Dienstag

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Heute haben
Edmond Huot de Goncourt* 1822
Vitezslav Nerval * 1900
Erich Hackl * 1931
Geburtstag
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Heute auf dem Kalenderblatt des Harenberg Literaturkalender 2015 entdeckt:

Friedrich Hebbel
Der junge Schiffer

Dort bläht ein Schiff die Segel,
Frisch saust hinein der Wind;
Der Anker wird gelichtet,
Das Steuer flugs gerichtet,
Nun fliegt’s hinaus geschwind.

Ein kühner Wasservogel
Kreist grüßend um den Mast,
Die Sonne brennt herunter,
Manch Fischlein, blank und munter,
Umgaukelt keck den Gast.

Wär‘ gern hinein gesprungen,
Da draußen ist mein Reich!
Ich bin ja jung von Jahren,
Da ist’s mir nur ums Fahren,
Wohin? Das gilt mir gleich!

Und auf geht’s in die neue Woche!
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Buchtipp:

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Ruth Schweikert: „Wie wir älter werden“
S.Fischer Verlag € 21,99
als eBook € 18,99

10 Jahre musste wir auf den neuen Roman von Ruth Schweikert warten. Es hat sich gelohnt. Nachdem ich gelesen habe, dass die 49jährige Autorin fünf Söhne hat, wundert es mich sowieso, wie sie so einen verschachtelten, vertrackten Roman auf die Beine gestellt hat.

Auf dem Esstisch lagen die Carmina von Horaz. Jacques hatte nachts geblättert darin, als der Hustenreiz endlich nachließ, und wie so oft war er hängen geblieben an jenem Gedicht, das mit Integer vitae begann und von der Begegnung mit einem Wolf erzählte, der den Dichter nicht anfiel, obwohl (oder gerade weil?) er keine Waffen bei sich trug; seine einzige Waffe war das integere Leben, das der Erzähler offenbar führte, frei von Schuld und Frevel; darin stimmte Jacques mit Horaz überein; die Wölfe, die Bedrohungen und Gefährdungen, die Angriffe in seinem und auf sein Leben waren nie von außen gekommen, sondern hatten ihren Ursprung, die verborgene Höhle, in der sie heranwuchsen, stets in ihm selbst gehabt.

Die Wölfe von aussen und das Schweigen von innen, beherrschen dieses Buch, das mit unendlich vielen Erzählsträngen hantiert. Von den Nachkriegsjahren, über die Mondlandung, zur Olympiade in München geht es bis in die Gegenwart und zeigt, wie zwei Familien unzertrennlich miteinander verbunden sind und nicht voneinander loskommen. Die beiden alten Ehepaar hatten sich neun Jahre getrennt und in einer Familien enstanden drei Kuckuckskinder. Schweigen ist das oberste Gebot. Ein Schweigen, dass  kaum auszuhalten ist. Ein Schweigen zum Schutz der vielen Kinder und Enkelkinder, die jedoch nicht damit zurecht ommen und oft daran zerbrechen und scheitern. Ruth Schweikert erzählt diesen Roman nicht chronologisch, hüpft von einer Person zur anderen, nimmt Zeitsprünge in Kauf und macht uns das Lesen nicht leicht. Sie hat jedoch die Gabe, dies alles in einer einfachen Sprache zu erzählen, die in langen Sätzen münden und oft im letzten Nebensatz das Wichtigste präsentieren und unser Interesse wecken, wie es mit dieser Person weitergeht. Gerne würde ich ihren Schreibplan sehen, um zu schauen, wie sie dieses Personen und Handlungsstränge unter einen Hut bekommen hat.
Genau das macht auch diesen besonderen Roman aus. Wir lesen ein neues Kapitel, wissen im Moment gar nicht, wer denn dieses (Enkel)kind schon wieder ist und in welche Familie es gehört und doch lassen wir uns darauf ein, genießen die neuen Ideen und Finten der Autorin, entdecken die Zusammenhänge und bevor wir ausrufen: „Ja, jetzt weiss ich es!“, ist sie schon weiter, bei einer anderen Figur und einer neuen Geschichte. Ich ließ mich also fallen, genoß jede Seite und entdeckte immer wieder Anspielungen aus anderen Romanen, oder meinte zumindest, so etwas zu lesen. Ruth Schweikert hat mit diesem Generationenbuch einen neuen deutschen Roman hingelegt, der Maßstäbe jetzt und erst einmal eingeholt werden muss.
Lassen Sie sich auf dieses Abenteuer dieser drei Generationen und deren Wegen durch Irrungen und Wirrungen des Lebens und der Liebe ein.

Leseprobe

Vita

Ruth Schweikert wurde 1964 in Lörrach geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Zürich und ist als Schriftstellerin und Theaterautorin tätig. Von ihr erschien 1994 der vielbeachtete Erzählungsband „Erdnüsse. Totschlagen“ und 1998 ihr erster Roman „Augen zu“. 1994 erhielt sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb das Bertelsmann-Stipendium und 1999 den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung. Zuletzt erschien 2005 ihr Roman „Ohio“.
(Quelle: S.Fischer Verlag)
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Die Literaturwoche steht vor der Tür, die Handzettel sind gedruckt und werden verteilt.
Im Juni gibt es jede Menge Lesungen und Ausstellungen in Ulm und Neu-Ulm.
Kleine Verlage und große Autoren, KünstlerInnen und eine Bloggerin, ein Ingeborg-Bachmann-Preisträger und eine Theatertruppe und vieles mehr, stehen für Sie bereit.
Mehr dazu auf der Website der Literaturwoche:

Literaturwoche Ulm 2015

Bei uns in der Buchhandlung kommt es nach langer Zeit wieder zu einem Treffen mit unserem „Hausheiligen“ Arno Schmidt. Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach werden am Donnerstag, den 11.Juni aus Arno Schmidts Briefen vorlesen, die als Buch unter dem Titel: „Und nun auf, zum Postauto!!“ veröffentlicht worden sind.
Einen Tag später, am Freitag, den 12.Juni, liest Bernd Rauschenbach aus seinen Erzählungen, die gesammelt unter dem Titel: „Applausordnung“ erschienen sind.
Beginn ist jeweils 19:30

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