Montag

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Heute haben
Johann Heinrich Campe * 1746
Giacomo Leopardi * 1798
Willibald Alexis * 1798
Antoine de Saint-Exupery * 1900
Oriana Fallaci * 1930
Ror Wolf * 1932
Patricia Duncker * 1951
Geburtstag

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Giacomo Leopardi
XXXIII – Il Tramonta della luna

Quale in notte solinga,
Sovra campagne inargentate ed acque,
Là ‚ve zefiro aleggia,
E mille vaghi aspetti
E ingannevoli obbietti
Fingon l’ombre lontane
Infra l’onde tranquille
E rami e siepi e collinette e ville;
Giunta al confin del cielo,
Dietro Apennino od Alpe, o del Tirreno
Nell’infinito seno Scende la luna;
e si scolora il mondo;
Spariscon l’ombre, ed una
Oscurità la valle e il monte imbruna;
Orba la notte resta,
E cantando, con mesta melodia,
L’estremo albor della fuggente luce,
Che dianzi gli fu duce,
Saluta il carrettier dalla sua via;

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Theodor Fontane: „Der Stechlin“
11 Audio-CDs Ungekürzte Lesung mit 870 Minunten.
Gelesen v. Gert Westphal .
Deutsche Grammophon € 59,99
Manesse Verlag € 22,90 und einige andere Ausgaben als Taschenbuch

Schloß Stechlin
Erstes Kapitel

Im Norden der Grafschaft Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin (und noch darüber hinaus) eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung. Einer der Seen, die diese Seenkette bilden, heißt »der Stechlin«. Zwischen flachen, nur an einer einzigen Stelle steil und kaiartig ansteigenden Ufern liegt er da, rundum von alten Buchen eingefaßt, deren Zweige, von ihrer eignen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze berühren. Hie und da wächst ein weniges von Schilf und Binsen auf, aber kein Kahn zieht seine Furchen, kein Vogel singt, und nur selten, daß ein Habicht drüber hinfliegt und seinen Schatten auf die Spiegelfläche wirft. Alles still hier. Und doch, von Zeit zu Zeit wird es an ebendieser Stelle lebendig. Das ist, wenn es weit draußen in der Welt, sei’s auf Island, sei’s auf Java zu rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird. Dann regt sich’s auch hier, und ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in die Tiefe. Das wissen alle, die den Stechlin umwohnen, und wenn sie davon sprechen, so setzen sie wohl auch hinzu: »Das mit dem Wasserstrahl, das ist nur das Kleine, das beinah Alltägliche; wenn’s aber draußen was Großes gibt, wie vor hundert Jahren in Lissabon, dann brodelt’s hier nicht bloß und sprudelt und strudelt, dann steigt statt des Wasserstrahls ein roter Hahn auf und kräht laut in die Lande hinein.«
Das ist der Stechlin, der See Stechlin.

