Freitag, 1.April

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Heute haben
Abbé Prevost * 1697
Nikolai Gogol * 1809
Edgar Wallace * 1875
Carl Sternheim * 1878
Milan Kundera * 1929
Rolf Hochhuth * 1931
Geburtstag

Christian Morgenstern

Die Sitte des In-den-April-Schickens ist bei uns lange nicht genug verbreitet und geübt. Der erste April müßte ein wahrer Festtag für die Nation werden, ein Dies Saturnalis – in jedem Falle ein liebenswürdigerer Feiertag als mancher offizielle.
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Blau ist eine warme Farbe
La vie d’Adèle, chapitres 1 & 2
Regie: Abdellatif Kechiche
Frankreich 2013
FSK ab 16
Alive DVD € 19,95

Julie Maroh: „Blau ist eine warme Farbe
Splitter Verlag € 22,80

Adèle steht im Mittelpunkt dieses sehr intensiven Filmes. Wir sehen sie in den Anfangsszenen im Detail. Ihr Gesicht, ihre Hände, ihr Mund, ihr Hintern. Wir sehen, wie sie isst, sich die Haare zusammenrauft, wie sie sich inmitten ihrer Schulfreundinnen bewegt und mit ihren Eltern am Tisch sitzt. Näher könnte die Kamera nicht an sie heran. Sie lebt intensiv. Sie schiebt sich die nächste Gabel Spaghetti schon in den Mund, als sie noch nicht hinuntergeschluckt hat und wischt sich mit dem Handrücken den tomatenrot verschmierten Mund ab.
Alles ändert sich, als sie ein älteres Mädchen mit blauen Haaren trifft. Es scheint wohl Liebe auf den ersten Blick zu sein. Eine Liebe die sie bis ins Innerste trifft und die sie nicht mehr loslässt.
In der Comicvorlage ist dieses blau die einzige Farbe innerhalb der schwarzweissen Zeichnungen. Blau taucht jedoch auch im Film dauernd auf. In der Natur, in der Kleidung, in Kleinigkeiten, in Wohnungen, auf der Straße. In der letzten Szene trägt Adèle ein blaues Kleid und verschwindet um eine Häuserecke.
Adèles erste Liebe sorgt natürlich unter ihren Schulfreundinnen für großes Interesse. Wobei es sich in der Öffentlichkeit um einen Mitschüler handelt, mit dem sie auch ihren ersten Sex hat. Es ist nicht das, wonach sie gesucht hat. Der Ton der Freundinnen wird lauter, agressiver und als klar wird, dass ihre wahre Liebe einem Mädchen gilt. Es kommt es zu tumultartigen Szenen zwischen den Schülerinnen, die sich beschimpfen und zu prügeln anfangen. Adèles Freundin Emma holt sie nämlich von der Schule ab und von diesem Zeitpunkt an, sind sie unzertrennlich. Was nun folgt, sind Sexszenen, die in Frankreich heftig diskutiert worden sind, von der Zeichnerin der Graphic Novel schwer kritisiert und von den Schauspielerinnen unterschiedlich interpretiert wurden. Sie sind auch dafür zuständig, dass der Film erst ab 16 Jahren freigegeben wird.
Diese Liebesszenen der beiden jungen Frauen sind so nah,wie vorher das Gesicht und die Hände von Adèle. Genauso intensiv wie eine frische Liebe, eine Liebe, die wie ein Blitz zugeschlagen hat, in der es kein Halten mehr gibt.
Der Regisseur nimmt sich Zeit. Fast drei Stunden geht der Film und es gibt keine langweilige Minute darin. Er zeigt uns die Phase der Annäherung der beiden, das Kennenlernen der jeweiligen Eltern und kommilitonen, aber auch die ganz langsame Entfremdung.
Denn so nahe die Adèle und Emma zu Beginn sind, so spüren wir Zuschauer doch, dass sie nicht in die Szene der schicken Kunststudenten passt. Nicht in das Umfeld von Galeristen und Kunstkritikern. Sie kocht auf einem Fest von Emma für alle und merkt gleichzeitig, dass die Menschen um sie herum nur über Klimt und Schiele reden.
Bei einem Gespräch fordet Emma ihre Freundin auf, etwas aus sich zu machen, das zu tun, wozu sie Lust hätte. Sie solle schreiben, sich verwirklichen. Adèles Einwand, dass Lehrerin doch ihr Herzenswunsch ist, stößt auf taube Ohren.
Im Film verfolgen wird die beiden jungen Frauen einige Jahre. Jahre, in denen die Leben der beiden sich verändern, auseinander entwickeln. Adèles Trauer ist so groß wie ihre Extase. (In der ZEIT der letzten Woche sagt Laurie Anderson über ihren neuen Film, dass Trauer die andere Seite der Extase ist. Und genau das trifft auch hier zu.) Sie heult Rotz und Wasser. Diese Trauer verändert sich, bleibt aber tief in ihr drin und wir sind als Zuschauer auch hier so nahe dabei, wie zu Beginn des Filmes, als es ums Essen geht.
Der Film wurde in Cannes 2013 als bester Film ausgezeichnet und die beiden Schauspielerinnen wurden als beste ihres Faches geehrt. In Grossbritannien erhielt der Film den Preis für den beste ausländische unabhängige Produktion. Und auch die Comicvorlage wurde mehrfach ausgezeichnet.


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Kommenden Dienstag gibt es wieder eine „Erste Seite“.
Nicht vergesse, Um 19 Uhr geht es los.
Als Gast haben wir Florian Arnold und Live Musik.

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