Mittwoch, 6.Juli

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Heute haben
Unica Zürn * 1916
Bernhard Schlink * 1944
Bodo Kirchhoff * 1948
Hilary Mantel * 1952
Geburtstag.
Aber auch Roger Cicero, der vor kurzem gestorben ist und Dalai Lama, Bill Haley und Hanns Eisler.
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Unser heutige Buchtipp:

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Botho Strauß: „Herkunft
dtv € 8.90
Ungekürzte Lesung mit Burghart Klaußner auf CD € 14,99

Zu seinem 70.Geburtstager erschien im Hanser Verlag ein kleiner Erinnerungsband an seinen Vater. Jetzt gerade als Taschenbuch bei dtv herausgekommen.
Damit verbunden natürlich ein Buch über seine eigene Kindheit und seine eigene Jugend. Dies ist insofern interessant, da diese Zeitspanne von den 40er bis zu den 50erJahren in Naumburg und Band Ems nie Thema seines großen Werkes war. Botho Strauß, der ehemalige Wilde des deutschen Theaters und meistgespielte Autor auf deutschen Bühnen, hat seine Meisterschaft genauso in literarischen kurzen Formen gefunden. Nicht zuletzt der Band mit sehr ruhigen Texten aus der Uckermark, dort wo der „alte Wolf“ sich zurückgezogen hat, wenn ihm Berlin zu laut wird.
Hier nun, auf den knapp 100 Seiten, findet er einen neuen Ton, den wir von ihm nicht gewohnt sind. Es sind Erinnungerungen an seinen Vater, die ihn geprägt haben. Sein Vater war es wohl, der das Bild der Familie dominiert hat, der durch seinen festen Tagesrhythmus, seine pedantische Art, sich auch daheim nur fein gekleidet zu bewegen, alles bestimmte. Er, der als junger Mann freudenstrahlend in den ersten Weltkrieg zog, dort ein Auge verlor und als Pazifist zurrückkehrte. Er, der trotzdem an Hitler und das große Deutschland glaubte, half mit einem Brief, dass sein Sohn Botho nicht zur Bundeswehr musste. Er, der eigentlich Arzt werden wollte, aber aus Geldgründen nur Apotheker wurde. Der Erfindungen in der Tasche hatte, damit aber nie reich wurde. Er, der eine eigene Literaturzeitung gründete, die er mit humorigen Texten und sehr konservativen Witzen füllte und an seine Kundschaft weitergab.
Andere Autoren würden daraus ein lustiges Erinnerungsbuch machen. Anektoden gibt es wirklich genug, die geeignet dafür wären. Anders jedoch Botho Strauss. Es ist seine sehr ruhige Art, sein liebevoll gezeichnete Bild seines Vaters, mit dessen Ideen er oft überhaupt nicht einverstanden war, was diesen Text ausmacht. Er verklärt seinen Vater nicht, er rächt sich auch nicht an ihm. Nach langer Zeit bemerkt der 70jährige Autor sicherlich auch, was er mit seinem Vater gemeinsam hat. Gemeinsamkeiten, an die er als aufmüpfiger Jugendlicher wohl nie gedacht hätte.
Mit der Auflösung des elterlichen Hauses endet der Text.
Morgen wird die Wohnung entrümpelt. Morgen wird mein Zuhause aufgelöst.

Ich bin Deutscher: aufgewachsen mit Grimms Märchen und Elvis Presley, Karl May und General Eisenhower, Wagner und James Dean. Woher soll ich meinen Realismus nehmen?

Wann war’s? 1956, 57? Ems zur Weihnacht, das langersehnte Geschenk: Zehnplattenwechsler, leider nicht Dual, sondern Perpetuum Ebner, und gleich ein paar Platten dazuz, Elvis, Johnny Ray, Harry Belafone, kleine mit 45er Umdrehung, außerdem das Adagio aus Bruchs Violinkonzert, Lieblingsstück meines Vaters, ...

Leseprobe

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