Montag

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Heute haben
Giovanni Verga * 1840
William Saroyan * 1908
Wolfgang Hilbig * 1941
Knut Feldbakken * 1941
Geburtstag.
und Van Morisson wird heute 70 Jahre alt.

Heute am 31.August veröffentliche ich gerne nochmals das passende Gedicht von Christian Morgenstern

Ein einunddreissigster August

Das war der letzte leuchtende August:
Der Sommer gipfelte in diesem Tage.
Und Glück erklang wie eine Seegrundsage
in den Vinetatiefen unsrer Brust.

Ein leises fernes Läuten kam gegangen –
und welche wollten selbst die Türme sehn,
in denen unsres Glückes Glocken schwangen:
so klar liess Flut und Himmel sie verstehn.

Der Tag versank. Mit ihm Vinetas Stunde.
Septembrisch ward die Welt, das Herz, das Glück.
Ein Rausch nur wie von Tönen blieb zurück
und schwärmt noch über dem verschwiegnen Grunde.
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Neu als Kauf-DVD:

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„Birdman, oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“
Regie: Iñárritu Alejandro González
Mit Michael Keatin, Emma Stone, Naomi Watts, Amy Ryan, Zach Galifianakis, Edward Norton u.a.
USA 2014, FSK ab 12,
DVD € 14,99
Blu-Ray € 19,99

Endlich auf DVD, für all diejenigen, die diesen Film im Kino verpasst haben. Neun mal war er für einen Oscar nominiert. Bekommen hat er ihn als Auszeichnung für den besten Film und für die beste Regie. Na, Die SchauspielerInnen waren auch sehr gut und waren sicherlich heisse Favoriten.
„Birdman“ ist ein Film, auf den wir uns einlassen müssen, der sich so langsam in uns hineinschleicht. Zu Beginn noch hektisch und unüberschaubar, gewinnen wir immer mehr Zuneigung zu den Personen und der Art, wie dieser Film gemacht ist und was vielleicht alles dahintersteckt.
Riggan Thomson (Michael Keaten) war ein sehr erfolgreicher Schauspieler in der Kinofigur Birdman. Dort rettete er mehrfach die Welt und wurde ein richtiger Kinoheld. Michael Keaten spielte mehrfach Batman und dürfte wohl das gleiche Schicksal ereilt haben. Thomson geriet nämlich in Vergessenheit und will es noch einmal wissen. Sein alter ego, eine Stimme aus dem off, die immer dann kommt, wenn es ihm ganz schlecht geht, sagt ihm wieder wieder, was für ein toller Schauspieler er ist und dass er seine Kollegen um Längen überlegen ist. Erfordert ihn auf, doch wieder in die Rolle von Birman zu schlüpfen und es allen noch einmal zu zeigen. Genau das will er jedoch nicht. Er hat all sein Geld zusammengenommen und will am Broadway in New York eine engangierte Version von Raymond Carvers Erzählung: „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ auf die Bühne bringen. Um ihn herum zwei Schauspielerinnen. Mit einer hat er ein Verhältnis, ein kurzfristig engagierter Kollege, mit dem es immer Krach gibt. Seine Tochter hat er als Mädchen für alles mit im Boot. Auch aus dem Grund, sie von den Drogen fernzuhalten. Wichtig für Thomson ist der Manager, sein bester Freund und Helfer in allen Notlagen. Diese Menschen verfolgt die Kamera oft in langen ungeschnittenen Passagen durch die engen Gänge des Theaters, von der Garderobe bis auf die Bühne. Es folgen irre Dialoge, verrückte Sprünge, unglaubliche Ideen und Einfälle des Regisseurs und wir leiden immer mehr mit Thomson mit, der vom Regen in die Traufe kommt. Er ist nicht mehr Birdman, aber auch diese Bühnenrolle scheint in die Hose zu gehen, so, wie sich eine Katastrophe an die andere reiht.
Ich könnte hier noch seitenlang über einzele Szenen schreiben. Über seine auftauchende Ex-Frau, über die Phantasieszenen, von denen wir nicht wissen, ob sie wirklich sind, oder nur eine Art Schizophrenie von Thomson. Auch die Probeszenen auf der Bühne, sind doch sehr diletantisch und weit weg von engagiertem, neuem Theater. Die Vorpremieren sind voller Pannen und die sehr stark gespielte Theaterkritikerin der New York Times scheint dem Stück den Todesstoß zu geben.
Immer wieder gibt es kleine Ausblicke auf Manhattan. Der Schriftzug der Buchhandlung Scribner’s taucht auf, der Bryant Park mit der Stadtbibliothek und natürlich der Times Square, den Thomson in Unterhosen durchqueren muss, da er sich aus dem Theater ausgeschlossen hat. Herrlich, wie er durch das Blitzlichtgewitter von hunderten von Handys durchmarschiert.
Diese Mischung von wirklichkeitsfremd, Wirklichkeitsverlust und großer Empathie, macht diesen Film zu etwas Besonderem. Einzig Thomson Tochter Sam (Emma Stone) lebt in der Gegenwart und erklärt ihrem Vater, was Facebook und Twitter ist, zeigt ihm die hunderttausende von Klicks nach seinem Unterhosenspaziergang. Alle anderen hoffen auf ein anderes Leben und arbeiten unermüdlich und mit großer Ahnungslosigkeit daran.
Ein Filmerlebnis der Extraklasse.