Den Stechlin, den See, die Gegend gibt es wirklich. Ob es die von Stechlins gibt, habe ich nicht nachgeschaut. Der Roman ist jedoch Fontanes letzter Roman und es hat mich wieder erstaunt, auf welch hohem Niveau Fontane unterhalten kann. Das ist immer erste Bundesliga, manchmal auch schon Champions League. „Stechlin“ habe ich auf der Fahrt zur Buchhändlertagung am Wochenende zu Ende gehört und war erstaunt mit welcher Leichtigkeit der alte Autor mit seinen Themen umgeht. Es beginnt mit einer Art Geplauder zwischen dem alten Stechlin und seinem Sohn, der ihn mit zwei Freunden besucht. Wir merken, es geht um das Alte und das Neue, das Verschwinden der alten Werte und Heraufkommen einer neuen Zeit. Ich habe Bernd Rauschenbach während der Literaturwoche gefragt, wie denn Arno Schmidt zu Fontane gestanden habe. Immerhin hat er den gleichnamigen Literaturpreis erhalten und seine Stürenburg Geschichten erinnen in ihrer Leichtigkeit an die Gespräche im „Stechlin“. Die Antwort lautete „Nein, er hielt nicht viel von ihm. Zu geschwätzig.“ Na, typisch Arno Schmidt. Der alte Stechlin merkt, dass seine Zeit gekommen ist. Genauso schreibt es Fontane auch an seine Tochter. Es wird sein letzter Roman. Das merkt er selbst. Und irgendwie scheint es, als wolle er hier noch einmal alles zusammenfassen, was um ihn herum in den letzten Jahren geschehen ist. Der Wandel von der Monarchie zur Demokratie, das Heraufkommen der Industrialisierung sind zentrale Themen in diesem Buch. Die ältere Schwester des alten Stechlins ist Domina in einem Kloster und hält dieses Alte hoch und will nichts von den neuen Dingen hören. Stechlin jedoch hält die Ohren auf, hat ein sehr lockeres Verhältnis zu seinen Angestellten und ist in sich ruhig und gesammelt, nach den wilden Jahren seiner Jugend. Er betrachtet vieles schon mit einer gewissen Distanz, hat keine vorgefertige Meinung, sondern lässt sich treiben, versucht dies und das. So wendet er sich zum Beispiel von der Medizin des Hausarztes ab und versucht es mit den Tees der „Kräuterhexe“ im Dorf. Die wirkt. Doch ganz am Ende nimmt er doch wieder die grünen Tropfen, in der Hoffnung, ob sie nicht doch die bessere Medizin seien. Fontane schriebt, dass auf den 500 Seiten nicht viel passiere. Ein alter Mann stirbt und ein junges Paar heiratet. Ja, genau. Das stimmt. Und genau, das ist das Besondere an dem Buch, dass sich die ganzen Umwälzunen der deutschen Geschichte auf dem Gut Stechlin wiederspiegeln. In Realität und im Kopf des Alten. Für mich wieder eine Fontane-Lektüre, die sich gelohnt hat und sehr bequem mir vorgetragen von Gert Westphal.

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Am kommenden Mittwoch, den 1.Juli um 19 Uhr kommt Werner Färber mit einer Weltpremiere zu uns. Er liest zum ersten Mal aus seinem Buch: „Wer mordet schon in Ulm, um Ulm und Ulm herum?“ Mit im Gepäck hat er sicherlich noch ein paar Ungereimtheiten, die es jetzt gesammelt als Taschenbuch gibt.

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE
DIE ROTE SCHWIMMNUDEL

Mitsamt der neuen Schwimmnudel,
welche ihr Unterstützung bot,
wurd‘ die Badende vom Strudel erfasst
und kam darob in Not.
Kurz darauf ging sie schon unter,
die Nudel jedoch, leuchtend rot,
trieb allein den Fluss hinunter.
Ein Angler nahm sie in sein Boot.
Zu offerieren seine Hilfe
war diesem Angler ein Gebot.
Als er endlich fand im Schilfe die Badende,
war die längst tot.

DER ZITRONENFALTER

Der Zitronenfalter lässt beim Falten
der Zitronen Sorgfalt walten.
Er weiß, wenn er mit Saurem spritzt,
sich manch Gemüt sehr schnell erhitzt.
Und dennoch mag ihm niemand lohnen
die edle Faltkunst von Zitronen.
Das ist der Grund, weshalb auf Dauer
Zitronenfalter sind meist sauer.

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399 UNGEREIMTHEITEN auf 186 Seiten – Färbersche Spaßlyrik als tb zu € 12,00

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2 Gedanken zu „Montag

  1. Ich komme a) gern, b) nicht am Dienstag, sondern c) am Mittwoch, den 1. Juli!
    Und UNGEREIMTHEITEN bringe ich dann auch mit …
    Sonnengrüße aus Hamburg, Werner Färber

    SIR HENRY FROM LONDON – 13

    Durchtrennt ist der Hydraulik-Schlauch
    an seiner Lordschafts Bentley-Bremse.
    Bald ist’s sein Lebensfaden auch –,
    schon stürzt der Bentley in die Themse.

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