Freitag

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Heute haben
Robert Louis Stevenson * 1850
Peter Härtling * 1933
und Rudi
Geburtstag
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Schön, diese Regelmäßigkeiten. Jeden Sonntag Skizzen von Detlev Surrey, jeden Monat ein Gedichte-Heftchen aus dem Reclam Verlag und alle zwei Monate eine neue Ausgabe von Sinn und Form. Daran erkenne ich dann, wie die Zeit verfliegt. Hatte ich nicht erst vor kurzem das letzte Heft hier vorgestellt?

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Heft 6/2015 von SINN UND FORM
Akademie der Künste € 11,00

mit Beiträgen von: Alejandro Zambra // Fabio Morábito // Tomás González // Julian Barnes // Christine Koschel // Hannelore Schlaffer // Gregor Dotzauer // Hans Joas // Henryk Grynberg // Friedrich Dieckmann // Henning Ziebritzki // Theresia Prammer // Giovanni Pascoli // Harald Hartung // Adam Zagajewski // D. H. Lawrence

Alejandro Zambra, den wir von der schönen Liebesgeschichte „Bonsai“, die im Suhrkamp Verlag erschienen ist, kennen, schreibt über seine nächtlichen Ferngespräche während seiner Arbeitszeit. Von Fabio Morábito gibt es Gedichte. Tomás González, der letztes Jahr in der vh Ulm zu Gast war, schreibt über Glühwürmchen, über einen Karpfenteich (s.gestern) und Nächte, die leuchten. Übersetzt u.a. von Peter Stamm. Julian Barnes redet über den Tod und schreibt über Sibelius. Es gibt Gedichte von Christine Koschel und Hannelore Schlaffer schreibt über die Briefschreibwut von Rilke.

Christien Kuschel
Der stille Fremde

Im taucherarm
ein heimatloser Untergeher
als Fetzenjunge vom Leben geheilt
zu den Wellen geworfen
der Ertrunkene dreht sich um
sieht seinen retter an
steinfremd

An den Taucher denkend -auf Lampedus 2013

Theresia Prammer schreibt über den italienischen Dichter Giovanni Pascoli.
Mönchsgrasmücken, Tamarisken, Bekassinen
Der Dichter Giovanni Pascoli

Oswald von Wolkenstein

oci oci oci oci oci oci,
fi fideli fideli fideli fi,
ci cieriri ci ci cieriri,
ci ri ciwigk cidiwigk fici fici.

Giovanni Pascoli

chioccola il merlo, fischia il beccacino;
anch’io torno a cantare in mio latino.
es flötet die Amsel, die Schnepfe schlägt ein;
auch ich singe weiter in meinem Latein.

Obwohl im deutschen Sprachraum bis heute kaum bekannt, war Giovanni Pascoli (1855 –1912) einer der großen Dichter des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Für Pier Paolo Pasolini, der ihm bereits in jungen Jahren ein Buch gewidmet hatte, stellte sein poetisches Denken und Wirken sogar die Grundlage der italienischen Gegenwartslyrik dar. Wie sein Lehrer, der Bologneser Universitätsprofessor Giosuè Carducci, verband Pascoli die Universitätslaufbahn mit der Berufung des Dichters. Sein Werk umfaßt Oden und Hymnen ebenso wie spirituell gefärbte Verse; die exaltierten Züge des Fin de siècle spiegeln sich darin und lassen doch Raum für das Privat-Alltägliche, Erlebte, »Nicht-zu-Erfindende« (Pascoli). Dem aulisch-rhetorischen Gestus D’Annunzios stand Pascoli trotz gegenseitiger Wertschätzung eher distanziert gegenüber; seine besten Dichtungen bleiben symbol- und bildverhaftet, mit suggestiven Ausrufen und fragmentarischen Einsprengseln direkter Rede.
Der Gegensatz zwischen urbaner, gesellschaftlicher Realität und ländlich-bäuerlicher Intimität bildet den Hintergrund seiner wichtigsten Gedichtbände »Myricae « und »Canti di Castelvecchio«. In ihnen verknüpft sich das Heimweh nach dem »Nest«, dem Hort vertrauter Räume und familiärer Zuneigungen, mit einer obsessiven und großartigen Präzision im Hinblick auf Orte und Schauplätze, botanische und zoologische Kategorien und Begriffe.

Gregor Dotzauer
Innen Leben
Abschied von einer romantischen Idee

In Peking hängen die Wolken an versmogten Tagen so tief, daß einem der Himmel bis in den Hauseingang nachkriecht. Das Firmament hockt auf der nächsten Laterne, und die Sonne ist vollständig pulverisiert. Die Stadt besitzt dann ein gesteigertes Fluidum. Ihre zerklüftete Silhouette zerfließt im Schwebstaub, und sobald es Abend wird, rücken die Fassaden der Wolkenkratzer schimmernd auf einen zu und entfernen sich wieder. Wenn danach die sogar bei Vollmond mondlose Nacht einsetzt, verschwimmen im Dunst die aus allen Richtungen heranwogenden Meere pulsierender Schriftzeichen, und über den Brücken der inneren Ringstraßen steigen bengalische Sumpflichter empor, die einen in unbekannte Viertel locken. In dem Augenblick, in dem man ihre Quelle endlich ausfindig gemacht zu haben glaubt, verlöschen sie und flackern woanders auf.

Bis wir nach weiteren Beiträgen zu D.H. Lawrence kommen, der heute Geburtstag hat. Volltreffer!
In Apropos Lady Chatterleys Liebhaber schreibt er über die Veröffentlichung dieses Romanes, seine Erfolge, oder auch nicht und dass Raubdrucker schwer am Werke waren und er nicht wusste, ob er aus moralischen Gründen bei denen auch die Hand aufhalten soll, oder sie schnöde verachten. Ein Dilemma. Sehr fein und lustig, bildet dieser kurze Text einen perfekten Schluss für eine sehr unterhaltsame Ausgabe der neuen Sinn und Form-Nummer.

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