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Morgen, Dienstag, den 1.September ist es wieder so weit.
Wir stellen Ihnen vier neue Bücher vor.
Es liest Clemens Grote.

Mit dabei:

Srdja Popovic: Protest! Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt.
Ilija Trojanow: Macht und Widerstand
Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
Jocelyne: Ein Leben mehr

Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr
und freuen uns auf Ihren/Euren Besuch.

Samstag

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Wir fühlen uns wie die beiden auf der Parkbank mit unserer Baustelle vor der Haustüre.
Wir wünschen Ihnen ein geruhsames Wochenende

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Heute haben
Maurice Maeterlinck * 1862 (Nobelpreis 1911)
Herman Löns * 1866
Ernst Kreuder * 1903
Lukas Hartmann * 1944
Geburtstag
und Ingrid Bergmann wäre heute 100 Jahre alt geworden.
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Buchtipp und ein ideales Geschenk:

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Anna Gusella: „Ich frage mich …“
Edition Büchergilde € 18,00
Handliches Format ca. 16 cm x 12 cm
Durchgehend schwarz-weiß illustriert
Bedrucktes Leinen mit drei Lesebändchen

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„Was passiert, wenn man die Zeit abschafft? Haben ‚nützliche’ Dinge mehr Wert? Können wir uns schlecht entscheiden, weil es mehr Möglichkeiten gibt? Wann habe ich das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan? Sollte ich mehr Geheimnisse haben?“

Anna Gusella geht auf Entdeckungsreise bei sich selbst. „Was wäre, wenn …“, oder „Ich frage mich, …“, oder „Stimmt es, dass …“, solche Satzanfänge gehen uns doch oft durch den Kopf. Gerade sind unsere Zeitungen voll mit Meldungen, die wir zwar registrieren, aber nicht richtig einsortieren können. Woher kommen die vielen Flüchtlinge, wie können wir alle ihnen helfen, woher kommt der fremdenfeindliche Hass, wie kann es zu solchen Szenen kommen, dass über 50 Menschen in einem Laster ersticken?
Anna Gusella geht gar nicht so weit. Sie bleibt in Ihrer Wohnung, in den eigenen vier Wänden und hat trotzdem 144 Fragen in dieses Buch gepackt. Fragen aus dem Innersten, die sie bewegen und uns auch nicht fremd sind. „Bin ich abgestumpft?“ steht in der Nähe von „Bin ich faul?“. Und jede dieser Fragen wird graphisch anders bearbeitet, unterlegt. Sie arbeitet mit schwarzen Stiften und ist auf einer Doppelseiten sehr konrekt und wir sehen die Wohnung im Überblick. Sie vermisst aber auch Details daraus und fügt Zentimeterangaben hinzu, oder sie benutzt nur die Buchstaben für eine eigene Grafik. Aus Zeitungstexten entstehen bei ihr, durch Übermalen, neue Sätze und wenn sie einen Wäscheständer in Untersicht malt, schreibt sie: „Können „Gegenstände sprechen?“
Ihre Wohnung wird gleichgesetzt dem eigenen gesamten Leben und vielleicht auch der ganzen Welt. Aus den Gedanken im eigenen Kopf, werden Fragen an andere. Immer in der Hoffnung, dass wir gute, geeignete, passende Antworten darauf bekommen und keine Tagesschau-, Politikerfloskeln.

„Nicht immer gibt es eine klare Antwort. Doch manchmal sind es eben nicht die Antworten, sondern vielmehr die Fragen, die uns wachsen lassen.“
Anna Gusella

Dieses handliche, unglaublich schön gemachte Buch, eignet sich ideal für die (Hand)tasche und für kleine Wartezeiten und zum Herumreichen im Freundeskreis. Drei Lesebändchen sind ideal für die vielen Fragen und Skizzen und Zeichnungen, damit wir nicht so viele kleine Papierfitzelchen ins Buch stecken müssen.

