Montag

Ramus Schöll empfiehlt:

42480

Alejandro Zambra: „Bonsai“
Suhrkamp Verlag € 12,00

„Am Ende stirbt sie, und er bleibt allein, doch allein war er schon mehrere Jahre vor ihrem Tod, vor dem Tod Emilias. Sagen wir, sie heißt oder hieß Emilia, er heißt, hieß und heißt immer noch Julio. Julio und Emilia. Am Ende stirbt Emilia, Julio stirbt nicht. Der Rest ist Literatur.“
So beginnt das kleine aber sehr feine Büchlein von Alejandro Zambra, von dem Junot Diaz sagt:“Der absolute K.O.-Schlag!“ Zambra,Literaturprofessor aus Santiago, schrieb „Bonsai“ 2006. Das Typoskript war nur 40 Seiten lang. Daraus geworden sind 90 Seiten große Literatur im Kleinstformat.
Emilia und Julio sind ein Liebespaar. In ihrem ersten Jahr lesen sie sich gegenseitig Bücher vor, mit der Zeit entwickelt sich aus diesem Vorlesen eine Art Vorspiel voller Erregung und Anspielung. Julio und Emilia sind zutiefst ehrlich zueinander. Es gibt keine Lüge, nichts zu verbergen, bis – und so kommt es ja immer- zu einer Lüge und diese steht zu Beginn ihrer Begegnung. Beide lieben Proust. Doch beide haben nie eine Seite Proust gelesen. Das geht ein Jahr gut, dann wird diese Lüge so drückend und schwer und schliesslich führt sie zur Trennung, als Proust zur gemeinsamen „Vorspiellektüre“ wird. Julio erinnert sich Jahre später an diese Zeit zurück und daraus ensteht dieses Buch: „Bonsai“.
Nur was hat der Titel mit dem Buch zu tun?
Ebenso wie die Zwergbäumchen in den edlen Töpfen alles haben, was einen Baum ausmacht, hat dieses Buch in seiner Minimalheit, bei genauem Blick, alles was eine große Geschichte macht: sprachliche Brillianz, unerwartete
Wendungen und die alte Geschichte von Liebe und Tod. In der Mitte des Büchleins schreibt Zambra eine wunderbares Gleichnis, in der Mitte dieses Gleichnisses steht ein und viele Bonsai, stelltvertretend für die Liebe, die für jeden herrausragend und einmalig ist und doch nur eine von vielen Lieben. Hier drin liegt auch auch die Möglichkeit, die krank gewordene Liebe im Wald der vielen zu verstecken, so dass man nicht mehr sieht, welcher Bonsai, welche Liebe, die eigene ist, die stibrt. Als Statregie den Schmerz zu betäuben, indem man ihn negiert, vor sich selbst versteckt. Das ist ganz groß und macht wahnsinnig Spass!

Leseprobe

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