Mittwoch, 10.Februar

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Heute haben
Giuseppe Ungaretti 1888
Boris Pasternak * 1890
Bertolt Brecht * 1898
Jakov Lind * 1927
Helga Schütz * 1937
Asne Seierstad * 1970
Geburtstag

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Guiseppe Ungaretti
O notte

Dall’ampia ansia dell’alba
Svelata alberatura.

Dolorosi risvegli.

Foglie, sorelle foglie,
Vi ascolto nel lamento.

Autunni,
Moribonde dolcezze.

O gioventù,
Passata è appena l’ora del distacco.

Cieli alti della gioventù,
Libero slancio.

E già sono deserto.

Preso in questa curva malinconia.

Ma la notte sperde le lontananze.

Oceanici silenzi,
Astrali nidi d’illusione,

O notte.
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Taxi Teheran
Regie: Jafar Panahi
Iran 2015
DVD € 12,99

„Obwohl es mein Herzenswunsch wäre, hat dieser Film keinen Abspann. Ich stehe tief in der Schuld all derer, die mitgeholfen haben, ihn zu machen.“

So endet dieser Film und es wird uns wieder vors Auge geführt, dass Jafar Panahi ihn illegal gedreht hat.
Er gilt als der wichtigste gegenwärtige Regisseur im Iran, wurde mit einem 20jährigen Berufsverbot und sechs Jahren Hausarrest verurteilt. Seit dieser Zeit hat er drei Filme gedreht, in denen er auch die Hauptrolle spielt, und ausser Landes geschmuggelt hat.. „Taxi Teheran“ gewann 2015 den Goldenen Bären in Berlin.
Um was geht es in diesem Film?
Jafar Panahi spielt sich selbst als taxifahrenden Filmemacher Panahi, fährt mit einem Privattaxi durch Teheran, gabelt Menschen auf, fährt hinhin und dorthin, trifft sich mit einem Freund und holt seine vorlaute und altkluge Nichte von der Schule ab. Panahi fährt durch seine Stadt und dreht mit kleinen Kameras, die in seinem Auto installiert sind, einen Film, was ihm verboten ist. Er zeigt uns seine Welt, lässt seine Insassen reden, erzählen, streiten und sitzt mit einem verschmitzten Lächeln am Steuer. Wir können nicht hinter seine Maske schauen. Nur einmal wird er ernst, als er meint eine Stimme auf der Straße gehört zu haben, die er kennt. Es war die Stimme eines Mannes, der ihn im Gefängnis verhörte, in dem er für Monate einsaß und erst nach einem Hungerstreik und einer hohen Kaution freigekommen ist.
Panahi nimmt uns mit auf eine Reise durch die reale Welt dieser großen Stadt, nimmt von seinen Kunden nicht immer Geld, sondern lässt sich durch ihre Geschichte bezahlen. Und wir sind als Gäste eingeladen.
Er nimmt einen Bekannten mit, der Raubkopien von Filmen vertickt. Zwei alte Damen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt, zwei Goldfische in einer bestimmten Quelle aussetzen müssen. Dass das Goldfischglas bei einer scharfen Bremsung zu Bruch geht, ist klar. Die Reise wird jedoch mit einer Plastiktüte und den Fischen fortgesetzt. Ein Mann streitet mit einer Frau, weil er für die Todesstrafe plädiert, während die Dame für mehr Menschlichkeit eintritt. Dass dieser Mann sich als Taschendieb outet, zeigt die verschmitzte Art des Filmes.
Panahi versteht es perfekt, die brutale allgegenwörtige Staatsgewalt mit Situationskomik zu verknüpfen. Seine kleine Nichte soll in derSchule einen zeigbaren Film drehen, filmt die ganze Zeit mit Ihrer kleinen Digitalkamera und liest Panahi die Regeln vor, die zu beachten sind. Dass so kein guter, ehrlicher Film enstehen kann, ist nicht nur dem filmemachenden Onkel sofort klar. Kurz darauf steigt eine Dame mit einem großen Strauß roter Rosen ein. Es ist die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh, die selbst drei Jahre im Gefängnis saß. Auch sie lacht und scherzt, als wäre nichts geschehen und will zu ihrer Mandantin, die sich im Hungerstreik befindet.
Panahi zeigt uns eine große Bandbreite von Menschen aus dem heutigen Teheran und hält der Regierung einen Spiegel vor. Dies alles ohne Hass, sondern mit einem Lächeln. Einem undringlichen Lächeln, bei dem eigentlich nur noch die Tränen fehlen. Die müssen wir uns denken. Ein Film gegen seine eigene Angst, ein Film über seine Vergangenheit und seine Gegenwart.
Jafar Panahi hat viel gewagt und zumindest zwischenzeitlich gewonnen. Eine geschmuggelte Kopie gewann auf der Berlinale 2015 die höchste Auszeichnung.


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Donnerstag , 18.Februar um 19 Uhr
Zora del Buono liest aus:
„Gotthard“ und „Das Leben der Mächtigen“
Bei uns in der Buchhandlung € 10,00

Zora del Buono war Mitbegründerin der Zeitschrift mare und auf Ihrer Website finden sich einige journalistische Arbeiten von ihr.

t-luederitz

Deutsche Geister
(erschienen in mare No. 83, 2011)
Fotos: Jörn Vanhöfen

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