Dienstag, 9.August

IMG_0183

Heute haben
Tove Jansson * 1914
Willi Heinrich * 1920
Klaus Nonnenmann * 1922
Michel * 1984
Geburtstag.
______________________________

Unser heutiger Buchtipp:

Cline_25268_MR.indd

Emma Cline:The Girls
Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl
Hanser Verlag € 22,00
Auch als Hörbuch und E-Book erhältlich

Dieses Debüt einer 25jährigen unbekannten Autorin hat eingeschlagen wie eine Bombe. Das liegt nicht nur an dem Millionenbetrag, der ihr als Vorschuss bezahlt wurde oder an den bereits verkauften Filmrechten, sondern sicher auch an dem Thema: Ein sehr junges Mädchen gerät in den Einfluss einer Hippiesekte, im hitzegeschwängerten Kalifornien am Ende der 60er Jahre, die einen Ritualmord nach dem gleichen Muster wie die Manson Familie begehen wird.
Wollte man das Buch jedoch auf diesen Plot reduzieren, würde man ihm in keiner Weise gerecht werden. Die 14-jährige Evie, von den sich gerade getrennten Eltern vernachlässigt, steht am Anfang ihres Erwachsenenlebens. Sie erwacht, will gesehen, geliebt werden. Das Bild, das sie selbst von sich hat, erscheint ihr eher mittelmäßig, uninteressant. Evie beobachtet und bewertet jedoch auch ihre Umgebung, die Menschen um sich herum sehr genau.

Und genau hier beginnt diese Geschichte wirklich interessant zu werden. Evies Sicht auf die Dinge und Zusammenhänge, auf ihre Mitmenschen und deren Verhalten, ist, bei all ihrer pubertätsgeprägten Gnadenlosigkeit, klar und genau sezierend. Ihre rundliche Freundin Conni, die älteren Jungs in der Garage, der zweite Frühling der verlassenen Mutter und deren Freundin, die verwahrloste Ranch des Hippiegurus Russel, die unterernährten Kinder dort und Suzanne, die schmuddelige, abgerissene Schönheit, die sich Evie als Vorbild nehmen wird. All das starrt Evie an und sie sieht auch wirklich, was diese Menschen ausmacht. Ihr Zerbrochensein, ihre Angst, ihre Selbstüberschätzung, ihre Lügen und Verharmlosungen, ihre Scham und ihre Verzweiflung.
Und wir sehen mit. Wir tauchen ein in Evies chaotische Gefühlswelt von Trotz und Aufbegehren, von Sehnsucht und Gier, von Gleichgültigkeit und echter Liebe und wir erinnern uns an unser eigenes Aufbegehren, unsere Verzweiflung, unseren Trotz. Dies gelingt dieser jungen Autorin durch ihren pointierten, scharfen Sprachstil. Emma Cline beschreibt mit großer Zärtlichkeit die hingebungsvolle Suche nach Liebe und deren Scheitern.

„Das war das erste Mal. dass ich Suzanne je sah – ihr schwarzes Haar kennzeichnete sie schon aus der Entfernung als anders, das Lächeln, mit dem sie mich bedachte, direkt und forschend. Ich konnte es mir nicht erklären, den Stich, den ihr Anblick mir versetzte. Sie wirkte so seltsam und rein wie jene Blumen, die einmal in fünf Jahren in greller Fülle aufblühen, die farbenprächtige, prickelnde Lockung, die beinahe dasselbe war wie Schönheit. Und was hatte sie gesehen, als sie mich anblickte?“

Leseprobe
_____________________________

Deutscher_Buchhandlungspreis_2016_Logo_CMYK_ohne Zusatz_preview.jpg.1825200

Die Preisträger des Deutschen Buchhandlungspreis 2016 wurden bekanntgegeben und wir sind mit dabei.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s