Montag

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Heute haben
Eugenio Montale * 1896
Ding Ling * 1904
Geburtstag
und Luciano Pavarotti feiert seinen 80.Geburtstag.

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Charles Bukowski: „Alle reden zu viel und andere Gedichte
Aus dem Amerikanischen von Esther Ghionda-Breger
Maro Verlag € 16,80

Eine schöne Überraschung. Neue, alte Gedichte von Charles Bukowski liegen vor mir. Nicht, dass ich der große Bukowski-Fan bin, aber seine genaue Beobachtungsgabe, sein frecher, manchmal derber Ton, und die Erinnerung an seine, mir schon bekannten, Gedichte, ließen mich gleich in das broschierte Buch reinschauen.
Ganz im Stil der anderen Bukowski-Bücher, hat Rotraut Susanne Berner die Illustration für den Umschlag gestaltet, ansonsten ist das Buch von aussen schwarz und leuchtet innen um so mehr.

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Leben am Rande der Mülltonne

Der Wind bläst heftig heute Nacht
es ist ein eisiger Wind
und ich denke
an die obdachlosen Jungs.
Ich hoffe, ein paar von ihnen haben eine Flasche
Rotwein.
Wenn man obdachlos ist,
merkt man, dass
alles jemandem gehört
und überall
ein Schloss dran ist.
So funktioniert
Demokratie:
man nimmt, was man kriegen kann
versucht, es zu behalten
und möglichst
noch mehr anzuhäufen.
Diktatur funktioniert
ähnlich,
nur dass die Obdachlosen
entweder
versklavt oder
vernichtet werden.
Wir haben unsere
bloß vergessen.
Wie dem auch sei
es bläst ein harter
eisiger
Wind.

Nur ein Vorschlag

Neben dem Hass und Neid einiger
meiner Kollegen
gibt es noch ein anderes Ungemach,
und das erreicht mich per Telefon oder Brief:
»Du bist der größte lebende Schriftsteller.«
Das gefällt mir gar nicht,
weil ich glaube,
dass etwas verdammt schief gelaufen ist,
wenn man der größte lebende Schriftsteller ist.
Ich will nicht einmal der größte tote
Schriftsteller sein.
Einfach nur tot zu sein
würde mir vollkommen reichen.
Außerdem finde ich die Bezeichnung »Schriftsteller«
völlig daneben.
Für mein Ego wäre es viel besser
zu hören:
Du bist der beste Billardspieler der Welt
oder
du bist der beste Ficker der Welt
oder
Du bist der beste
Pferdewetter der Welt.
Genau das ist es
was einen Mann
glücklich machen würde.

Diesen Mädchen sind wir
nach Hause gefolgt

Irene und Louise waren die
hübschesten Mädchen in der Junior Highschool
sie waren Schwestern;
Irene war ein Jahr älter,
ein bisschen größer,
und man hatte
die Qual der Wahl;
sie waren nicht nur hübsch, sondern
umwerfend schön
so schön,
dass sich die Jungs nicht an sie rantrauten,
denn obwohl Irene und Louise überhaupt nicht arrogant,
und sogar freundlicher als die meisten anderen waren,
jagten sie ihnen Angst ein,
sie kleideten sich anders als
die anderen Mädchen:
trugen immer High Heels,
Seidenstrümpfe,
Blusen,
Röcke,
jeden Tag ein neues Outfit.
Eines Nachmittags folgten mein Kumpel Baldy und ich
ihnen nach der Schule bis nach Hause;
wir waren der Schrecken des Schulhofs
und wie nicht anders zu erwarten,
hefteten wir uns an ihre Fersen.
Mann, war das aufregend:
wir liefen drei oder vier Meter hinter ihnen
sagten kein Wort
verfolgten sie
und hatten nur Augen für ihre
sinnlich wiegenden
Hinterteile.
126 Das fanden wir so aufregend,
dass wir ihnen jeden Tag nach der
Schule bis nach Hause
hinterherliefen.
Wenn die beiden ins Haus gingen
standen wir draußen auf dem Bürgersteig
rauchten unsere Kippen
und unterhielten uns.
»Eines Tages«, sagte ich zu Baldy,
»laden sie uns zu sich ins
Haus ein und dann werden wir sie
flachlegen.«
»Das glaubst du ja wohl selber nicht?«
»Wart’s ab.«
Jetzt,
50 Jahre später
kann ich verraten,
dass es dazu nie gekommen ist
– egal, welche Stories wir
unseren Kumpels aufgetischt haben;
aber damals wie heute
sind es Träume,
die einen
am Leben halten.

