Donnerstag, 9.Juni

 

Heute haben
Bertha von Suttner * 1843
Rudolf Borchardt * 1877
Richard Friedenthal * 1896
Curzio Malaparte * 1898
Jurij Brezan * 1916
Patricia Cornwell * 1956
Wolfram Fleischhauer * 1961
Geburtstag
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Milena Busquets: „Auch das wird vergehen
Aus dem Spanischen von Svenja Becker

Blanca lebt in Barcelona, ist 40 Jahre alt und ihre Mutter ist gerade gestorben. Soweit stimmt dies mit der Biografie der Autorin überein. Diese arbeitet als Journalistin und ist die Tochter eines Verlegers. Sie kennt sich also aus im literarischen Betrieb und hat hier ein schmales Büchlein geschrieben, das sich in Spanien zu einem schönen Erfolg entwickelt hat. Der Roman riecht förmlich nach einer Verfilmung, was einerseits sicherlich gut funktionieren kann, andererseits die Bilder im Kopf zudecken wird. Denn genau diese Menschenbeschreibungen, die Situationen und Gespräche hat Milena Busquets sehr gut umgesetzt, auch wenn mir manchmal ein kantiges Männerkinn zuviel darin vorkam.
Die Beerdigung von Blancas Mutter steht zu Beginn des Romanes und wir lesen über die große Trauer und Leere der Hauptperson. Aber auch über ihre Zerrissenheit im Verhaltnis Mutter-Tochter. Es ist Sommer, die Stadt glüht und so nimmt sie das Angebot an, mit Sack und Pack auf den Sommerwohnsitz der Familie zu fahren. Das Auto wird gepackt. Beide Kinder (5 und 13) von zwei Männern, das Kindermädchen, eine Freundin und deren Kind mitgenommen. Dort warten schon ihre beiden Exmänner und ihr aktueller Geliebter. Aber nicht nur das. Sie trifft dort einen weiteren interessanten Mann. Es wird viel geredet, getrunken, gekocht und gegessen, gelacht und diskutiert. Es wird geliebt und gestritten. Hier findet also das wirkliche, pralle Leben statt. Genau das Gegenteil zu dem, wie es in ihrem Kof aussieht. Irgendwie ist dieser Ort der Zeit entrückt. Und doch verfolgt die Mutter Blanca auf Schritt und Tritt und holt sie in die Wirklichkeit zurück.
Es sind die Stunden am frühen Morgen, wenn alles noch frisch ist, die Zeit nach dem Mittagessen, wenn die Weißweinflaschen geleert sind und die langen, warmen Nächte, die mit Reden und Sex ausgefüllt sind. Die Männer um Blanca herum gockeln, plustern sich auf, was sie einerseits genießt, was aber auch anstrengend ist.

„Soviel ich weiß, ist das Einzige, was einem keinen Kater verursacht und was für Augenblicke den Tod – wie auch das Leben – verschwinden lässt, Sex.“

Diese kurzfristige Lebensgemeinschaft erinnert mich etwas an Tschechow, dessen Personen auch der Wirklichkeit entrückt sind. Allerdings versteht es das Personal von Milena Busquets Roman zu leben und nicht nur zu jammern.
Sie werden den Roman in kürzester Zeit verschlingen, sich zurücklehnenund wir hier im Süden werden den Sommer herbeisehnen, den es noch nicht gibt. Sie werden sich vielleicht den einen und anderen Satz unterstreichen und flott über manche Passage hinweglesen. Sie werden in die Trauer und Bitterkeit von Blanca genauso eintauchen, wie in ihr pralles Leben hier im Jetzt. Der Alltag kommt schneller als gedacht.

Leseprobe
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Nicht vergessen:
Heute in einer Woche ist Judith Hermann im Ulmer ROXY und mit € 9,95 sind Sie mit dabei. Nützen Sie diese Gelegenheit, einer der großen deutschen Autorinnnen kennenzulernen.

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Ich verschwinde heute nachmittag Richtung Norden auf eine Buchhändlertagung. Deshalb wird es Freitag und Samtag keine Blogeinträge geben. Natürlich jedoch die Sonntagsskizzen von Detlef Surrey.

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