Dienstag

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Heute haben
Christine Nöstlinger * 1936
Jan Costin Wagner * 1972
Geburtstag

Der Deutsche Buchpreis ist vergeben und es hat das Buch gewonnen, das bei unserem Shortlistlesen mit den meisten Lachern bedacht worden ist. Ich wünsche dem dicken Buch viele LeserInnen.

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Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Gudrun Ensslin eine Indianersquaw aus braunem Plastik und Andreas Baader ein Ritter in schwarzglänzender Rüstung – die Welt des kindlichen Erzählers, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt, ist nicht minder real als die politischen Ereignisse, die jene Jahre in Atem halten und auf die sich der 13-Jährige seinen ganz eigenen Reim macht. Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst und Betrachtungen der aktuellen Gegenwart entrücken ihn dabei immer weiter seiner Umwelt. Es entsteht ein Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die ebenso wie die DDR 1989 Geschichte wurde.

Begründung der Jury

„Frank Witzels Werk ist ein im besten Sinne maßloses Romankonstrukt. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen aus der hessischen Provinz, der sich im Alter von dreizehneinhalb auf der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet. In diese Geschichte eingewoben ist das politische Erwachen der alten Bundesrepublik, die beginnt, sich  vom Muff der unmittelbaren Nachkriegszeit zu befreien. Diese Ära des Umbruchs wird heraufbeschworen in disparaten Episoden, die unterschiedlichste literarische Formen durchspielen, vom inneren Monolog über die Action-Szene oder das Gesprächsprotokoll bis zum philosophischen Traktat. Der Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ ist in seiner Mischung aus Wahn und Witz, formalem Wagemut und  zeitgeschichtlicher Panoramatik einzigartig in der deutschsprachigen Literatur. Frank Witzel begibt sich auf das ungesicherte Terrain eines spekulativen Realismus. Mit dem Deutschen Buchpreis wird ein genialisches Sprachkunstwerk ausgezeichnet, das ein großer Steinbruch ist, ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia.“
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Unser heutiger Tipp gilt sowohl für den Film, als auch für das daraus entstandene Jugendbuch.

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„Das Mädchen Wadjda“
Regie: Haifaa Al-Masour, KSA/D 2012, FSK ab 0

Hayfa Al Mansour:Das Mädchen Wadjda
Aus dem Englischen von Catrin Frischer
cbj Verlag € 12,99
als E-Book € 9,99

