Montag

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Gestern abend am Himmel

Heute haben Geburtstag:
Theodor Storm * 1817
Michel Butor * 1926
Ivan Klima * 1931
Derd Fuchs * 1932
Eckhard Henscheid * 1941
Martin Sperr * 1944
Uli Becker * 1953

Theodor Storm
Du schläfst

Du schläfst – so will ich leise flehen:
O schlafe sanft! und leise will ich gehen,
Daß dich nicht störe meiner Tritte Gang,
Daß du nicht hörest meiner Stimme Klang.
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Mit Büchern zum Thema „Flüchtlinge“ haben wir uns in der letzten Woche befasst.
Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass sich mit dem auseinandersetzt, bevor Menschen aus lauter Verzweiflung fliehen. Wenn sie es überhaupt können.

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Kathrin Hartmann:“Aus kontrolliertem Raubbau“
Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren
Blessing Verlag € 18,99
als E-Book € 14,99

Nach „Ende der Märchenstunde“ und „Wir müssen leider draussen bleiben“ hat, die in Ulm geborene Autorin“ Kathrin Hartmann ihr drittes Buch vorgelegt. Auch hier legt sie die Finger ganz tief in die Wunden und zeigt auf, wie unter einem grünen Deckmäntelchen unsere Erde zerstört wird. Sie reiste nach Borneo, dem Land mit dem schönsten Urwald, in dem unglaublich viele einzigartige Tiere leben und findet den größten Teil davon als Palmölplantage wieder. Was wir hier in den ersten beiden Kapiteln zu lesen bekommen, ist so unvorstellbar, dass wir mir die Worte fehlen. Wie Großkonzerne, in Zusammenarbeit mit Regierungen, NGOs und dem WWF Flächen roden, zerstören, Menschen vertreiben und/oder versklaven, beschreibt Kathrin Hartmann aus ihren Reisen durch das Land. Überall trifft sie auf Gegenden, die auf Jahrzehnte hin unbrauchbar ist. Sie redet mit Menschen, die nichts mehr haben, nicht einmal Geld für ein Leben an einem anderen Fleck. Die Verantwortlichen sitzen weit weg in ihren schönen Büros und organisieren diesen Raubbau, damit wir mit dem Rohstoff Palmöl, der im Duschgel und in der Tütensuppe, in Nutella und in Tiefkühlpizzen, in Medikamenten und Putzmitteln steckt, unsere Supermarktregale auffüllen können.
Perfide wird dann die Geschichte, wenn dann noch das Wort „Nachhaltigkeit“ ins Spiel kommt. „Green Oconomy“, das Schlagwort der Wirtschaft, damit sie dahinter weiter abholzen können und noch größere Gewinne einfahren.
Kathrin Hartmann beginnt ihr Buch mit dem Deutschen Nachhaltigkeitstag am 22.11.2013 in Düsseldorf. Dort treffen sich Vertreter der ganz großen Wirtschaftsunternehmen und Menschen aus Politik, Unterhaltung und dem Gremiun für Nachhaltigkeit. Popstars werden einflogen, die sich für die Erhaltung des Regenwaldes starkmachen, um dem Ganzen einen schönen Show-Charakter zu geben. Glamour und Politik, Weltretten mit den Schönen und Reichen dieser Welt. Die Preise schieben sich dann die Firmen gegenseitig zu. BASF, Bayer, C&A, Otto, Siemens und wie sie alle heissen, präsentieren sich als grüne Unternehmen. BMW, Coca-Cola, Henkel und Danone lasen sich feiern und denken nur daran, wie sie unter dem neuen Zertifikat des grünen Wirtschaften an noch mehr Bodenschätze kommen.
