Freitag

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Heute haben
Arthur Schnitzler * 1862
Michail Bulgakow * 1891
Max Frisch * 1911
Michael Lenz * 1964
Judith Hermann * 1970
Geburtstag

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Unser Buchtipp für diesen Regentag:

reisende

„Gedichte für Reisende“
Herausgegeben von Anton G. Leitner und Gabriele Trinckler
dtv € 8,90

Poesie fürs Handgepäck

Reisezeit ist auch Lesezeit. Das ist gut so, sagt der Buchhändler.
Diese Anthologie schürt die Sehnsucht nach Reisen, bereitet uns einen leichten Start und lässt uns das Zählen der Tage bis zum Urlaub vergessen. Mit Nietzsche wagen wir ein Blick aufs Meer, das wie eingeschlafen daliegt und hilft uns bei der Nachbereitung unserer arbeitsfreien Zeit. Auf dass sie auch der Erholung gedient hat.

„Mein Reisekoffer, frisch entstaubt,
Folgt seiner Sehnsucht in die Weite.“
Jochaim Ringelnatz

Und auf gehts!

Joseph von Eichendorff
Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.

Wilhelm Busch
Wanderlust

Die Zeit, sie orgelt emsig weiter,
Sein Liedchen singt dir jeder Tag,
Vermischt mit Tönen, die nicht heiter,
Wo keiner was von hören mag.

Sie klingen fort. Und mit den Jahren
Wird draus ein voller Singverein.
Es ist, um aus der Haut zu fahren.
Du möchtest gern woanders sein.

Nun gut. Du mußt ja doch verreisen.
So fülle denn den Wanderschlauch.
Vielleicht vernimmst du neue Weisen,
Und Hühneraugen kriegst du auch.

Arno Holz
Auf einer Wanderung

Zwischen Bergen im Sonnenschein
liegt am Fluss das Städtchen.

Hier oben von meinem Meilenstein seh ich über alle Dächer.

Kerzengrade steigt der Rauch.

Durch einen blühenden Holunderbusch
unterscheide ich deutlich,
unter der alten Grünspankuppel,
die Turmuhr.

Ein himmelblaues Zifferblatt mit weißen Zahlen.

Noch drei kleine Striche,
und die gesamte Bürgerschaft
setzt sich pünktlich zu Mittag.

Zwölf!

Es ist heute Sonnabend, es gibt also überall Eierkuchen.

Ich köpfe vergnügt eine Distel
und wandre weiter.

Gustav Falke
Wieder daheim

Auf Schneebergen sahen wir
den letzten Saum der sinkenden Sonne,
andachtdurchschauert.
Auf blauen Seen schaukelten wir,
und es war ein Lächeln auf unseren Gesichtern,
als säßen wir dem Glück im Schoß.
Stolze Paläste erfüllten uns mit Ehrfurcht,
und in ragenden Tempeln
sahen wir hinter Wolken schwelenden Weihrauchs
den Gott lächeln.
Stürmisch trug uns das Meer zu fremden Völkern,
und hesperischer Gärten Fülle
berauschte uns mit süßen Düften;
wir waren trunken von Licht und Schönheit.
Als wir aber die schlichten Wiesen der Heimat,
die frühlingsgeblümten, wieder betraten,
schien uns nichts so schön als sie,
und uns war,
als hätten unsere Herzen so lange geschwiegen
und fänden nun ihre Sprache wieder.

Christian Morgenstern
Das böhmische Dorf

Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
in ein sogenanntes Böhmisches Dorf.

Unverständlich bleibt ihm alles dort,
von dem ersten bis zum letzten Wort.

Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
ihn begleitet) ist um Rat verlegen.

Doch just dieses macht ihn blaß vor Glück.
Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück.

Und er schreibt in seine Wochenchronik:
Wieder ein Erlebnis, voll von Honig!

So sind wir wieder zurück auf unserer lyrischen Reise. Wobei ich nur ein paar rechtefreie Gedichte veröffentlicht habe. Die Gedichte von Ingeborg Bachmann, Michael Augustin, Beat Brechbühl, Wolf Dieter Brinkmann, Ilma Rakuse, Matthias Politycki und vieler anderer aktuellen AutorInnen finden Sie natürlich auch in dieser vorzüglichen Anthologie, die jeden Bahnstreik vergessen lässt..
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Die Fotos entstanden gestern abend, als während des sommerlichen abends Renaud Garcia-Fons mit seiner Band im Ulmer Stadthaus spielte. Wer das Konzert verpasst hat, kann sich hier einen einstündigen Livemitschnitt des gleichen Konzertes in bester Qualität anschauen.
Und wer immer noch nicht genug hat: Wir haben die CDs im Laden.

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