Montag

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Carlo Lucarelli * 1960
Geburtstag

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Gert Heidenreich: „Nächte mit Leonard“
Erinnerungen zu Leonard Cohens 80. Geburtstag am 21.9.2014
Jahresgabe 2015
Für die Freunde des Maro Verlages
Maro Verlag je € 5,00

Version „Revolution“ von Carolin Flammang
Version „Zensur“ von Ines Korbacher
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Meisterschule für Mode / Designschule München

Die Jahresgaben des Maro Verlages sind immer für eine Überraschung gut. Hier können Sie noch richtige Entdeckungen machen. Dass es dieses Jahr gleich zwei davon gibt, ist umso schöner, denn den wunderbaren Text von Gert Heidenreich hat Benno Käsmayr in zwei Versionen „Revolution“ und „Zensur“ drucken lassen. Die Gestaltung übernahm jeweils eine Studentin der Designschule München. Der selbe Text und doch zwei grundlegend andere Heftchen. Auf den ersten (und den zweiten) Blick würde man dies nicht vermuten.

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Gert Heidenreich hat mit dieser Erzählung einiges bei mir wieder wachgerüttelt, freigeschaufelt und nach oben gewühlt. Er ist zwar fast 15 Jahre älter als ich und doch machte ich sehr ähnliche Erfahrungen wie er.
Heidenreich beschreibt, wie es sich anfühlte, wenn man eine neu LP in Händen hielt, die Platte mit der weissen Hülle herausgleiten ließ, die schwarze Scheibe aus ihr zog und vorsichtig auf den Plattenteller legte. Das erste ganz leiste Knirschen beim Aufsetzen des Saphirs. Ja, Herr Heidenreich, so war das bei mir auch. Ich besaß (und besitze immer noch nicht) keine Cohen-Scheibe und doch begleitet er mich die vergangenen 40 Jahre. Auf jedem Fest, wenn die Gitarren herausgezogen wurden, wurden Lieder von ihm gespielt und es gab immer Fraktionen für und gegen ihn. Er war kein lauter Sänger wie Dylan, von ihm kam die Kraft aus seinen Texten. Darauf musste man sich zuerst einlassen. Aber dann war es um Einen geschehen. Heidenreich bringt Brassens, Moustaki und Brel ins Spiel und stellt doch die Einzigartigkeit von Cohen heraus.
Für Heidenreich war diese Musik zuerst nicht kompatibel mit der Nachkriegszeit, wie er sie erlebte. An die poltische und gesellschaftliche Situation, in der über die Zeit vor 1945 nicht (mehr) gesprochen wurde und Nazigrößen wieder in gehobenen Positionen saßen. Die daraus resultierende Radikalisierung und Politisierung der westdeutschen Studentenschaft erlebte er hautnah mit. Er schreibt von fast auswegslosen Situationen, die etwas von Depression und Lethargie an sich hatten. Dass dieses Gemisch dann bis zur RAF führte und der gnadenlosen, rasch und neu gesetzlich verankerten Jagd nach Intelektuellen, haben wir selbst mitbekommen. Und dabei gab es immer die ruhigen Lieder von Leonard Cohen, der sich nicht in den Vordergrund sang, oder laut, direkt, politisch auf der Bühne war, sondern seine Lyrik in den Raum, seine Zeilen zur Verfügung stellte.

Es waren sanfte Abende mit ihm, nach aufregenden Demonstrationen, geschrienen Protesten, gebrüllten Forderungen. Als hätte seine leise Nachdenklichkeit und volksliedhafte Musikalität uns zu uns selbst zurückgeführt. … Während ich das schreibe, brennen Kriege an zahllosen Plätzen unseres kleinen Globus. Man nennt sie Konflikte. Und ich erinnere mich, was Leonard im Jahr, als die Mauer fiel – befragt, was er von der Zukunft erwarte – geantwortet hat: Murder, Mord und Totschlag.

Wie gesagt: Ein toller Text in zwei Versionen. Jede kostet € 5,00 und sind mindestens das Doppelte wert. Sie können also, wenn Sie so rechnen, locker auch beide Heftchen kaufen. Wir haben sie vorrätig.

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