Dienstag

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Heute haben
Henryk Sienkiewicz * 1846
Leo Lionni * 1910
Morthon Rhue * 1950
Nicolas Vanier * 1962
Geburtstag

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Davide Longo: „Der Fall Bramard“
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner
Rowohlt Verlag € 19,95
eBook € 16,99
„Il Caso Bramard“ € 32,00

Es gibt Bücher, die einen innerhalb ein, zwei Seiten nicht mehr loslassen und die wir am Schluß gleich nochmals lesen wollen oder müssen, weil wir den Roman zu schnell gelesen und wohl einiges überlesen haben.
In Davide Longos neuem Buch, seinem dritten Roman, ist es mir so gegangen.
Wir kennen den italienischen Autoren von seinem phänomenales Erstlingswerk „Der Steingänger“. Ein Buch, das durch seine karge Sprache, knarzigen Typen und steinigen Landschaft faszinierte. Nach seinem zweiten Buch „Der aufrechte Mann“, einem gross angelegten Italienepos, kehrt Longo wieder zurück in die Bergwelt des Piemont. Und wieder sind wir zu Beginn dort, wo die Steingänger sich bewegen. In den Bergen, ohne Menschen, ohne Tiere. Nur das Gestein, das Wetter und Corso Bramard, der mal wieder auf einer einsamen Tour unterwegs ist. Sein Dorf liegt am GTA, dort wo immer mehr Touristen durchwandern, aber doch so abgelegen, dass sie im Roman keine Rolle spielen und die Dorfbewohner sich und ihre Geschichte(n) haben.
Corso Bramard, ein mitfünfzigjähriger Einzelgänger, war der jüngste und beste Polizist in der Region und hatte eine große Karriere vor sich. Als er einem Frauenmörder auf der Spur war, ganz nah dran, den Fall zu lösen, wird seine Frau getötet und seine kleine Tochter verschwindet. Diese Ritualmorde wurden nie aufgeklärt, da sie in kein Tätermotiv passten. Seitdem ist er nicht mehr der, der er war. Er hat seinen Dienst quittiert, hat das Trinken angefangen und wieder aufgehört und arbeitet seit Jahren wenige Stunden in der Woche als Lehrer. Zurückgezogen, fast ohne Freunde und fest verwurzelt mit seinen Bergen, versucht er über das, was vor 20 Jahren passiert ist, hinwegzukommen. Aber so einfach ist das nicht, denn er bekommt jährlich einen Brief des Mörders, der ihn beobachtet und ihn nicht zur Ruhe kommen lassen will. Als in diesem Jahr noch ein Haar im Brief mit dazugepackt ist, ein Haar, das von einer der getöteten Personen sein kann, wendet sich Corso an seinen alten Partner, der immer noch bei der Polizei ist und überzeugt ihn, den Fall nochmals aufzurollen, dem Wenigen nachzugehen, was in den Akten zu finden ist. Ihm wird eine punkige junge Polizisten zur Seite gestellt, die zwar rotzfrech ist, aber unorthodox und schnell das liefert, was Longo von ihr fordert.
Ein perfektes Trio für einen Krimi. Aber Davide Longo bricht mit diesem Genre immer wieder, führt uns auf falsche Spuren, lenkt ab, zitiert Bücher und Lieder, taucht mit uns in die gewaltige und brutale Natur ein, um plötzlich den Faden wieder aufzunehmen. Das Ganze ist so packend in kurzen Kapiteln geschrieben, in denen Corso Bramard und ein älterer feiner Herr, der einiges abzuhaken hat, abwechselnd erzählen und uns Seite um Seite auf die Folter spannen.
Wenn Sie einen Krimi lesen wollen, der vielleicht gar keiner ist. Wenn Sie am Ende des Romanes plötzlich merken, dass sie wohl dies oder jenes überlesen haben und schnell noch mal zurückblättern, dann sind Sie hier bestens aufgehoben.
Für mich das spannendste Buch des Frühjahrs, das ich furchtbar gerne aus der Krimiecke herausholen möchte.

Leseprobe

Ein Lied zieht sich durch das ganze Buch und Longo zitiert immer wieder Textzeilen daraus. Hier die erste Strophe von Leonard Cohens „Story of Isaac“ und ein Livemitschnitt aus dem Jahre 1985.

Leonard Cohen
Story Of Isaac Lyrics

The door it opened slowly,
My father he came in,
I was nine years old.
And he stood so tall above me,
His blue eyes they were shining
And his voice was very cold.
He said, „I’ve had a vision
And you know I’m strong and holy,
I must do what I’ve been told.“
So he started up the mountain,
I was running, he was walking,
And his axe was made of gold.

Nachtrag:
Eines der Bücher, die Corso liest, ist ein alter Roman von Yasunari Kawabata.
Nachdem ich die Lektüre von Davide Longo beendet hatte, griff ich zu Alejandro Zambras: „Bonsai“. Der beginnt mit folgendem Zitat:

„Die Jahre vergingen, und die Einzige,
die sich nicht veränderte,
war das Mädchen seines Romans.“
Yasunari Kawabata
_______________

Heute abend ab 19 Uhr.
„Die erste Seite“
Clemens liest aus folgenden vier neuen Büchern:

Russell Banks: Verstoßen
Barbara Honigmann: Chronik meiner Straße
Sifiso Mzobe: Young Blood
Matthew Thomas: Wir sind nicht wir

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2 Gedanken zu „Dienstag

  1. Da hast Du aber einen feinen Lese-Tipp geschrieben – und dann auch noch so, dass ich ja gar nicht mehr daran vorbei komme. Kommt umgehend auf meine „spätestens-im-Urlaub“-Leseliste. Und nun bitte nicht mehr ganz so überschwängliche Vorstellungen… bitte!
    Viele Grüße, Claudia

    • Was war’s denn für ein Buch, das ich so gelobt habe?
      Ich will ja nicht als Übertreiber und Marktschreier gelten.
      Aber wahrscheinlich hat’smir einfach sehr gut gefallen.
      Herzliche Grüße ans Graue Sofa,
      Samy

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