Hayfa al-Mansur ist Filmregisseurin in Saudi-Arabien, einem Land, das keine Theater, keine Kinos, keine öffentlichen Konzerte kennt, ausser staatliche organisierte Festivals. Popmusik im Radio, Gesang von Frauen ist genauso verboten, wie das Treffen von Männern und Frauen im eigenen Haus, oder dass Frauen einfach mal so im öffentlichen Bus zur Arbeit fahren. Innerhalb der Wohnung sieht man keinen Unterschied bei den Frauen, was Kleidung, Schminke und Frisuren anbelangt. Bevor sie jedoch auf die Straße gehen, hüllen sie sich in schwarze Gewänder und legen die abaya über, das schwarze Tuch, das das komplette Gesicht verschleiert.
Hayfa al-Mansur hat Film in Australien und Kairo studiert und dreht in Saudi-Arabien. Dieser Film entstand wohl tatsächlich mit staatlicher Genehmigung und mit großer deutscher Hilfe mitten in Riad.
Erzählt wird die Geschichte der zehnjährigen Wadjda (sie sprechen das im Film wie Woschda, oder Woischda aus), die mit ihrer Mutter mehr oder weniger alleine lebt, da der Vater viel unterwegs ist. Sie scheinen gut situiert zu sein. Ihre Mutter geht zur Arbeit, streitet sich täglich mit dem Taxifahrer, der sie und andere Frauen abholt und wieder nach Hause bringt. Wadjda sieht, wie ihre Mutter, innerhalb der Wohnung sehr westlich aus. Jeans, schwarze Chucks und Rockmusik aus dem Radio, dessen Antenne mit diversen Drähten und Metallkleiderbügeln verlängert wurde. Sie hat ihren eigenen Kopf und fügt sich dem Druck, der auf den Mädchen und Frauen lastet nur mit Widerwillen. Dadurch bekommt sie immer wieder Ärger mit ihrer Schulleiterin. Diese läuft innerhalb der Schule, wie die schickste Dame herum. Von wegen Schleier.
Nach einem Streit mit dem Nachbarsjungen, der sie oft mit seinem Fahrrad begleitet, geht Wadjda alleine heim und hat plötzlich eine Vision. Hinter einer Mauer scheint ein Fahrrad vorbeizuschweben. Dem ist natürlich nicht so, sondern das Fahrrad ist auf einem Dachgepäckträger geschnallt. Wadjda verfolgt das Auto mit dem Rad und sieht es bei einem Fahrradhändler stehen. Radfahren ist für Frauen in Saudi-Arabien verboten. Zumindest für anständige Frauen. Wadjda wünscht sich allerdings nichts mehr als diese grüne Fahrrad. Mit allen Mitteln versucht sie, dass sich ihr Traum erfüllt.
Die Regisseurin erzählt diese Geschichte nicht als große Abrechnung mit Saudi-Arabien. Sie erzählt uns Alltägliches, lässt keine westliche Kritik zu und überlässt es uns, ein Bild von der Unterdrückung der Frauen zu machen. Und die ist mehr als deutlich.
Die Mutter leidet sehr unter ihrer Situation.Sie kann ihre Tochter sehr gut verstehen, sieht jedoch keine Möglichkeit, wie sie ihr den Wunsch erfüllen kann. Sie selbst hätte gerne einen besseren Beruf, aber als sie ihre Freundin, die in einem Krankenhaus arbeitet, dort besucht, ist sie erstaunt, wie offen sie sich dort zeigt. Sie hätte gerne, dass ihr Mann öfter daheim ist, doch seine Familie sucht eine Zweitfrau für ihn, da sie selbst, nach der schweren Geburt von Wadjda, keine Kinder, keinen Sohn mehr zur Welt bringen kann. Sie singt so gerne. Allerdings nur bei geschlossenen Fenstern beim Abspülen.
Als in der Schule ein Koranwettbewerb ausgerufen wird, bei dem die Mädchen Koranverse singend rezitieren und Fragen zu Koran beantworten müssen, sieht Wadjda ihre Chance, da es Geld für die Siegerin gibt. Sie meldet sich also für die Koranklasse an, kauft sich ein Computerspiel „Wer wird mit Millionär mit Koranfragen“ und siegt tatsächlich. Warum sie das Geld dann doch nicht bekommt, erfahren Sie im Buch, oder im Film. An diesem Tag feiert ihr Vater Hochzeit mit einer neuen Frau und Mutter und Tochter haben nur noch sich, aber gleichzeitig wartet eine große Überraschung auf Wadjda.
Der Film ist voller Optimismus, Witz und Freundlichkeit. Durch diese freche, aufmüpfige Wadjda können wir auf eine bessere Zukunft für die Frauen in Saudi-Arabien hoffen. Das Radfahren ist mittlerweile für Frauen erlaubt, allerdings nur in Begleitung von Männern.
Nach dem großen Erfolg des Filmes hat Hayfa Al Mansour selbst ein Jugendbuch daraus gemacht, das gerade jetzt erschienen ist. Ein kleiner Wermutstropfen: Der Film ist im Moment nicht lieferbar. Schade, wir haben ihn immer im Laden vorrätig gehabt.


Zur Webiste des Filmes
Leseprobe

Interview mit Hayfa Al Mansour

Kurzbiografie auf der Verlagsseite:

Hayfa Al Mansour ist die erste Frau in Saudi-Arabien, die Filme macht, sie gilt als eine der wichtigsten Filmschaffenden des Königreichs. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Literatur von der American University in Kairo und einen Master in Regie- und Filmstudien der University of Sydney.
Der Erfolg ihrer drei Kurzfilme, sowie die internationale Anerkennung für ihren preisgekrönten Dokumentarfilm Women Without Shadows, hat eine ganze neue Welle von saudi-arabischen Filmemachern beeinflusst und führte dazu, dass auf den Titelseiten der Zeitungen über die Eröffnung von Kinos diskutiert wurde. Im Königreich wird ihre Arbeit sowohl gelobt als auch verteufelt, weil sie Diskussionen über Themen anregt, die allgemein als Tabu angesehen werden, wie Toleranz, die Gefahr des Orthodoxen und die Notwendigkeit, die traditionelle und restriktive Kultur mit kritischem Blick zu betrachten.
Durch ihre Filme und ihre Arbeit für Fernsehen und Printmedien hat Al Mansour sich den Ruf erworben, die Mauer des Schweigens zu durchdringen, die das Leben der saudi-arabischen Frauen begrenzt, und ihnen ein Forum für ihre ungehörten Stimmen zu schaffen.
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Das Zebra (2) CIC

Als es vor dem Spiegel stand
und es das Fell, das schwarz und weiße
ganz plötzlich aus der Mode fand,
nahm’s eine Dusche, eine heiße.

Überdrüssig seiner Streifen,
die es lang getragen hatte,
fing es an, gut einzuseifen
die borsthaarige Zebramatte.

Am End‘ blieb zweifarbig das Fell,
doch war’s vor Hitze eingelaufen.
Geläutert ging das Zebra schnell
sich wieder was Gestreiftes kaufen.
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Heute abend um 20 Uhr.
Kathrin Hartmann in der vh Ulm.
„Aus kontrolliertem Raubbau“

Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren. Eine schonungslose Abrechnung mit der Illusion des grünen Wachstums, dem Zynismus von Wirtschaft , Politik und NGO und unserem verschwenderischen Lebensstil.

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