Donnerstag

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Heute haben
John Cowper Powys * 1872
Mariana Zwetajewa * 1892
Hans Joachim Schädlich * 1935
Jakob Arjouni * 1964
Geburtstag

Ich beginne heute mit einem Filmtrailer, bevor ich zum Buch komme.
Der Journalist Patrick Marnham hat  paraell zu diesem Buch mit dem Filmemacher Manu Riche einen Dokumentarfilm genau zu diesem Thema gedreht. Manu Riche war auch der Namensgeber für Buch und Film. Leider konnte ich die komplette Dokumentation nirgends finden, obwohl der Film schon auf Festivals in Deutschland lief und auch ausgezeichnet wurde. Vielleicht kann mir da jemand helfen, da ich ihn sehr gerne anschauen möchte.

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Patrick Marnham:Schlangentanz
Reisen zu den Ursprüngen des Nulearzeitalters
Aus dem Englischen von Astrid Becker und Anne Emmert
Berenberg Verlag € 25,00

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Wir tauchen mit Marnham in das alte unbekannte Schwarzafrika ein, sind mit Joseph Conrad ins Herz der Finsternis unterwegs, erfahren viel über die Kolonialisierungspolitik Belgiens und die Ausbeutung des heutigen Kongos. 1890 war der Kongo eine Privatkolonie des belgischen Königs Leopold II., der unsagbar viel Geld durch Kautschuk verdiente und Menschen und Land dadurch ausbeutete. Diesen Reichtum können wir in Brüssel immer noch entdecken und Marnham erwähnt, dass das Justizgebäude höher ist als der Petersdom. Marnham begibt sich selbst in den heutigen Kongo, schreibt über die politische Lage, die Stimmung der Menschen und das alltägliche Chaos. Später im Buch kommt er nochmals auf den Kongo zu sprechen und es gibt ein Kapitel mit einer Aufzählung von Flugzeugabstürzen im Kongo und ihren Ursachen. Das liest sich schon wie eine Satire. Was das alles mit der Atombombe zu tun hat, erwähnt Marnham fast beiläufig. Der Kongo hat viel hochwertiges Uran und neben der Hauptstadt steht ein angegrautes Atomkraftwerk, von dem auch schon ein Schlüssel verloren gegangen ist.
Vom Kongo reist Marnham weiter nach New Mexico und wir treffen dort auf alte, eigenwillige Männer in ihren windschiefen Häusern und dem Gewehr hinter dem Sofa. Das erinnert an Jocelyne Sauciers Roman: „Ein Leben mehr“, das wir hier schon vorstellten. Dies ist die Heimat der Hopi Indianer, über die Aby Warburg seinen Essay „Der Schlangentanz“ geschrieben hat.Ein ritueller Tanz, um die göttliche Kraft, den Blitz, zu beherrschen. Marnham weicht aber schon wieder ab und schreibt zuerst über die „Kolonialisierung“ der Amerikaner im eigenen Land. Die Ausrottung der Büffel und der indigenen Bevölkerung. Dabei erfahren wir viel über die heutige Einstellung der USA in bezug auf ihre Art der Weltpolizei, wie es in den letzten Tagen in der Presse, wegen des VW Skandals, zu lesen war. In New Mexiko „bastelten“ die USA Bomben unter der Leitung von Robert Oppenheimer. Auch diese Männer versuchen die unglaubliche Energie der Atomkraft zu beherrschen. Marnham schreibt in langen Einschüben über das Leben dieser Männer. Wir können seitenlang über das Leben Aby Warburgs in einer psychiatrischen Klinik am Bodensee nachlesen und erfahren, was für ein Schüler Opphenheimer war und wie sich daraus sein späteres Denken entwickelt hat. Wir kommen immer näher an die Atombombe, lesen bis zur Hälfte das Buch aber als Abenteuerroman, als ausgezeichneten Reisebericht rund um den Globus. Marnham schreibt so plastisch, hat einen leichten ironischen, britischen Witz und wir schmunzeln mitunter, wenn er nebenbei erzählt, wie im Kongo der ein oder andere Brennstab verschwunden ist, oder einen skurillen Besuch im Souvenirladen des Nationalen Atom-Museums der USA. In der zweiten Hälfte geht es um den Wettlauf um die Atombombe während des Zweiten Weltkrieges. Hier ändert sich der Ton und dies liest sich wie ein rasanter, spannender Krimi, den sie nicht mehr weglegen können. Er schreibt über das Leben in Los Alamos, über die verschiedenen Einstellungen der amerikanischen Präsidenten zur Bombe, dass die zweite über Nagasaki falsch abgeworfen worden ist und was aus der Behrrschung des Blitzes geworden ist.
Im Nachklapp bereisen Marnham und Riche die verwüstete Landschaft von Fukushima und wir sind in der ganz aktuellen nuklearen Zeit angelangt. Hier ist er wiederJournalist, durchstreift die Küstenstreifen und entdeckt einige erhellende Erkenntnisse über Tsunamis und wie Länder damit umgehen.
Für mich war Marnhams Buch eine großer Genuss und ich habe selten ein Buch mit einer so großen Freude gelesen und so viel dabei gelernt.