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Anna Gusella studierte Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, der Willem De Kooning Academy in Rotterdam (NL) und der FH-Potsdam. Ihre vielfältigen Arbeiten sind geprägt von einer spielerischen Herangehensweise und dem Anspruch, sich immer wieder neu erfinden zu wollen. Dabei vertraut sie ihren Händen und Augen, ihrem Verstand und ihrer Intuition. In den letzten Jahren widmete sie sich vorwiegend der Buchgestaltung. Für die Büchergilde illustrierte sie das Ratespiel „Sagenhafte Kreaturen. Chimären aus aller Welt“. Ihr Buch „Ein Wagnis“ gewann 2014 den Mart-Stam-Preis. Anna Gusella lebt und arbeitet in Berlin.

www.annagusella.de

Freitag

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Heute haben
Johann Wolfgang Goethe * 1749
Ernst Weiß * 1884
Liam O´Flaherty * 1896
Janet Frame * 1924
Jurij Trifonow * 1925
Arkadi Strugatzki * 1925
Mian Mian * 1970
Geburtstag

Johann Wolfgang Goethe
Dem aufgehenden Vollmonde

Willst du mich sogleich verlassen?
Warst im Augenblick so nah!
Dich umfinstern Wolkenmassen,
Und nun bist du gar nicht da.

Doch du fühlst, wie ich betrübt bin,
Blickt dein Rand herauf als Stern!
Zeugest mir, daß ich geliebt bin,
Sei das Liebchen noch so fern.

So hinan denn! hell und heller,
Reiner Bahn, in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht.

(Das Gedicht steht am 25. August 1828 in Goethes Tagebuch.
Passt fast genau, da der Mond hier auch bald wieder rund ist)
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Rasmus Schöll empfiehlt:

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Srdja Popovic und Matthew Miller: „Protest!
Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt“

Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer
S.Fischer Verlag € 16,99
als E-Book € 14,99

„Dies ist ein Buch über Revolutionen.“
So beginnt das Buch “Protest –Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt“ von Srdja Popovic, dem Mitbegründer von Otpor, die Widerstandsbewegung die Slobodan Milosevic gestürzt hat. Mittlerweile berät Popovic Aktivsten in der ganzen Welt über gewaltfreien Widerstand. Er ist einer der führenden Köpfe der globalen Zivilgesellschaft und gehört zu den einflussreichsten Vordenkern unserer Zeit. Natürlich gibt es viele Bücher über Widerstand, ob aus geschichtlicher Sicht oder über die Protestbewegungen der jüngeren Zeit. Doch das Buch von Popovic ist schon etwas Besonderes. Im ersten Teil schildert Popovic zahlreiche Beispiele der heutigen Demokratiebewegungen, vom Tahrir-Platz bis zur Occupy-Bewegung, die er allesamt beraten hat. Er schildert etwa die Entstehungsgeschichte des Tahrir-Platz. Diese Schilderung ist tief bewegend und lässt eine neue Sichtweise auf so manchen Protest entstehen. So waren die Massendemonstrationen auf dem Tahrir-Platz nicht der Anfang der Demokratiebewegung in Ägypten sondern ein Ergebnis jahrelanger Vorbereitung und mühseliger Kleinarbeit. Es werden nicht nur die Erfolge einer nachhaltigen Analyse unterzogen, sondern auch die Misserfolge werden unter einem kritischen Blick
beleuchtet. Im Falle Ägyptens kann heute nicht von einer Demokratie gesprochen und vielleicht sind die Zustände schlimmer als vor der Demokratiebewegung. Wie konnte es kommen, dass das eigentliche Ziel, die Demokratie, nicht umgesetzt werden konnte? Kenntnisreich zeigt das Buch hier die Fehler und Schwachpunkte auf.
Popovic erzählt auch seine eigene Geschichte und was er durchlebt hat mit seinem Protest bei Otpor gegen Milosevic. Im zweiten Teil des Buches gibt Popovic praktische Hinweise, wie gewaltfreier Widerstand funktioniert und zeigt, warum es so wichtig ist, dass wir Protest üben, sei es nun, weil ein Bürgermeister in einer
bayrischen Kleinstadt, nahe der Donau, königsgleich mit seinem Hofstaat regiert oder ein Diktator sein Volk unterjocht. Die Freiheit wird durch den Einzelnen gemeinsam mit anderen Individuen immer wieder und wieder
neu errungen und bedarf des Zivilenungehorsams. Das Buch folgt den eigenen Regeln, so viele Menschen als möglich für diese Idee der Freiheit zu einen. Hierdurch ist das Buch nicht immer sehr anspruchsvoll, dies geht auf Kosten der Differenziertheit, die es ab und an doch bedurft hätte. Nichtsdestotrotz ist es ein engagiertes aufrüttelndes Buch, dass ich jedem wärmstens empfehlen möchte.

Leseprobe


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Am kommenden Dienstag, den 1.September ist es wieder so weit.
Wir stellen Ihnen vier neue Bücher vor.
Es liest Clemens Grote.

Mit dabei:

Srdja Popvic: Protest! Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt.
Ilija Trojanow: Macht und Widerstand
Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
Jocelyne: Ein Leben mehr

Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr
und freuen uns auf Ihren/Euren Besuch.