Kathrin Hartmann bohrt, fragt nach, recherchiert und zeigt auf, wie es wirklich aussieht und was tatsächlich die Denke dieser Fimen ist. Nach Palmöl zeigt sie am Beispiel der Shrimps-Aquakultur in Bangladesch, wie ganzen Landstriche verseucht werden, wie Böden eine so hohe Konzentration von Salz haben, dass darauf nichts mehr wächst. Hunger und Not in großem Ausmaß, nur damit wir immer schön Shrimps im Kühlregal finden. Ein Produkt, auf das wir doch gerne verzichten können. Auch dort wird daran gedacht nachhaltige Shrimps zu produzieren, doch Kathrin Hartmann kommt zu einem ganz anderen Ergebnis und schreibt über das noch größere Elend bei den Menschen, die unter erbärmlichen Zuständen ihr Geld verdienen.
Ganz vertrackt wird es im Kapitel über die Stiftung von Bill und Melinda Gates, die Millionen in nachhaltigen „gute“ Projekte stecken. Bill Gates hat uns alle mit Microsoft beglückt. Wie er das allerdings gemacht hat, zeigt, dass er beileibe kein Gutmensch ist und wir wahrscheinlich ohne ihn ein viel besseres Arbeiten am PC hätten. Nun ist er der reichste Mensch der Welt, aus dem Betrieb von Microsoft raus und tut nur noch Gutes. Die Süddeutsche Zeitung berichtete in ihrer Beilage vor kurzem darüber, wie sie ihr vieles Geld anlegen. Dass Gates allerdings große Anteile von Konzernen besitzt, die für den Raubbau verantwortlich sind, wissen wir wahrscheinlich nicht. Gates investiert in Gentechnik, an denen er selbst wieder verdient. Mit deutlich weniger Geld könnten den Menschen vor Ort deutlich besser und länger anhaltend geholfen werden, als durch die Maßnahmen, die in den Köpfen der Büros in Manhattan entstanden sind und sich nicht nach den Bedürfnissen der Bedürftigen richten. So bekommt 2013 Monsanto World Food Prize für sein gentechnisch verändertes Saatgut, das Menschen abhängig macht von Monsanto macht und viel Bauern in den Ruin treibt. Monsanto steht weltweit schlichtweg für den skrupellosesten Konzern, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Dass Bill Gates bei Monsanto auch Anktion in mehrfacher Millionhöhe hat, wussten wir vom guten Geldverteiler wahrscheinlich nicht.
Dies soll genügen. Kathrin Hartmann lässt kein gutes Haar an der Art und Weise, wie Wirtschaft und Politik gemeinsam den Raubbau betreiben. Sie sieht keine Chance das auf die Schnelle ändern zu können. Genauso wie Naomi Klein harte Kritik an ihrem neuen Buch „Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“ einstecken musste, da sie radikal mit unserem Wirtschaftssystem abrechnet, so sieht auch Kathrin Hartmann die Ursachen dieser Zerstörung viel tiefer in unserer Politik und auch sie fordert ein ganz großes Umdenken. Wohlwissen, dass dies nicht ganz einfach ist. Gleichzeitig sieht sie immer wieder einen Hoffnungsschimmer in kleinen Projekten wie in El Salvador, wo sich Frauen gegen den Adidas Konzern auflehnten und „gewannen“.
Lasen wir uns also nicht einlullen von den Medien, den Sprüchen von Politikern und Vorzeigemoderatoren, wie Jauch, die ihre Hände in Unschuld waschen und nur an den eigenen Profik denken. Und vielleicht überdenken wir unseren Lebensstil und lassen bestimmte Produkte und Firmen links liegen.

„Die scharfen Kontraste, der rasche Wechsel der Schauplätze un der Akteure, machen das Buch zu einer atemberaubenden Lektüre.“
Berthold Merkle, Südwest Presse (09.09.2015)

Leseprobe

Kathrin Hartmann kommt nach Ulm:

Dienstag, den 13.10.2015 um 20 Uhr
Gebühr: 5,00 /4,00€
Ulm, EinsteinHaus, Club Orange
In Zusammenarbeit mit der Kulturbuchhandlung Jastram

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