Mittwoch

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Heute haben
Evelyn Waugh * 1903
Albert Maltz * 1908
Marie Louise Fischer * 1922
Anne Perry * 1938
Uwe Tellkamp * 1968
Geburtstag

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Conrad Ferdinand Meyer
Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzu reich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.

Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
»Genug ist nicht genug!« um eine Traube.

Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
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Richard Ford:Frank
Hanser Berlin Verlag € 19,90
als E-Book € 15,99
Christian Brückner spricht das Buch auf 6 CDs
Parlando € 24,99
Let Me Be Frank With You€ 12,99

Frank Bascombe ist wieder da! Richard Ford lässt seinen Helden zurückkehren, und nie war er aufrichtiger als jetzt. „Ich bin da“ heisst dann auch die erste der vier Erzählungen, die alle ungefähr 50 bis 60 Seiten lang sind und sich chronologisch aneinanderreihen. Sie können sie somit auch als Episoden eines Romanes lesen. Nach „Sportreporter“, „Unabhängigkeitstag“ und „Die Lage des Landes“, steht nun plötzlich Frank Bascombe wieder vor uns. Richard Ford hatte mit ihm schon abgeschlossen. Frank, der mittelmäßige Schreiberling, wurde Sportreporter und dann Immobilienverkäufer. Er ist ein normaler Amerikaner und hatte sich mit seinen 68 Jahren in den Ruhestand verabschiedet, bis sich ein alter Kumpel Arnie Urquhart am Telefon meldet. Ihm hatte er sein Haus am Meer verkauft, das nun durch den Wirbelsturm total zerstört worden ist. Der Autor Ford hatte Sandy hautnah miterlebt, sah die Schäden und bemerkte, was in den Köpfen seiner Mitmenschen vor sich gegangen ist. Ihm war klar, dass er die Stimme von Frank braucht, um dies literarisch umsetzen zu können. Frank, den Normalbürger, aus dem hin und wieder tolle Wortspiele herausfallen, der sich zurückerinnert an sein bewegtes Leben, die Lage ganz gut einzuschätzen weiß. Frank ist auch ein Mensch der Zitate, die er mal so eben fallen lässt und die mehr als 100 Prozent in die Situation passen.
Und so schickt Richard Ford seinen melancholisch veranlagten Mann auf eine Reise durch die Gegenwart und gleichzeitig Vergangenheit. Arnie Urquhart hat Probleme mit seinem kaputten Haus, seine Ex-Frau lebt in einem High-Tech-Pflegeheim, ein alter Freund ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und macht ihm eine überraschende Beichte. Frank erzählt von einer schwarzen Familie, die in einer weissen Gegend, obwohl gut situiert, nicht Boden unter die Füße bekommt und wieder wegzieht.
Der Wechsel zwischen innerem Monolog und Ich-Erzählung hält das Tempo immer schön hoch und Richard Ford lässt uns an der us-amerikanischen Gegenwart hautnah teilhaben. Frank schimpft über die Verhunzung der amerikanischen Umgangssprache, wir bekommen den Zerfall seines Körpers und auch der seiner Gesellschaft mit. Häuser liegen zerstört am Boden, das Pflegeheim ist ein Hochsicherheitstrakt, in dem jede Bewegung der Patienten elektronisch verfolgt wird. Die Politik ist keine Lösung und so bleiben ihm nur seine mäandernden Gedanken.
Richard Ford hat hier ein kleines Meisterwerk geschaffen und wenn er dieses Buch aus der Wirbelsturmkatastrophe heraus geschrieben hat, so dürfen wir hoffentlich noch mehr von Frank Bascombe erfahren. Denn Katastrophen stehen im Moment ja Schlange.


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Werner Färbers Ungereheimtheiten der Woche

Krokodil (gelangweilt)

Gelangweilt trieb ein Krokodil
den Fluss hinab ganz ohne Ziel.
Als es viel zu spät bemerkte,
dass die Strömung sich verstärkte,
war es zu spät sich aufzubäumen
gegen des Wasserfalles Schäumen.
Es stürzte lang und stürzte tief,
wobei es auch um Hilfe rief.
Doch kaum war’s unten angekommen,
hat es die Höh‘ erneut erklommen.
Und dies sogar mit großer Eile,
auf dass es sich nie mehr langweile!
Jauchzend stürzte es sich munter
den Wasserfall zigmal hinunter.

Der einsame Poet
(sehr frei nach Spitzweg)

Gedämpft dringt aus des Dichters Kammer
leises Schluchzen und Gejammer.
Ganz ohne Muse und allein
schläft er auf nassem Kissen ein.

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