Samstag, 23.Januar

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Heute haben
Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Derek Walcott * 1930 (Nobelpreis 1992)
Geburtstag

Aber auch Jeanne Moreau, Humphrey Bogart und Éduard Monet.

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Unser heutiger Buchtipp:

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Oliver Sacks: „Dankbarkeit
Mit Fotos von Oliver Sacks‘ Lebensgefährten Bill Hayes
Aus dem Englischen von Hainer Kober
Rowohlt Verlag € 8,00
als eBook € 7,99

„Ich habe den Tod vor Augen, aber mit dem Leben noch nicht abgeschlossen“

Oliver Sacks ist uns durch seine neurologischen Fallgeschichten bekannt geworden. Seine Bücher wurden große Bestseller, verfilmt und werden auch jetzt noch, viele Jahre nach Erscheinen, nachgefragt. Kurz vor seinem Tod im Sommer 2015 erschien seine Biografie, die auch bei uns im Buchladen auf großes Interesse stieß. Sacks wusste, dass er Krebs hat, meinte die Krankheit im Griff zu haben, als im mitgeteilt wurde, dass er Metastasen in der Leber habe. Ihm bleibe nicht mehr viel Zeit, sagten ihm die Ärzte. Statt nun zu verzweifeln und mit dem Leben, oder besser mit dem Tod zu hadern, setzt er sich hin und schreibt ein paar Essays, die in der New York Times veröffentlicht wurden. Er macht sowohl seine Homosexualität öffentlich (in der Biographie „On The Move“), als auch seine Krankheit und sein bevorstehender Tod durch diese kurzen Zeitungstexte.

„Ich kann nicht behaupten, ohne Furcht zu sein. Doch mein vorherrschendes Gefühl ist das der Dankbarkeit. Ich habe geliebt und wurde geliebt, ich habe viel bekommen und wenig zurückgegeben. Vor allem war ich ein fühlendes Wesen auf diesem Planeten, und schon das allein war ein wunderbares Privileg und Abenteuer.“

„Dankbarkeit“ heisst das schmale, schön gemachte Büchlein und das spiegelt sich auch in den vier kurzen Texten. Er ist dankbar für sein erfülltes Leben, das nicht immer einfach war. Er ist dankbar für seinen Freundeskreis. Er ist dankbar, dass er in seinen letzten Wochen noch so klar im Kopf ist, um über sich und sein Leben zu refelktieren und dies auch noch so treffend aufs Papier zu bringen.
Wir sollten ihm dankbar sein, dass wir diese Texte in Händen halten dürfen.
Sacks war Forscher, Arzt und lebte in dieser Wissenschaftswelt. Er schreibt, dass er es vermisst, nicht gereist zu sein. Nicht mehr von der Welt gesehen zu haben. Seine Welt waren seine Patienten, seine wissenschaftlichen Arbeiten. Dass dies zu solchen Besonderheiten führte, dass er seine Lebensjahre der Nummerierung der chemischen Elemente zuordnete, finde ich wunderbar. Davon habe ich noch nie gehört, aber gleich mal nachgeschaut und gefunden, dass mein neues Lebensjahr mit der Zahl 57 im Periodensystem korrespondiert und dass Lanthan sich dahiner versteckt. Das habe ich sofort für ein kleines Spielchen benutzt: Sam Lanthan Wiltschek.
Oliver Sacks schreibt über seine jüdisch orthodoxe Familie in „Sabat“ und die Enge in England. Er schreibt jedoch auch über sein großes Glück, dass er den Weg von dort hinaus in die neue Welt gefunden hat.
Er schreibt über Freunde, Bekanntschaften und wir finden immer wieder wunderbare Sätze, Zitate und Bemerkungen, die sehr tröstlich sind. Nicht nur, wenn es an das Lebensende geht.
Wie schön, dass ich nicht tot bin“, ruft er laut an einen schönen Tag und erinnert sich an einen Satz von Samuel Beckett, der bei einem Spaziergang durch Paris auf die Frage eines Freundes: „Sind Sie an einem solchen Tag nicht glücklich, dass Sie leben?“, antwortete: „So weit würde ich nicht gehen.“

Das Buch passt in jede Tasche, ist schnell gelesen und wartet darauf, nochmals gelesen, oder verschenkt zu werden. Es gibt diese Ausgabe auch als eBook, kostet einen (1!) Cent weniger und hat dafür überhaupt gar nichts, aber auch gar nichts von der Schönheit dieses kleinen blauen Büchleins mit goldgeprägtem Texten auf dem Umschlag.
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Morgen gibt es wieder Detelf Surreys Sonntagsskkizzen.
Skizzen vom „Bar Sketchen“ am Montag. Diesmal aus dem „Scotch & Sofa“ in Berlin Prenzlauer Berg.

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