Leseprobe
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Heute noch ein letzter Textausschnitt aus Kai Weyands Roman: „Applaus für Bronikowski“, der heute abend ab 19 Uhr bei uns daraus lesen wird.
Vielleicht haben Sie Muse und finden den Weg in unsere Buchhandlung.

Nies dagegen glaubte nicht an die Mathematik. Ihm waren mathematische Menschen suspekt, vielleicht, weil es ihm selbst schwerfiel, mit Zahlen zu hantieren. Es passierte ihm, dass er aus Versehen aus einer 6 eine 9 machte. Dass etwas, das im Handumdrehen auf den Kopf gestellt werden konnte, den Menschen hilfreich sein sollte, schien ihm ganz und gar unakzeptabel.
Während Nies die Vorstellung, mit seinem Bruder alleine leben zu müssen, als Strafe empfand, sah es Bernd als simple Gewinn- und Verlustrechnung, die er per-spektivisch auf der Haben-Seite für sich verbuchte. Dem Verlust von persönlicher Freiheit stand die Gewissheit gegenüber, dass es ihm bei seiner beruflichen Entwicklung von Nutzen sein würde, wenn er zeigte, dass er belastbar war und nicht davor zurückscheute, Verantwortung zu übernehmen.

Nies stand vom Bett auf. Die Stimmen seiner Eltern vor der Tür hatten sich verflüchtigt. Er ging ans Fenster und sah auf die Straße. Als wäre jemand in Hundekot getreten, lag das Tiramisu verschmiert auf dem Gehsteig. Der Anblick rang ihm ein Lächeln ab. Auch wenn ihm vorhin die Worte gefehlt hatten, seine Meinung zu den Auswanderungsplänen seiner Eltern zu äußern, so hatte er doch etwas hinterlassen, was man nicht fehlinterpretieren konnte.
Vier Monate später war es so weit. Nies und Bernd zogen in eine Zweizimmerwohnung, die die Eltern für sie angemietet hatten. Sie richteten einen Dauerauftrag für Miete und Unterhalt ein und verließen Ende März Deutschland Richtung Kanada.
Beim letzten gemeinsamen Essen am Abend zuvor verkündete Nies, dass er seinen Namen ablege und sich ab sofort NC nenne. Das C werde englisch ausgesprochen.
Und was soll das bedeuten?, fragte seine Mutter.
No Canadian, antwortete NC.
Bernd verdrehte die Augen und schüttelte genervt den Kopf.
Sein Vater schaute ihn lange an. Schließlich räusperte er sich und sagte: Find ich gut, dass du kreativ mit der Situation umgehst.
Dann waren sie weg.
Kurz darauf schaffte sich NC zwei Ratten an, die er Mama und Papa nannte, und rasierte sich den Kopf. Für die Schule tat er nur das Allernötigste. Von Mitschülern und Lehrern wurde er als Sonderling betrachtet, auch weil er sich weigerte, auf seinen Namen Nies zu reagieren. Er beharrte darauf, NC zu heißen.
Bernd registrierte die Veränderung seines Bruders mit zunehmender Verärgerung. Er befürchtete, sie würde auf ihn zurückfallen, schließlich hatte er sich bereit erklärt, die Verantwortung für seinen fünf Jahre jüngeren Bruder zu übernehmen, bis dieser die Volljährigkeit erreicht und die Schule abgeschlossen hätte. Er versuchte, NC deutlich zu machen, dass jetzt die Weichen für seine Zukunft gestellt würden, und bot an, mit ihm zu lernen. Er war sogar bereit, am Abend, nach seiner Arbeit in der Bank, sich mit NC hinzusetzen. Aber NC lehnte alle Angebote ab. Er wollte nicht, dass sein Bruder sich gute Noten als Erfolg auf die Fahnen schreiben konnte. Außerdem konnte er nicht vergessen, dass Bernd sich auf die Seite der Eltern geschlagen hatte. Bernd war kein NC, er war ein C.
Bernd verzichtete sogar darauf, dass Haushaltsarbeiten prozentual erledigt würden, aber auch das brachte keine Veränderung.
In der Hoffnung, geschriebene Wörter könnten bei seinem Bruder eine andere Wirkung erzielen als das gesprochene Wort, fing Bernd an, Zettel mit Weisheiten an dessen Tür zu pinnen: Gefühle stehen einem erfolgreichen Handeln im Weg, Selbstmitleid bringt keine Rendite oder einfach: Kindern in Afrika geht es viel schlechter als dir

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