Mittwoch, 27.April

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Heute haben
Arnold Höllriegel * 1883
Cecil Day Lewis * 1904
Zhang Jie * 1937
Aminata Sow Fall * 1941
Geburtstag
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Unser heutiger Buchtipp:

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Monika Maron:Krähengekrächz
S.Fischer Verlag €12,00

Krähen verfolgen uns durch die ganze Menschheitsgeschichte. In der Malerei können wir erkennen, ob sie Tod ankündigen, in dem sie den Kopf aus dem Bild heraus wenden, oder ob sie ins Bild schauen. Hitchchocks Vögel hat wohl alle beeindruckt, auch wenn dort viel montiert worden ist. Durch das Buch „Rabenschwarze Intelligenz“ von Josef Reichholf und natürlich durch das kleine Krähen-Buch im Verlag Matthes&Seitz in der Naturkunden-Reihe haben wir viel über diese schwarzen, etwas unheimlichen Tiere erfahren. In den Bäumen auf dem Judenhof bei unserer Buchhandlung sitzen sie auch und wenn es an’s Brüten geht, hören wir den ganzen Tag das Kra-kra. Sie attackieren uns beim Wasserholen im Brunnen unterhalb der Bäume und die Kaffeehaus- und Pizzerzia-Besucher ganz in der Nähe wissen ein Lied von ihnen zu singen.
Monika Marons erzählerisches Werk ist voller Tiere, was vielleicht im ersten Moment nicht auffällt. Lesen wir jedoch das Nachwort zu diesem Buch von Elke Gilson, fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Und was als Recherche für einen neuen Roman begann, wurde für Monika Maron zur Obsession und als Endprodukt halten wir, ganz aktuell, das schmale, gebundene Buch „Krähengekrächz“ in Händen.
Tiere waren ihr immer schon nahe, ein Hund ist ihr ständiger Begleiter. In Filmen, in denen ein Tier stirbt, weint sie jetzt noch. Wenn jedoch Menschen im Film getötet werden, reagiert sie ganz anders. Als sie einen Zeitungsbericht liest, in dem über Krähen in Berlin berichtet wird, interessiert sie sich immer mehr für diese Tiere, beobachtet sie, füttert sie, will sich mit ihnen befreunden. Sie macht sich Gedanken über ihr Leben, ihr Alter und den nahenden Tod. Sie füttert die Vögel, die sich immer näher an sie herantrauen und sie bei Spaziergängen (bis zu einer bestimmten Straßenkreuzung in Berlin) begleiten. Sie bringt sie so weit, dass sie sogar die Schwelle von der Terrasse ins Wohnzimmer überschreiten.
Gleichzeitig erzählt Monika Maron über ihr Verhältnis zu anderen Tieren, dass sie nie wieder einen Zoo betreten will, wenn er mehr beherbergt als Ziegen und Hängebauch-schweine. Sie macht es jedoch trotzdem noch einmal, weil Judith Hermann einen durchgeknallten Eisbären im Karlsruher Zoo beobachtet hat und sie dieses verzweifelte Tier anschauen will.
In einem extra Kapitel wandert Monika Maron mit uns durch die Literatur und zeigt uns ihre Krähen-Stellen in Gedichten von Droste-Hülshoff und Fontane, oder im Werk von Philip Roth.
Sie kommt zurück zu ihren persönlichen Erfahrungen mit den Krähen, schreibt über das Tier in ihr, über ihre Wut und Trauer angedenk der vielen Kriege auf unserer Erde und weiß selbst nicht, wie lange ihr Verhältnis zu diesen Vögeln noch andaueren wird. Sie weiß nun genug über sie, damit sie sie in ihrem nächsten Roman mitspielen lassen kann. Sie sind ihr mittlerweile die verlässlichsten Freunde am Tag (außer ihrem Hund).
„Naja, sagt Michael (ihr Freund), das ist dein Weg zurück ins Paradies.“

Leseprobe
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vh Ulm
„Während die Welt schlief“
Lesung mit Soraya Sala aus Susan Abulhawas Roman
In Zusammenarbeit mit dem Verein Ulmer Weltladen e. V.
Heute, Mittwoch, 27. April, 20 Uhr
Eintritt € 5,00/4,00

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Werner Färbers Ungereimtheiten der Woche

Die Fleddermaus

Zu Beginn der Dämmerung
gerät die Fledermaus in Schwung.
Sie kommt aus ihrem Schlafquartier
und jagt gekonnt Insektentier.

Mit eingebautem Echolot
sammelt sie ihr Abendbrot.
Doch die Signale, die sie hört,
sind mit einem Mal gestört!
Der sonst perfekte Steuersinn
ist ganz plötzlich einfach hin!

Orientierungslos im Raum
saust sie voll in einen Baum.

Taumelnd, hilflos, kreuz und quer
geht’s zwischen Ästen hin und her.
Nur mit Glück findet sie raus –
die arg zerzauste Fleddermaus.

Nachruf auf einen Schauspieler

Lang ist die Liste seiner Rollen,
die da reicht vom arg Verklemmten
bis hin zum geilen Liebestollen
oder emotional Enthemmten.
Auch spielte er den Überflieger,
den widerlichen Misanthropen
und den heimgekehrten Krieger
oder einen keuschen Popen.
Ja, dieser Mann war ein Genie –
allein sich selbst spielte er nie.

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