein Rot, dass in vielen seiner Bilder auftaucht und mit dem sein Museum in Nizza angemalt ist.
Aber der Maler wird krank und muss ins Krankenhaus. Dort ist alles weiss. Ausser einer Fieberkurve (die nach unten geht) gibt es keine Farbe in seinem Zimmer. Er braucht Zeichenstifte, Farben, eine Staffelei. Aber kann nicht aufstehen und auf dem Bettlaken lässt sich nicht malen. So nimmt er eine Schere und schneidet eine Schwalbe aus, die seine Assistentin auf die Wand heftet. Matisse merkt, dass das klappt und nun legt er richtig los. Formen, und Farben, Blätter und Tiere entstehen mit seiner Schere. Er malt nicht mehr mit dem Pinsel. Er schneidet aus und lässt die Papiere an die Wände heften. Immer wieder ruft er seiner Assistentin zu, dass sie sie weiter links, weiter oben, oder doch nach rechts hängen soll.
Wenn wir seine Originale genau betrachten, so bestehen viele seiner Formen (so auch sein blauer Ikarus) nicht aus einem Papier, sondern aus vielen kleineren Stücken, die von ihm zusammengesetzt worden sind. Pingelig ging es auch mit den Farben der Papiere zu. Matisse hatte genaue Vorstellungen, wie die zu sein hatten. Dies steht nicht in dem Bilderbuch. Braucht es auch nicht, da wir uns mit den Kindern freuen, wie ein alter, kranker Künstler mit all seiner Kraft etwas Neues entdeckt,darin auflebt, sich seiner Zeit in der Südsee erinnert und seinen Gefühlen freien Lauf lässt.

Schauen Sie in die Leseprobe.
Es ist schön zu sehen, wie eine Künstlerin einen Künstler porträtiert.

Dienstag

Heute haben
Karl Kraus * 1874
Bruno Apitz * 1900
Harper Lee * 1926
Terry Pratchett * 1948
Roberto Bolano * 1953
Ian Rankin * 1960
Geburtstag
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Karl Kraus
Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste.
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art of bach cover photo website

Anderson & Roe Piaono Duo: „The Art of Bach“
Steinway & Sons CD € 21,99

Inhaltsangabe:

Bach/Kurtág: Sonatina in E-flat Major from Cantata No. 106
Bach: Concerto for 2 Harpsichords in C major, BWV 1061
Bach/Anderson & Roe: Saint Matthew Passion, BWV 244 — Suite for Two Pianos
Bach: Art of the Fugue, BWV 1080: Contrapunctus IX, a 4 alla Duodecima
Bach: Art of the Fugue, BWV 1080: Contrapunctus XIIIa, Fuga a 2 Clav. – Rectus
Bach: Art of the Fugue, BWV 1080: Contrapunctus XIIIb, Alio Modo. Fuga a 2 Clav. – Inversus
Bach: Canons on the Ground from the „Goldberg Variations“, BWV 1087 — 12, 6, 10, 11, 14
Bach/Anderson & Roe: „Die Seele ruht in Jesu Händen“ from Cantata No. 127 — feat. Augustin Hadelich
Bach/Howe: „Schafe können sicher weiden“ from Cantata No. 208
Bach/Reger: Brandenburg Concerto no 3 in G major, BWV 1048

Nur gut, dass es unsere Kunden gibt.
So bin ich durch eine Bestellung auf diese CD gestoßen.
Bach auf zwei Klavieren. Die einzelnen Stücken wurden arrangiert, neu interpretiert und auch ganz so gelassen, wie wir es von Bach kennen. Und daraus ist eine Reise durch die Welt der Bachschen Musik entstanden. Es perlt und sprudelt, es beruhigt und macht Freude.
Das junge Klavierduo Greg Anderson und Elizabeth Joy Roe, die sich vom Geheimtipp zum Publikumsmagneten entwickelt haben, legten diese Einspielung Ende Januar vor und führen uns durch die Kantaten, Kanons, die Goldberg Variationen, über die Brandenburgischen Konzerte, bis hin zur Kunst der Fuge. Sie benutzen Bearbeitungen von György Kurtág und Max Reger, spielen auf Klavieren, statt auf Cembali. Und plötzlich sind wir mitten in der Matthäus Passion.
Die beiden Klavierspieler sind bekannt durch ihre unkoventionellen Videoauftritte, ohne dass ihr Spiel dadurch leidet. Vielleicht einfach eine amerikanisch spielerische Art, sich der Klassik zu nähern. Nach zwei CDs (alle auf dem Label von Steinway & Sons) sind sie bei Bach gelandet. Bach-Einspielungen gibt es unendlich viele, und so sind neue Ideen gefragt. Und hier haben wir eine Antwort gefunden.
Bach tut schon immer gut und diese CD bringt uns den Geist dieser Musik sehr nahe.

Hier noch eine Zugabe von Mozart

Und jetzt noch die schöne blaue Donau, die heute nach dem Regen wild und braun durch Ulm fließt