Montag

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Heute haben
Wilhelm von Humboldt * 1767
Erich Maria Remarque * 1898
Anne Morrow Lindbergh * 1906
Francois Lelord * 1953
Dan Brown * 1964
Melinda Nadj Abonji * 1968
Geburtstag

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Ralf Rothmann: „Im Frühling sterben“
Suhrkamp Verlag € 19,95
Auch als eBook erhältlich
Hörbuch 6 CDs, 450 Minuten € 19,99
Gelesen von Thomas Sarbacher

Es ist Frühjahr 1945, die beiden Melkerlehrlinge Walter und Fiete machen sich auf zu einem vermeintlichen Freibierausschank in einem Dorfgasthof in Norddeutschland. Beide sind noch keine 18 Jahre alt, sie wissen um das nahende Ende des Krieges, ohne dass sie dazu „Feindsender“ anhören müssen. Sie wissen, wo die Amerikaner und die Russen stehen und blicken auf eine neue, andere, ungewisse Zukunft. Da sich das Fest in der Kneipe als Zwangsrekrutierung herausstellt, ändert sich die Lage der beiden Jungs und der anderen anwesenden Männer schlagartig. Wer sich nicht freiwillig zur Waffen-SS meldet, solle doch bitte die Hand heben. Dass dies jedoch niemand macht, ist klar, da die Schlägertrupps der SS im Saal versammelt sind.
Walter und Fiete werden nach Ungarn verlegt und erleben dort die Grausamkeit des Krieges, die sadistische Brutalität an der Zuvilbevölkerung und geraten mitten in mörderischen Kämpfe. Mit Durchhalteparolen, Druck von oben und den vielen Reden über Ehre und Vaterland, versucht man diesen jungen Soldaten ihre Individualität zu nehmen und sie als pures Material für den Krieg umzuerziehen.
„Immer wieder brachen die knapp spurbreiten Pässe weg, und Wagen voller Verwundeter kippten um oder stürzten in die Schluchten. Oft entstanden Staus, deren Auflösung bis in die hellen Morgenstunden dauern konnte, und dann boten die an sich dichten, im März aber noch kaum begrünten Eichenwälder wenig Deckung vor den Fliegern. Langsam fuhr Walter den Wagen an einer vernichteten Nachschubkolonne vorbei. Reifen qualmten, tote Soldaten hingen aus den Führerhäusern, Berge von Brot zerfielen im Regen. Immer wieder musste er bremsen und zurücksetzen, um den Dreitonner durch enge Kurven zu manövrieren, wobei er manchmal ins Rutschen kam und gegen Bäume oder Felsvorsprünge stieß. Dann hörte er die Verletzten auf der Ladefläche stöhnen, und obwohl es kühl war an dem späten Abend, brach ihm der Schweiß aus.“
Der Ich-Erzähler beginnt seinen Roman jedoch mit der Beschreibung seines Vaters nach dem Krieg. Ein Mann, der von allen hochangesehn war, dem aber auch niemand kumpelhaft auf die Schulter geklopft hat. Ein Mann, der nie viel redete, der von Norddeutschland ins Ruhrgebiet gezogen ist und dort 30 Jahre unter Tage gearbeitet hat. Dadurch hat er sein Gehör verloren und starb mit knapp 60 Jahren an den Folgen dieser brutalen Arbeit, wie so viele seiner Kumpel. Eine Vertraulichkeit zwischen den Eltern hat der Erzähler nie gesehen, nur immer wieder Streitereien, wenn der Vater wieder zuviel getrunken hatte, was immer öfter vorkam. Angesprochen auf die Zeit während des Krieges, bekam der Sohn keine Antwort. Die Kladde, die er seinem Vater kaufte, um selbst diese Zeit als junger Soldat in den letzten Kriegsmonaten aufzuschreiben, blieb leer, bis auf ein paar wenige Kritzeleien. „Er sei doch der Schriftsteller. Er solle doch …“, meinte der Vater dazu. Als der Vater dann auf dem Sterbebett liegt und seine Ehefrau ihn in den letzten Stunden begleitet, phantasiert er wieder und die Mutter sagt, dass er jetzt wieder im Krieg ist. Ein Zustand, den die Mutter wohl öfters nachts bei ihrem Partner erlebt hat. Nun ist der Vater tot und der Ich-Erzähler macht sich selbst auf die Reise in dessen Vergangenheit.
Ralf Rothmann hat einen Roman geschrieben, dem ich eine große Leserschaft wünche, ein Roman, der als Schullektüre Einzug halten sollte. Der Autor gehört zur Nachkriegsgeneration (Jahrgang 1953), die dieses Sprachlosigkeit der Väter miterlebt hat und gleichzeitig in der eigenen Biografie nie Not und Elend erleben mussten. Er bringt dieses Nichtwissen um die Ängste, Alpträume der Väter zu Papier und gibt ihm in seiner großartigen Sprache ein plastisches Gesicht.

Leseprobe
Ralf Rothmann liest aus seinem Roman in 3sat.

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Werner Färbers: UNGEREIMTHEIT DER WOCHE

NACHBARSCHAFTSSTREIT

Es steht ein Baum in einem Garten.
Weil er sehr hoch und Licht abhält,
umliegende Nachbarn warten
darauf, dass man ihn doch bald fällt.

Die Baumeigner im Nachbarstreit
stellen sich nicht mal die Frage,
ob sie zur Baumfällung bereit –
sie pflanzten ihn am Hochzeitstage!

Nach fünfzig Jahren Eheglück
das Baumbesitzerpaar verreist.
Total entspannt kehr’n sie zurück.
Ihr Garten jedoch ist verwaist.

Wer flüchtig hinschaut, sieht es kaum:
sehr gründlich war die Nachbarschaft.
Rollrasen liegt, wo einst der Baum,
welchen sie heimlich weggeschafft.

DER FLOH AM PO

Es springt ein klitzekleiner Floh
auf einen nackten Kinderpo.
Wie’s halt bei Flöhen üblich is‘,
folgt auf die Landung gleich ein Biss,
welcher auslöst fieses Jucken.
Beinah‘ zeitgleich sieht man zucken
des Po-Besitzers flinke Hand,
die heftig klatscht aufs Hinterland.
Während das Jucken hält noch an,
der Floh nie wieder beißen kann!

Werner Färber ist bei uns der Buchhandlung, liest aus seinen Ungereimtheiten, aus seinem, noch nicht erschienen Buch, über Morde in Ulm und ist tagsüber in Ulmer Schulen.
Mittwoch, 1 Juli um 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
Sie sind herzlich eingeladen.

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2 Gedanken zu „Montag

  1. Lieber Samy,

    habe Ralf Rothmann, dessen Bücher mich seit Jahrzehnten begleiten, vergangene Woche in Augsburg an einer Lesung beim höchst engagierten Taschenbuchladen von Meinolf Krüger erlebt. Für mich eines der wichtigsten Bücher, die es gerade aktuell gibt!

    Danke Dir für die Vorstellung und herzliche Grüße nach Ulm,

    Mario

    Mario Max
    Verlagsvertretung
    [http://www.diogenes.ch/media/signature/diogenes.png]
    Hartlweg 21
    82541 Münsing

    Telefon +49 8177 9989777
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    mm@diogenes.ch
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    Roman, Hardcover, Leinen, 288 Seiten
    ISBN 978-3-257-06929-7
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