Mittwoch, 25.Mai

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Heute haben
Ralph Waldo Emerson * 1803
Max von der Grün * 1926
Raymond Carver * 1938
Jamaica Kincaid * 1949
Geburtstag.

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Zum Geburtstag des großen us-amerikanischen Kurzgeschichten-Schreiber Raymond Carver passt unser heutiger Buchtipp:

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Judith Hermann:Lettipark
Erzählungen
S.Fischer Verlag € 18,99
Natürlich auch als E-Book

Als Judith Hermann das letzte mal in Ulm war, spielte sie nachmittags mit ihrem Sohn im Sandkasten. Jetzt sind einige Jahre vergangen, der Sohn sicher schon groß, größer als die Mamá und Judith Hermann ist Mitte 40. Das spiegelt sich auch in ihren Erzählungen wieder. Es sind nicht mehr die Empfindlichkeiten junger Leute, die sich im Kaffeehaus treffen, mal eben mit dem Rucksack um die Welt reisen. Wie schon in „Alice“, einem frühen Band mit Erzählungen, geht es in „Lettipark“ ums Abschiednehmen, um Beziehungen, die schon lange halten, um Freundschaften, die sich aufgelöst haben und ums Altwerden. Um Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben, um in die Luft gezeichnete Träume und Reisen an längst überfällige Orte.
Judith Hermann schafft es wieder gekonnt Worte zu setzten, daraus Sätze zu bilden, so dass wir in in dieser kurzen Form meinen, einen ganzen Roman gelesen, ein langes Leben mitbegleitet zu haben. Es sind Formulierungen dabei, die ich gerne unterstreichen würde, die vielleicht aber im freien Raum ihre Wirkung verlieren und nur in diesem einen Zusammenhang ihre Würde entfalten können. Judith Hermanns kurzer Blick auf kleine Situationen, auf Momentaufnahmen des Lebens ist sehr klar und präzise, wie ihre Sprache. Und wenn wir eininge ihrer Erzählungen hintereinander weglesen, merken wir, wie daraus ein großes Mosaik entsteht. Ein Bild über uns und unsere Beziehungen. Wie nah können wir jemandem sein? Wie gut kennen wir einander? Es ist oft ein Blick, eine Bewegung, oder ein Bild aus einem alten Schuhkarton und wir werden hineingeworfen in längst vergangene Tage, oder in die nahe Zukunft. Wer weiss das schon. Vielleicht steckt in diesen Texten auch eine große Portion Sehnsucht nach einem erfüllten Leben.

www.judithhermann.de

Judith Hermann im Gespräch mit Silvia Bovenschen

Wir haben Judith Hermann wieder nach Ulm eingeladen.
Sie liest im Ulmer Roxy am Donnerstag, den 16.Juni ab 20 Uhr.
Der Kartenvorverkauf läuf.
Nutzen sie die Gelegenheit. Wer weiss, wann sie wieder nach Ulm kommt.

Lettipark

Wie schön Elena gewesen ist! Ein mageres schönes Mädchen, schwarzäugig und dunkelbraun, angespannt wie eine Bogensehne und mit einer Röte im Gesicht, als würde sie sich immerzu in die Wangen kneifen. Elena war kräftig, mutig, heiter und gereizt, sie war immer auf der Hut. Sie trug Röcke über Hosen wie eine Zigeunerin, billigen Schmuck und keine Schminke, und ihre Haare waren so verfilzt, als würde sie den ganzen Tag im Bett liegen, rauchen, die Asche auf den Boden schnippen und
die Beine breit machen. Abends jedenfalls ging sie arbeiten, in einer Kneipe in einer Straße mit kaputtem Kopfsteinpflaster, verfallenen Häusern, offenen Haustüren, Akazien rechts und links, Birken auf den Höfen. Im Winter roch es nach Kohle und im Sommer nach Ginster und Staub. Elena war eine, die sich am Abend die Haare mit einem Bleistift zum Knoten hochsteckte. Sie zog einen rostroten Rock über eine minzegrüne Hose, schloss die Kneipe auf, kehrte mit dem Besen die Zigaretten-
stummel raus, nahm sich ein Bier, drehte die Musik auf und die bunte Glühbirnenkette zwischen den Akazienästen an. Später kamen alle vorbei. Elena war das schönste Mädchen der Straße.
….

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