Donnerstag, 18.August

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Heute haben
Elsa Morante * 1912
Alain Robbe-Grillet * 1922
Ulrich Woelk * 1960
Geburtstag.
Aber auch Roman Polanski, Robert Redford und Harald Schmidt.
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Buchtipp desTages:

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Serhij Zhadan:Laufen ohne anzuhalten
Erzählung
Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr
Haymon Verlag € 16,90

Laufen ohne anzuhalten“ können wir auf verschiedene Arten interpretieren.

Er lief für seine Schule, lief für sein Institut,. Irgendwann hörte er auf – schließlich kann man nicht sein ganzes Leben laufen ohne anzuhalten. Jetzt aber merkte er, dass es gar nicht so einfach war, wieder loszulaufen, wenn man angehalten hatte.

Der Hagere, so wird er in dieser Erzählung genannt, war ein Läufer und irrt an diesem einen Tag innerhalb des Textes durch seine Heimatstadt in der Ostukraine und besucht seine Familie, Freunde, seine Ex-Frau und Bekannte. Er ist auf dem Weg in den Krieg, kommt sich jetzt schon vor wie ein Unberührbarer, ein Ausgestoßener, einer, mit dem man nichts zu tun haben will.
Zhadan kennen wir in Deutschland als Autor von hochgelobten Romanen (Mesopotamien, Die Erfindung des Jazz im Donbass, Gedichten und Essays), die im Suhrkamp Verlag erschienen und hier zum Teil schon besprochen worden sind. Jetzt ist eine einzelne Erzählung mit gerade mal 25 Seiten in einer schönen Aufmachung im Österreichischen Haymon Verlag erschienen.
Ein Tag im Leben eines Mannes, der alles zurück läßt, der vorher schon schon viel verloren hat. Die Menschen, die er besucht, sind traumatisiert, zerstört, verzweifelt und ohne Blick in die Zukunft. Der Krieg in der Ostukraine lauert hinter jeder Ecke und am strahlend blauen Himmel. Jeden Moment kann es wieder losgehen. Einmal kracht es über ihm, aber es ist nur ein erlösendes Gewitter, das die Schwüle und Hitze vertreibt, den Hageren aber noch mehr durchnässt, als er eh schon ist.
Serhij Zhadan schriebt eine kleine Episode über den Krieg, der gar nicht vorkommt. Er erzählt von einem Krieg, der hier im Westen schon wieder vergessen ist, unter dem die Bevölkerung jedoch täglich leidet.
Seine Ex-Frau hortet Lebensmittel und als ihm eine Packung Zucker auf den Fußboden fällt und dort explodiert, brechen bei ihr gleichzeitig alle Dämme. Sein bester Freund sagt ihm, daß er keine Angst vor nichts und niemandem hat. Nur um das Heranwachsen seines kleinen Sohnes fürchtet er sich. Kurz darauf erfährt der Hagere, daß dieser Freund mit seiner Familie am nächsten Tag ausreisen wird.
Die ehemalige Lehrerin des Hageren vegetiert in ihrer Wohnung vor sich hin und wartet auf ihren Tod.
Es ist ein Warten, ein Erwarten ohne jegliche Hoffung. Zhadan beschriebt diese Hoffnungslosigkeit, dieses Ausgeliefertsein in einer knappen Sprache mit vielen ungewöhnlichen Bildern und löst das Schicksal des Hageren erst ganz zum Schluß auf. Viel mehr: er deutet es dort erst an.

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