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Ich habe dem Verleger Benno Käsmayr ein paar Fragen gestellt und ich denke, seine Antworten sind sehr erhellend und animieren zur Lektüre.

Lieber Benno,
letzte Woche erschien „Alle reden zu viel und andere Gedichte“ von Charles Bukowski. Warum mussten wir so lange darauf warten? In den USA erschienen sie schon 1986.

Die Hälfte der amerikanischen Ausgabe erschien 1989 auf Deutsch unter dem Titel „Roter Mercedes“ – 160 Seiten.
Carl Weissner hatte das ausgewählt und übersetzt. Warum seinerzeit die zweite Hälfte dann nicht auch auf Deutsch erschien, weiß niemand mehr. Der Agentin ist es nicht aufgefallen, der Lektor nicht mehr im Verlag. Es mag vielleicht daran gelegen haben, dass bereits neue Titel von Bukowski erschienen waren und damit auch jährlich ein weiteres neueres Buch von Bukowski auf Deutsch.

Du hast nur eine Auswahl veröffentlicht. Warum? Wie umfangreich ist das Original?

Bei Maro erschien jetzt der bisher in D. unveröffentlichte Rest. Das Original hat 320 Seiten. Der „Rote Mercedes“ ist ja schon seit Jahren komplett vergriffen und erzielt bereits im Antiquariat hohe Preise. Das war ja der Grund, warum die Agentin auf Maro zu kam mit der Frage, den Roten Mercedes neu zugänglich zu machen. Der erscheint auch im Frühjahr 2016 in der Übersetzung von Weissner.

Carl Weissner ist tot. Es gibt eine neue Übersetzerin. Merkst du einen anderen Ton, eine andere Art der Übertragung bei Esther Ghiona-Breger?

Carl Weissner kann man nicht kopieren. Dass die Übersetzung von Esther anders klingt, vielleicht etwas „seriöser“, ist dem Autor durchaus entsprechend, da auch die Texte weniger den alten Klischees folgen.

Wie ist die Resonanz auf diese Bukowski-Neuerscheinung?

Bisher ist die Resonanz bescheiden. Wenn man berücksichtigt, dass wir ab 1974 von Bukowskis erstem Gedichtband 60.000 Exemplare verkauft haben (und DTV im Taschenbuch noch viel mehr), sind die vorbestellten 480 Bücher schon mickrig.

Wie treu ist überhaupt die Bukowski-Gemeinde?
Sind das die Alten, oder kommen da auch neue LeserInnen dazu?

Das werden wir sehen. Ich meine schon, dass die „Alten“ Fans kein großes Interesse mehr an Bukowski haben, ihn zu kaufen, sie erzählen vielleicht mehr von damals, als sie ihn verschlungen haben. Und die Jungen wachsen zwar nach, aber nur wenige steigen auf Bukowski voll ein.

Im Anhang hast Du vier Briefe von Bukowski an Dich veröffentlich.
Was war Hank für ein Typ? Entsprach er dem Mythos, der sich um ihn herum aufgebaut hat.

Ich habe Bukowski zweimal getroffen, auf mich wirkte er eher bieder (Morgens Müsli, tagsüber Rennbahn, abends beim Mexikaner, dann Fernsehen). Seine öffentlich wahrgenommenen Auftritte waren sicher zum Teil inszeniert, er hatte ja ein Image zu verteidigen, haha.

Du hast dem Buchpaket ein paar Postkarten mit Illustrationen zum Buch, zu Bukowski hinzugefügt. Unter anderem auch ein herrliches Foto von Charles Bukowski, wie er sehr locker im Regen tanzt. Wird es das als Poster geben?

Ja! Das soll A1 gedruckt werden. Wir warten noch auf die Daten. Das Dia ist so gewölbt, dass es bislang nur unscharf gescannt werden konnte.

Was ist denn Dein Lieblingsbuch von Bukowski?

Mein Lieblingsbuch ist: „Das schlimmste kommt noch“ (Roman) und „Irgendwo in Texas“ (Lyrik).

Danke und viel Erfolg mit dem Buch.

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Heute abend wir der Deutsche Buchpreis 2015 verliehen.
Ich bin sehr gespannt, welches Buch das Rennen machen wird.

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