Montag

IMG_6504

Heute haben
Leo Perutz * 1882
Odysseas Elytis * 1911
Hera Lind * 1957
Joey Goebel * 1980
Geburtstag

IMG_6505

Tarditionell zum Monatsanfang stellen wir hier das passende Monatsgedichtebuch aus dem Reclam Verlag vor.

november

„November“
Gedichte
Zusammengestellt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Umschlaggestaltung von Nikolaus Heidelbach
Reclam Verlag € 5,00

Wenn ich daran denke, dass jetzt schon November ist, wo doch gerade noch Sommer war, dann wird mir ganz weh ums Herz. In ein paar Wochen stehen wir vor dem Weihnachtsfest und danach beginnt ein neues Jahr.
Die Zeit rast. Ohne Unterlass. Um dieses Tempo innerlich abzubremsen und gedanklich zur Ruhe zukommen, sind diese „wirklichen“ Taschenbücher aus dem Reclam Verlag ausgezeichnet geeignet. Wir wechseln somit die Oktober Gedichte gegen diese von November in unseren Jackentasche und fallen ein wenig aus der Zeit, wenn wir darin lesen.
Ich wünsche Ihnen eine geruhsame Zeit bei der Lektüre.
Die beiden Herausgeberinnen haben einen schönen Reigen aus alten und neuen Gedichten zusammengestellt und es wieder geschafft, auf Goethe zu verzichten.

Adelbert von Chamisso
Der erste Schnee

Der leise schleichend euch umsponnen
Mit argem Trug, eh’ ihr’s gedacht,
Seht, seht den Unhold! über Nacht
Hat er sich andern Rat ersonnen.
Seht, seht den Schneenmantel wallen!
Das ist des Winters Herrscherkleid;
Die Larve läßt der Grimme fallen; –
Nun wißt ihr doch, woran ihr seid.

Er hat der Furcht euch überhoben,
Lebt auf zur Hoffnung und seid stark;
Schon zehrt der Lenz an seinem Mark.
Geduld! und mag der Wütrich toben
Geduld! schon ruft der Lenz die Sonne,
Bald weben sie ein Blumenkleid,
Die Erde träumet neue Wonne, –
Dann aber träum’ ich neues Leid!

Theodor Fontane
Der erste Schnee

Herbstsonnenschein; des Winters Näh’
verrät ein Flockenpaar,
es gleicht das erste Flöckchen Schnee
dem ersten weißen Haar.

Noch wird, wie wohl von lieber Hand
der erste Schnee dem Haupt,
so auch der erste Schnee dem Land
vom Sonnenstrahl geraubt.

Doch habe acht! Mit einemmal
ist Haupt und Erde weiß,
und Liebeshand und Sonnenstrahl
sich nicht zu helfen weiß.

Christian Morgenstern
Erster Schnee

Aus silbergrauen Gründen tritt
ein schlankes Reh
im winterlichen Wald
und prüft vorsichtig Schritt für Schritt,
den reinen, kühlen, frischgefallenen Schnee.

Und Deiner denk ich, zierlichste Gestalt.

Gottfried Keller
Wie nun alles stirbt und endet

Und das letzte Lindenblatt
Müd sich an die Erde wendet
In die warme Ruhestatt,
So auch unser Tun und Lassen,
Was uns zügellos erregt,
Unser Lieben, unser Hassen
Sei zum welken Laub gelegt.

Reiner weisser Schnee, o schneie,
Decke beide Gräber zu,
Dass die Seele uns gedeihe
Still und kühl in Wintersruh!
Bald kommt jene Frühlingswende,
Die allein die Liebe weckt,
Wo der Hass umsonst die Hände
Dräuend aus dem Grabe streckt.

Und zum Abschluss ein Gedicht, das sich eher für den Abend eignet, aber gleichzeitig ein großes Loblied auf das gute Buch ist. Unter anderem.

Theodor Fontane
Rum-Lied

Mit einer Rumflasche zum 14.November 1866

Und ist auch noch so dünn der Tee
Und tut dir irgendwo was weh, –
Rum, Rum,
Und alle Schmerzen werden stumm.

Und liest du ein “sensations”-Buch
Voll Gift und Mord und Vaterfluch, –
‘rum, ‘rum,
Nicht alle Bücher sind so dumm.

Und geht im Leben etwas schief
Und steht der Barometer tief, –
‘rum, ‘rum,
Ein Tag gestaltet alles um.

Und ärgert dich ein Blick, ein Wort,
Tu’s rasch deiner Seele fort; –
“‘rum, ‘rum”
Ist aller Weisheit Satz und Summ’.

Und ist man endlich worden alt
Und wird es öd und wird es kalt, –
‘rum, ‘rum,
Wir wechseln unser Publikum.
____________________

Noch ein Nachschlag mit Werner Färbers Ungereimtheiten.

Das Wollschwein

Ein kleines Schwein mit Namen Bolle
war gemacht aus reinster Wolle.
Mit feiner Nadel war’s gestrickt
und obendrein sehr hübsch bestickt.

Selbst der lange Ringelschwanz
bestand aus Wolle gar und ganz.
Wollschwein Bolle war echt drollig,
und so knuffig und so wollig!

Unbemerkt, bei einer Rast,
verhakte sich das Schwein am Ast.
Als Bolle schließlich weiter wollte,
vergnügt er sich von hinnen trollte.

Munter fing er an zu rennen –
und sich gänzlich aufzutrennen.
Zu Ende ist des Lebens Lauf!
Wer wickelt nun die Wolle auf?

Der Raser

Der Raser sagt: „Wer bremst, verliert!“
Deswegen rast er kontrolliert,
als wäre es ein Wettbewerb,
ganz ungebremst in sein Verderb ...
________________________

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.
Nicht vergessen:
Morgen, Dienstag, den 3.November, stellen wir folgende vier neue Bücher vor:

Patrick Marnham: Schlangentanz / Berenberg Verlag
Marceline Loridan-Ivens: Und du bist nicht zurückgekommen / Insel Verlag
Liliane: Corobca: Der erste Horizont meines Lebens / Zsolnay Verlag
Serhij Zhadan: Mesopotamien / Suhrkamp Verlag

Es liest Clemens Grote.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s