Montag

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Heute haben
Rose Ausländer * 1901
Camilo José Cela * 1916 (Nobelpreis 1989)
Henning Boetius * 1939
Niklaus Meienberg * 1940
Eva Menasse * 1970
Geburtstag

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UNGEREIMTHEIT DER WOCHE
(Ungereimtheiten aus der Tierwelt)
(aus: WOCHENKALENDER 2015)

DIE SAURIER AM ENDE

Nach spektakulärem Knochenfund
durch seinen besten Schnüffelhund
fand ein Forscher jüngst heraus,
weshalb die Saurier starben aus:

Hinter der großen Saurierstirn
steckte nur ganz wenig Hirn.
Sie haben schlicht vergessen,
zur Stärkung was zu fressen!

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE
(aus: UNGEREIMTHEITEN VON FIES BIS BÖSE – erscheint Juni 2015 s.u.)

MONOLOG AN EINE SOCKE
(09. Mai – Tag der verlorenen Socke oder: Lost Sock Memorial Day)

O, Socke, die du bist allein,
ich muss dich mal was fragen:
Nachdem du nun nicht mehr zu zwein,
an welchem Fuß soll ich dich tragen?

Und wo ist bloß die andre hin?
Weshalb suchte sie das Weite?
Macht dich zu tragen denn noch Sinn,
wenn ein Fuß warm, doch nicht der zweite?

Fühlst du dich allein gelassen?
Wärst du gerne auch mit fort?
Kannst du es inzwischen fassen,
dass du bist hier, die andere dort?

Glaube mir, ich find‘ es schade,
dass du als Sockeneinzelstück
warten musst in dunkler Lade,
ob dein Pendant kehrt je zurück.
___________________________

Jetzt aber zu unserem Buchtipp des Tages:

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Andreas Maier: „Der Ort“
Suhrkamp Verlag € 17,95

„Der Ort, die Straße, das Haus, das Zimmer, neulich sagte ich mir, du nimmst jetzt alles, deine Heimat, die ganze Wetterau, deine Familie, deine Geschichte zwischen Grabsteinen und Steinbrüchen, setzt dich ins Zimmer deines Onkels und machst daraus dein letztes Werk, ein Werk, das du so lange schreibst, bis du tot bist, und dieses Werk wirst du Ortsumgehung nennen, …“

So beginnt Andreas Maiers neuestes Buch seiner großer Recherche über die Wetterau, Friedberg, seine Familie und sein Leben. Und genau so lauten auch seine vorhergehenden Bücher: „Das Haus“, „Das Zimmer“, „Die Straße“ und „Onkel J“. Er macht also immer weiter und weiter. Ob er es bis zu seinem Ende so halten will, wissen wir nicht. Er hat es zumindest versprochen und wir lassen uns überraschen. Elf Bücher sollen es werden.
Die Ortsumgehung, die er im ersten Satz erwähnt, führt uns auch gleich ins zentrale Thema dieses Buches. Die erste Liebe. Oder sind es die ersten Lieben? Er trifft sich auf einer Wiese mit der Tochter des Buchhändlers und sie erzählen sich, dass eine Ortsumgehung geplant ist und die Natur dadurch kaputt gemacht wird. Beide sind 15 Jahre alt, irgendwie ein bißchen in einander verliebt. Dass die Tochter des Buchhändlers allerdings dann später die Buchhandlung übernehmen wird und sich sehr für neue Verkehrswege einsetzen wird, wissen sie damals noch nicht. Wir als Leser schon. Und staunen nicht schlecht, wie Andreas Maier sich in den Zeiten tummelt, mal vorblättert und wieder in der damaligen Zeit ist. Andreas Maier schreibt über seine Zeit als Schüler im Alter zwischen 15 und 17, in einer Zeit, in der er noch nicht wusste, wo es langgehen soll. Er gibt den literarischen Aussenseiterkauz, liest den Zauberberg mit einer Weinflasche neben sich. Er läuft zu unmöglichen Zeiten durch seine Stadt, wandert raus in die Natur und rein in die Kneipen. Schulfeten stehen irgendwann einmal an und dort tritt er dann seine nächste, echte erste Liebe. Plötzlich hält sie seine Hand und sie sitzen wie verzaubert Rücken an Rücken.

„Wir hätten uns in diesem Augenblick lösen und auseinanderstreben können, ohne uns ein weiteres Mal anzuschauen, und wir wären wie aufgeladen … von uns selbst als einzelne Monaden durch die Welt weitergelaufen, aber in kompletter Einheit mit dieser.“

Seitenlang beschreibt er, wie es war, als sie sich voneinander lösten und wie sie den Weg zueinander über Bierflaschen und Kartoffelsalat wieder fanden. Haargenau, detailliert und in der Erinnerung kramend, beschreibt Andreas Maier exakt und mit großer Leichtigkeit diese kleinen, kleinsten Ereignisse, die für ein Leben nicht entscheidend, in diesem Moment natürlich von existenzieller Bedeutung sind.
Genauso hält er es mit der Betrachtung seiner Unterhose. Dies dürfte dann auch wirklich einzigartig in der Weltliteratur sein: mehrere Seiten Unterhosenphilosophie.
Andreas nimmt am Gummitwistspiel teil. Ein Spiel, das die längst zu alten Mädchen an diesem Abend wieder herausgekramt haben. Eine Erinnerung im doppelten Sinne sozusagen. Und dieses Zurückdenken an eine verschwunde Welt, sind sein Thema. Mal sind es sehr persönliche Dinge, wie die einzelnen Härchen im Gesicht seiner Freundin, mal die CDU-Versammlung im Bierzelt. Dort versuchen die Jugendlichen die Versammlung zu stören, schaffen dies auch, sorgen für Unruhe. Aber insgesamt bleibt es ein großer Spaß, der mit dem Verbrennen von sackweise CDU-Fahnen und viel Alkohol endet.
Andreas Meier verbindet seine Erinnerungen mit den politischen Ereignissen dieser Zeit. Dazu gehören natürlich auch die passende Musik und die Kleidung. Doch betreibt er kein namedropping, wie in vielen anderen Romanen. Er hat eine leichte, zum Teil humorvolle Art zu schreiben und lässt uns ins Leben in der damaligen Zeit eintauchen.

„Alles war gut. Hätte man mich in diesem Augenblick getötet, wäre ich in einem vollkommen geheilten Zustand zum lieben Gott gekommen …“

Leseprobe

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